Von deinen Worten können wir leben Lk 2,19

Die Geburt Jesu und Geschenke – das gehört zusammen. Zum einen sind es die bekannten Geschenke der Weisen aus dem Morgenland, die dem Heiland der Welt Gold, Weihrauch und Myrrhe überreichen. Ich möchte heute mit euch über ein anderes Geschenk nachdenken, das zur
Weihnachtsgeschichte gehört. Im Lukasevangelium 2,19 lesen wir: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. L 2017 In der Hfa Bibel steht hier: Maria aber merkte sich jedes Wort und dachte immer wieder darüber nach. Hfa


Was wir über die Geburt Jesu wissen verdanken wir der Mutter Jesu. Die bekannte Weihnachtsgeschichte nach Lukas verdanken wir Maria. Streng genommen verdanken wir Weihnachten dieser Frau, die sich alles einprägte und in ihrem Herzen bewegte und darüber nachdachte. Und als Lukas viele Jahre später Maria besucht, erzählt sie ihm das alles. Und mit dem Schatz aus ihrem Herzen beschenkt sie die Welt mit viel mehr als nur einer außergewöhnlichen Geschichte. Das griech. Wort,
das mit „behalten“ übersetzt wird, hat mit Schutz und sicherer Verwahrung zu tun. In Matth 9 kommt es auch vor. Da heißt es: …man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten. Die Weihnachtsgeschichte blieb im Herzen Marias erhalten. Die Ereignisse
rund um die Geburt Jesu waren es wert, erhalten zu werden. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Maria tat das von sich aus, niemand drängte sie dazu. Immerhin war sie die Mutter. Mütter erinnern sich an alles wichtige rund um die Geburt ihrer Kinder. Einige Gründe dafür liegen also auf der
Hand: Jesus war ihr Kind. Und gleichzeitig war ihr Kind der Messias, der Retter, der Sohn Gottes.
Ein zweiter Grund ist dieser: Maria hatte kein Tagebuch, diese Dinge aufzuschreiben. Sie hatte nur eine Möglichkeit, all diese Dinge zu bewahren – ihr Herz, ihre Erinnerung, ihr Innerstes. Der dritte Grund dafür, dass sie alle Ereignisse und Worte in die Schatzkammer ihres Herzens legte ist dieser: Gott hatte sie erwählt für diese Aufgabe, Mutter von Jesus, Mutter des Retters der Welt zu sein. Und
weil Kinder immer auch eine Gabe Gottes sind – Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk (Ps 27,3) – sollten alle Mütter wie Maria davon ausgehen, dass Gott
mit ihrem Kind einen Plan hat und gute Gedanken. Und dann gibt es noch einen vierten, ganz menschlichen Grund: Sie wollte das Unbegreifliche begreifen. Sie wollte das Wunder verstehen, das Handeln und Reden Gottes verstehen. Darum bewegte sie das alles immer wieder in ihrem Herzen. Sie wollte Gott auf die Spur kommen, Gott besser kennenlernen und seine Gedanken verstehen. Das tat sie viele Jahre lang. Zweimal macht Lukas darauf aufmerksam: Als Jesus mit 12
Jahren im Tempel bleibt und mit den Schriftgelehrten diskutiert ohne seine Eltern vorher darüber zu informieren, tadeln seine Eltern ihn dafür. Darauf sagte Jesus: Warum habt ihr mich gesucht?
Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und
war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen. 2,49-51
Es waren außergewöhnliche und bedeutsame Ereignisse, die unmittelbar mit ihr und ihrem Leben
zu tun hatten. In der NGÜ steht: Maria aber prägte sich alle diese Dinge ein und dachte immer wieder darüber nach. NGÜ Genau das tun wir heute auch. Wir tun es jedes Jahr zu Weihnachten.
Wir wollen verstehen, was Gott getan hat und warum er es getan hat. Doch unser Verstehen bleibt Stückwerk. Wir bleiben ein Leben lang Lernende, Hörende … und Beschenkte. Für mich wuchs mit
der Zeit die Bedeutung der Geburt Jesu. Ob es Maria auch so erging?

Euch ist heute der Heiland geboren – diese Botschaft wird nie langweilig. Sie gilt jedem Menschen auf der Welt. Gott schenkt jedem Menschen mit seinem Sohn das Versprechen der Freude und der
Rettung. Das galt vor über 2000 Jahren. Das gilt heute. Es wird morgen gelten. Ich habe einen Heiland, weil Jesus auch für mich geboren wurde! Du hast einen Heiland, weil Jesus auch für dich
geboren wurde! Ein größeres und bedeutsameres Geschenk gibt es nicht.
Manfred Siebald schrieb 1992 das Lied „Von deinen Worten können wir leben“. Es hilft uns den 5. Grund zu verstehen, warum Maria all diese Dinge bewahrte und in ihrem Herzen bewegte. Es hilft
uns zu verstehen, warum all diese Dinge, diese Worte, die Geschehnisse der Geburt Jesu ein wundervolles Geschenk sind. Sie sind ein Geschenk an Maria und jeden von uns.
Von deinen Worten können wir leben, durch deine Worte weitersehn. Mit deinen Worten können wir sterben und auf dein Wort hin auferstehn.
– Auch wenn Maria vieles nicht verstehen konnte, so wusste sie doch eines gewiss: Gott schreibt auch mit ihr Geschichte. Das darfst du gewiss glauben: Gott schreibt auch mit dir Geschichte.
– Auch wenn nicht viel außergewöhnliches passieren würde in den nächsten Jahren und Jahrzehnten (zumindest wissen wir nichts von Begegnungen mit Engeln, ungewöhnlichen Besuchen oder Wundern), so wusste sie doch eines gewiss: Gott hat sie erwählt und auf
unterschiedliche Weise gesprochen. Das bleibt auch für jeden Christen das Fundament seines Lebens und seines Glaubens: Gott hat dich erwählt und zu dir gesprochen. Das gibt Halt, Kraft
und Trost in Krisen.
– Auch wenn Maria mit ihrem Mann und ihren Kindern ein unauffälliges, normales Leben führte, so wusste sie doch gewiss: Gott hat ihr seinen Sohn anvertraut. Ihr Leben ist zutiefst sinnvoll, bedeutsam und wichtig. Weil Gott sich ihr offenbart hatte und sie angesehen hatte: „denn er hat
die Niedrigkeit seiner Magd angesehen (Lk 1,48),“ stand ihr ganzes Leben im dem Licht dieser Wahrheit, die mit konkreten Ereignissen und Worten verbunden war. Wenn Jesus dein Heiland ist, dann ist dein Leben zutiefst sinnvoll, bedeutsam und wichtig. Ein ganz wichtiger Grund, sich
Gottes Worte und Taten zu merken und darüber nachzudenken.
Gott will, dass sein Wort uns ins Herz hinein gedrückt werde und ein solches Malzeichen bleibe, welches niemand abwaschen kann, gerade als wäre es daran gewachsen und ein natürlich Ding.“ Martin Luther


1. Mach unsre Ohren frei und sprich hinein in unsre Herzen nun. Lass uns nichts hören als nur dich, und hilf uns, was du sagst, zu tun.
Ref.: Von deinen Worten können wir leben, durch deine Worte weitersehn. Mit deinen Worten können wir sterben und auf dein Wort hin auferstehn.

Der Kaiser ist nackt 1 Kor 13,4

Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, dass er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr munter her. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, dass sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Stoffe genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, dass sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei. Der Kaiser glaubt den Betrügern. Er trägt Kleider, die es nicht gibt. Er zeigt sich nackt und glaubt, er sei vorzüglich gekleidet. Alle glaubten den Betrügern. Der nackte Kaiser wird von allen hoch gelobt und bewundert für seine herrlichen und schönen Kleider – bis ein Kind es ausspricht: „Aber er hat ja gar nichts an!“ – Der Kaiser ist nackt.

Sie (die Liebe) bläht sich nicht auf.  Andere übersetzen diese Eigenschaft der Agape Liebe so: sie ist nicht eingebildet NGÜ; Spielt sich nicht auf. GN schaut nicht auf andere herab Hfa nicht stolz NL plustert sich nicht auf Das Buch

Was bedeutet es, sich aufzublähen? Sich aufblähen bedeutet, sich größer zu machen als man ist; größer sein zu wollen als andere Menschen. Sich selbst zu erhöhen.

Eine Frau versucht ein Kreuzworträtsel zu lösen. Dabei fragt sie ihren Mann: „Wie heißt eine Weltmacht mit drei Buchstaben?“ Darauf sagt ihr Mann: „Ich.“ Manchmal ist es lustig, wenn Menschen sich überschätzen.

Sich aufblähen bedeutet, auf andere herabzusehen und zu denken, man sei bedeutender, klüger, besser. Wer sich aufbläht ist eingebildet und stolz. Wir nennen solche Menschen Wichtigtuer, Blender, Angeber, Prahlhans, Schauspieler, Gernegroß, Hochstapler, Schaumschläger, Aufschneider, Maulhelden. Diese vielen Begriffe haben eines gemeinsam: sie zeigen einen Mangel an Liebe an. Denn wer sich aufbläht, begegnet anderen nicht auf Augenhöhe. Liebe aber gibt es nur auf Augenhöhe. Auch darum wurde Gott Mensch. „Er war einer von uns,“ lautet der passende Titel eines Buches über Jesus von Nazareth.

Wann ist eine Beziehung auf Augenhöhe? Wann man mit Wertschätzung kommuniziert, ohne den anderen zu bewerten. Auf Augenhöhe bedeutet: „Ich bin gleich mit dem anderen.“ Auf Augenhöhe heißt, den anderen zu nehmen, wie er oder sie ist: gewichtig und gleichbedeutend.  Ebenbürtig heißt aber auch, dem anderen nicht unterlegen zu sein und schon gar nicht überlegen.

Der Kaiser wollte mit seinen neuen Kleidern, was jeder Mensch will – beachtet werden, bewundert werden, schön sein. Ob es die neuen Kleider sind oder Titel, Statussymbole oder die Art, wie ich mich wichtigmache – immer geht es um einen Menschen, der beachtet und geliebt werden möchte. Kleider machen Menschen nicht wichtiger, nicht besser oder schöner als andere. Darum schreibt Paulus: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Kol 3,13f Beziehungen brauchen Menschen mit solchen Klamotten!

Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen, aber selten etwas Besseres. Gotthold Ephraim Lessing

In der Vollmacht, die mir Gott als Apostel gegeben hat, ermahne ich euch: Überschätzt euch nicht, sondern bleibt ehrlich und bescheiden im Urteil über euch selbst. Keiner von euch soll sich etwas anmaßen, was über die Kraft des Glaubens hinausgeht, die Gott ihm geschenkt hat. Röm 12,3 Hfa

Sich aufblähen meint jeden Versuch der Selbsterhöhung. Der Versuch, sich selbst und andere zu beeindrucken. Als ob es vor dem Kreuz Stufen gibt. Die gibt es nicht. Wir stehen alle auf dem einen Grund:  Wir sind angenommen allein durch Glauben an Jesus und allein aus Gnade. Wir sind aus Gnade erlöste und von Gott geliebte Sünder.

Dr. Joachim Cochlovius war Gast bei einem Ehepaar einer Gemeinde, in der er einige Dienste tat. Die Ehefrau der Gastgeber war zuerst allein mit ihm und redete ihn mit Dr. Cochlovius an. Als ihr Mann später von der Arbeit dazukam, begrüßte er ihn herzlich mit den Worten: „Herzlich willkommen bei uns Joachim.“ Zuerst fand sie das nicht ok. „Er ist mein Bruder“, begründete ihr Mann seine Anrede. Richtig.

Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf. „Ich weiß, was du nicht weißt. Ich kann, was du nicht kannst. Darum bin ich besser, klüger, wertvoller, wichtiger.“ Die Erkenntnis macht einsam. Die Liebe baut Beziehungen auf, weil sie sich auf Augenhöhe begibt, weil sie im anderen einen liebenswerten Menschen sieht. Die Liebe baut auf, weil sie den anderen gewinnen will, stärken, trösten, ermutigen.

Stolz zeigt sich nicht immer im Verhalten, wer sich aufbläht zeigt seinen Stolz. Wer sich aufbläht ist nicht zufrieden mit dem, wer er ist. Wer sich aufbläht, zeigt damit ein Defizit, das er glaubt zu haben und zu beheben. In Wahrheit kann man sich nicht aufblähen. Es geht einfach nicht. Es ist nur eine Kopfsache. Die geht. Aber nur auf Kosten der anderen. Und auf Kosten der Liebe.

Unser Sohn war damals in der 1. Klasse. Er schubste andere Kinder, die in einer Reihe vor ihm standen und viele stolperten und fielen zu Boden. Eigentlich aber wollte er Beziehung zu den anderen, stellte sich aber ungeschickt an. Sich aufblähen ist wie andere zu schubsen und sich dann zu beschweren, dass man keine Freunde hat.

Bei echter Liebe ist der kleinste Abstand immer noch zu groß und ein großer Abstand überbrückbar.

 Das aber, meine Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen um euretwillen, damit ihr an uns lernt, in eurem Denken nicht über das hinauszugehen, was geschrieben steht, damit ihr euch nicht für den einen auf Kosten des anderen aufbläht. 1. Kor 4,6 Sch2000 damit keiner sich wichtig mache, indem er für den einen und gegen den andern Partei ergreift. Zürcher damit ihr euch nicht aufbläht für den einen gegen den anderen. Elb Sich aufblähen bedeutet gegen andere zu handeln. Darum bläht die Liebe sich nicht auf, weil sie dadurch den anderen von sich stößt.

Darum will Jesus nicht, dass Menschen verachtet werden: Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Lk 18,9f

Wer ging hinauf in den Tempel? Ein Pharisäer und ein Zöllner. Das ist wahr. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, es die Wahrheit aus irdischer, menschlicher Perspektive. Zur Wahrheit gehört auch: Zwei Menschen gingen hinauf. Gott kennt nur Menschen, die Gnade brauchen.

Jesus erlöse mich von meiner Unsicherheit. Erlöse mich von meinen Zweifeln an deiner Liebe. Erlöse mich von dem Wunsch, mich größer zu machen als ich bin. Erlöse mich von dem Denken, ich sei weniger wert als andere. Hilf mir, allen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, mit Respekt und Liebe.

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Kol 3,13f Diese Kleider gibt es tatsächlich. Sie kleiden jeden Menschen so wie Gott Menschen gekleidet haben möchte.

Es gibt keine bessere Kleidung für Kaiser und Könige, für Bettler und Bonzen, für dich und mich.

Die Liebe macht sich nicht wichtig 1. Kor 13,4

Die Liebe treibt nicht Mutwillen.

Allison Botha war 27 als sie 1994 von zwei Männern entführt, vergewaltigt und aufs grausamste verletzt wurde. Die beiden Männer ließen sie an einer einsamen Stelle zurück im Glauben, sie wäre tot. Wie durch ein Wunder überlebte sie das Martyrium. Sie berichtet in ihrem autobiographischen Buch „Trotzdem weiterleben“ davon, was sie erlitten hat, wie ihr Gewalt angetan wurde. Sie erlitt über 30 Messerstiche in den Unterleib, ihr Hals wurde aufgeschlitzt, die Eingeweide waren herausgetreten. Sie war beinahe enthauptet worden. Sie schaffte es trotzdem irgendwie sich mitten in der Nacht nackt und blutend zur nahegelegenen Straße zu schleppen. Da brach sie zusammen. Und sie hoffte, ein Auto würde kommen und jemand würde ihr helfen. Ein Auto kam, hielt an, wartete, fuhr dann weiter an ihr vorbei. Nach einer Weile kamen zwei weitere Autos. Ein junger Mann stand ihr während der nächsten 2 Stunden bei. Tian hielt ihre Hand, ermutigte sie, deckte sie mit einer Decke zu, verband den aufgeschlitzten Hals notdürftig, redete mit ihr. Dass jemand sie ansieht, Blickkontakt aufnimmt, und sich ihr zuwendet bedeutete ihr unendlich viel. Der Rettungswagen kam erst nach 2 Stunden. Tian fuhr mit dem Rettungswagen und hielt ihre Hand bis Ärzte im Krankenhaus sich um Allison kümmerten.

Wie absurd und grotesk wäre es, wenn dieser junge Mann sich neben sie gestellt hätte und geprahlt hätte!? „Wissen Sie, ich habe Tiermedizin studiert. Mit Organen kenne ich mich gut aus. Ich bin ein Einser-Student und sehr sportlich bin ich auch. Ich bin der hilfsbereiteste Mensch südlich des Äquators. Schon im Kindergarten wurde ich gelobt, dass ich so gut angezogen bin. Schauen sie mal, was für eine tolle Jacke ich trage. Chic nicht wahr?! Schätzen Sie mal, wie viel Geld ich schon gespart habe…

Das vierte Merkmal der Liebe lautet Die Liebe treibt nicht Mutwillen. So steht es in der Lutherbibel. Ich halte das für eine unglückliche Übersetzung. In der Neuen ev. Übersetzung steht, sie macht sich nicht wichtig. Zürcher: sie prahlt nicht. Die Neue Genfer Übersetzung schreibt sie spielt sich nicht aufLiebe und Angeberei passen nicht zusammen. Das sagt Gottes Wort. Warum prahlt die Liebe nicht? Heinz Erhardt sagte mal, „Manche Menschen wollen glänzen obwohl sie keinen Schimmer haben.“ Die Wahrheit ist: Alle Menschen wollen glänzen. Glänzen wollen, angeben, prahlen, sich rühmen sind der übertriebene Wunsch nach Beachtung, nach Bedeutung, nach Wertschätzung.

Kennt ihr Karsten Kreher? Sehr wenige kennen ihn. Es gibt ein kurzes Video über ihn. Seine Frau bekam in jungen Jahren Chorea Huntington, eine unheilbare Gehirnerkrankung. Sie war auf Hilfe angewiesen. Karsten hat seine Frau bis zu ihrem Tod 21 Jahre lang gepflegt. „Sorge Dich nicht! Ich kümmere mich in guten wie in schlechten Zeiten um Dich, war mein Versprechen zu unserer Hochzeit.“ Dafür gab er sogar seinen Beruf auf.

Was Bedeutung hat, braucht nicht gesehen zu werden, um Bedeutung zu bekommen; aber was keine Bedeutung hat, möchte gesehen werden, um so wenigstens einigermaßen Bedeutung zu erlangen.“  Und am Ende ist es der Wunsch nach Liebe. Wer prahlt, will geliebt werden. Wer geliebt ist, braucht nicht zu prahlen. Und wer liebt, tut etwas zutiefst Sinnvolles und Bedeutungsvolles.

Ein untrügliches Zeichen von Selbstgerechtigkeit ist das Prahlen mit eigenen frommen Werken: Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Lk 18

Prahlen und sich rühmen sind ein Grundproblem des Menschen, auch des gläubigen Menschen. Es ist der Versuch, sich gegenüber Menschen und Gott Bedeutung zu verschaffen. Ein altes Sprichwort lautet: Andere sollen dich rühmen, aber nicht du selbst – ein Fremder, aber nicht dein eigener Mund. Spr 27,2 Heute sagt man schlicht: Eigenlob stinkt!

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht von Siegern, Medaillen und Trophäen hören oder lesen. Sportnachrichten sind fester Bestandteil unseres Alltags. Jeden Tag gibt es irgendwo einen Wettkampf, gibt es Sieger und Verlierer. Ich stelle nüchtern fest: Die Welt lechzt nach Ruhm, nach Auszeichnungen, Ehrungen und Rampenlicht. Ob im Sport, Film oder Fernsehen – immer geht es auch um Ruhm und sich rühmen. Und ein wenig Glanz fällt auch auf mich ab, wenn eine Mannschaft oder ein Sportler für Deutschland gewonnen hat.

Sich rühmen war den Christen in Korinth vertraut. Einige rühmten sich gerne. Das kritisierte Paulus: Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht (Jer 9,22f): »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!« 1. Kor 1,26-31

In Gottes neuer Welt wird es keine Wettkämpfe, Turniere, Siegerehrungen, Auszeichnungen geben! Keine Oscar Verleihungen, keine Emmys, keine Goldmedaillen. Und keine Sportnachrichten. Niemand wird es nötig haben, seinen Wert und seine Bedeutung auf Leistungen zu gründen.

Prahlen und angeben sind typisch menschliche Angewohnheiten. Die lautesten Menschen haben oft die leiseste Ahnung. Es ist also wichtig, leiser zu werden, weniger sich selbst anzupreisen und mehr für andere da zu sein.

Die Liebe tut nicht groß, prahlt nicht, macht sich nicht wichtig. Wer liebt, tut das, was gerade nötig ist, mit großer Selbstverständlichkeit. Liebeswerke tun als ob man sie nicht täte, das ist Christentun. Für einen Liebenden ist es selbstverständlich zu lieben. Für einen Christen ist es selbstverständlich, dem anderen Schuld zu vergeben, ihm zuzuhören, anderen zu dienen, Konflikte christlich zu lösen, Wort zu halten, anderen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, verschwiegen zu sein. Für einen Christen ist es selbstverständlich, ein Diener zu sein. Doch ist es das wirklich? Natürlich nicht. Aber es sollte jedem Christen wichtig sein, das zu lernen und so zu lieben. Christsein ist lebenslanges Liebe lernen. Darum, Strebt aber nach der Liebe… 1. Kor 14,1

In einem ungewöhnlichen Moment berichtet Johannes davon, dass Jesus seine Jünger bis ans Ende liebte: Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten, Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Joh 13 Der Sohn Gottes, der Schöpfer dieser Welt ist sich nicht zu schade, den niedrigsten Dienst an seinen Jüngern zu tun. So sieht Liebe aus. So liebt Jesus und Er hört nicht auf zu lieben. Liebe zeigt sich in der Freiheit, für andere da zu sein, anderen zu dienen und auf jede Ehre, jeden Ruhm und Glanz zu verzichten. Dann sagt Jesus: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Joh 13,15

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Ein wunderbares Beispiel für diese dienende, selbstverständliche Liebe, die nicht nötig hat, sich zu rühmen ist der barmherzige Samariter:Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen. Lk 10,25ff

Strebt nach der Liebe! 1. Kor 14,1 Werde ein liebender Mensch. Werde ein Diener. Lass das Prahlen, das glänzen wollen, das rühmen, das Gieren nach Bedeutung und Ehre. Sieh, wie sehr du geliebt bist, weil du bist. Du bist geliebt von Gott! Du bist unverdient, aus Gnade, als Geschenk zum Leben geliebt. Und um das bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen, Philipper 1.9

Ich bin die schwer verletzte, blutende, dem Tod geweihte Allison Botha. Ich liege hilflos, schwer verletzt, nackt, schwer verletzt und erbärmlich auf der Straße und warte sehnsüchtig. Ich warte auf Erbarmen und Liebe.

Du bist die schwer verletzte, blutende, dem Tod geweihte … Du liegst hilflos…

Und das Wunder ist: du bist liebenswert – auch in diesem Zustand, nackt, blutig, arm, dem Tod geweiht. Ob jung oder hochbetagt, gesund oder krank, mit einem Traumberuf oder arbeitslos, ledig oder verheiratet – du bist geliebt!

Du bist es wert, geliebt zu werden.

Du bist von Gott geliebt!!!!

Die Liebe tut nicht groß, prahlt nicht, macht sich nicht wichtig.

Die Liebe eifert nicht 1. Kor 13,4

Eine Frau fragte kürzlich auf Twitter: „Wann habt ihr zuletzt Ich liebe dich gesagt? Bei mir war es 2012.“  Hinter dieser Frage steckt sicherlich mehr als Neugier. Da gibt es eine ganz persönliche Geschichte. Und die ist wie bei jedem Menschen von Glück, Schmerz und Sehnsucht geprägt. Menschen möchten lieben und geliebt werden. Wann habt ihr zu jemandem zuletzt „Ich liebe dich“ gesagt? Wann habt ihr einem Menschen zuletzt Liebe erwiesen? Beides gehört ja zusammen. Hier sind einige Antworten auf Twitter:

„Meiner Tochter vor ca. 3 Stunden, meinem Mann jeden Abend, wenn wir schlafen gehen.“

„Meinem Kind jeden Tag.“

„2014. Da war es aber nur noch eine Floskel in einer Beziehung, die zum Scheitern verurteilt war.“

 „Ich sage es jeden Tag zu meiner Tochter. Zu einem Mann? Daran erinnere ich mich leider nicht mehr.“

„Seit mich mein Mann betrogen hat, bringe ich es nicht mehr über die Lippen.“

Jeder Mensch ist auch eine Liebesgeschichte, die noch geschrieben wird.

„Ich liebe dich“ jemandem zu sagen ist ein wertvolles und seltenes Geschenk. Nur wenigen Menschen kann ich dies Geschenk machen. Aber ich kann Menschen Liebe erweisen. Und ich kann Menschen Liebe schuldig bleiben. Jesus sagt: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Joh 13 Ich kann und soll lieben. Geliebt zu werden gehört zu den Bedürfnissen in unserem Leben vom ersten Tag. Nicht geliebt zu werden tut weh und hinterlässt Wunden. Jemand hat gesagt, „Die Liebe kann man zwar nicht essen, aber sie stillt dennoch den Hunger, den wir Menschen haben. Man kann mit ihr keine Geschütze laden, aber sie ist dennoch die stärkste Waffe gegen Hass.“

Wer wissen möchte, was Liebe besteht, muss die Bibel lesen. Durch den Geist Gottes teilt Paulus anhand von 15 Verben mit, woran echte Liebe zu erkennen ist. Er beschreibt die Agape Liebe. Diese Liebe steht in einem grundsätzlichen Gegensatz zum eigensüchtigen Willen und zum Hochmut, der aus dem Besitz der Erkenntnis wächst (8,1). Liebe ist nicht abstrakt. Liebe ist konkretes und praktisches Handeln. Wir zählen 15 Verben in diesen Versen. Das bedeutet: von der Liebe kann nur in Begriffen des Handelns gesprochen werden. Liebe zeigt sich in Taten. Liebe ist der Wille, christlich und geistlich zu leben. Liebe ist Wille zur Gemeinschaft, zur Bewahrung von Beziehungen, zur Hilfe für meinen Mitmenschen. Im Blick auf Jesus erkennen wir, worin diese Liebe besteht.

Im Korintherbrief wird deutlich: die Liebe ist die Kraft, die die Gemeinde zusammenhält und aufbaut. Ohne Liebe ist Gemeinschaft und gemeinsames Leben nicht möglich: Strebt aber nach der Liebe (1 Kor 14,1); Alles bei euch geschehe in Liebe. (1 Kor 16,14).

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Das dritte Merkmal der Liebe lautet: die Liebe eifert nicht. Schlachter übersetzt hier: die Liebe beneidet nicht. Menge: die Liebe ist frei von Eifersucht (und Neid). Was aber meint Paulus, wenn er sagt, die Liebe eifert nicht? Eifern in 12,31 ist das gleiche Wort wie neiden in 13,4. Es heißt eigentlich „sieden, kochen“ und spricht von dem inneren Brodeln, das entsteht, wenn man etwas unbedingt haben will, was ein anderer hat. Die Olympiateilnehmer sind erfüllt von dem unbedingten Willen, zu siegen, ihr Bestes zu geben – sie eifern, sind in einem Wettstreit. In 1. Kor 3,3 weist Paulus die Korinther wegen dem Neid und Streit unter ihnen zurecht: Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie nicht vertragen, ja ihr könnt sie auch jetzt noch nicht vertragen, denn ihr seid noch fleischlich. Solange nämlich Eifersucht und Streit und Zwietracht unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise? (Sch2000).  Neid ist Missgunst. Wenn ich dich beneide, dann gönne ich dir etwas nicht, dann will ich das für mich haben. In Wahrheit aber will ich Liebe, ich will geliebt werden.

Bsp. Auf unserem Radwanderurlaub als Familie kam es vor, dass ein Kind es dem anderen nicht gönnte, neben Mama zu fahren. Es kam zum Streit. Immer wieder. Missgunst und Rivalität unter Geschwistern hat auch viel mit Liebe zu tun und mit der Angst, nicht genug geliebt zu werden, nicht geliebt zu werden. Die eigenen Kinder gerecht lieben und ihnen gerecht Zeit schenken ist nicht einfach. Neid bedeutet also auch: „Ich werde nicht genug geliebt.“ Vor Kurzem habe ich unseren Sohn gefragt, „Hast du das Gefühl, dass wir dich und deine Schwester fair behandeln?“ Er sagte, „Vor ein paar Jahren hätte ich die Frage noch anders beantwortet. Heute ist alles gut.“

Ein einziger Satz beschreibt das ganze Drama der Josef Geschichte: Und die Erzväter beneideten Josef und verkauften ihn nach Ägypten. Aber Gott war mit ihm. Apg 7,9 Ursprünglich wollten sie ihn sogar töten! Brüder wollten ihren Bruder töten! So sehr hassten sie Josef. Gott allein weiß, wie viele Geschwister und Familien wegen Neid und Eifersucht sich meiden, misstrauen, schlecht übereinander reden, keinen Kontakt mehr miteinander haben. In Wahrheit aber ist es der Kampf um Liebe, der Vertrauen beschädigt und Menschen voneinander trennt. Salomo hat Recht, wenn er sagt: Ein gelassenes Herz ist des Leibes Leben; aber Eifersucht ist Eiter in den Gebeinen. Spr 14,30 Agape Liebe kennt keine Wettkämpfe um Liebe, kennt keine Angst, zu kurz zu kommen, kennt keine Rivalität um Liebe.

Wer sich bedingungslos geliebt weiß,

kann sich über das Glück anderer ehrlich freuen.

gönnt anderen, Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen.

ist nicht leicht verletzbar.

muss nicht gegen andere kämpfen, sie klein machen.

fühlt sich durch andere nicht bedroht in seinem Selbstwert.

kann viel aushalten.

Wer liebt, muss sich der Liebe, die ihm selbst gilt, sicher sein. Wenn du weißt: „Ich bin geliebt,“ dann kannst du anderen Gutes gönnen. Neid vertreibt die Zufriedenheit durch Unmut und ist eine Quelle vieler anderer Sünden. Die Korinther beneideten einander wegen der geistlichen Gaben. 12,31 kann auch übersetzt werden: Ihr seid neidisch auf die größeren Gaben, aber ich zeige euch einen weit besseren Weg.

Liebe ist das Gegenmittel für Neid. Liebe und Neid passen niemals zusammen. Neid stört das gute Miteinander und das Vertrauen. Wenn göttliche Liebe dein Herz regiert, kannst du dich über den Erfolg anderer freuen, selbst wenn du weißt, dass ihre Motive nicht lauter sind. Aber wenn du für dich Ehre, Anerkennung, Aufmerksamkeit und eigene Vorteile suchst, bist du das Opfer des Neides.

Mit der dritten Eigenschaft der Liebe, die Liebe eifert nicht, beginnt eine Reihe von 8 Eigenschaften, die eins gemeinsam haben. Es sind Eigenschaften fehlender Liebe. Jedes Mal heißt es: So ist die Liebe nicht. Jede Eigenschaft ist eine menschliche Verhaltensweise, die mit der Liebe nicht vereinbar ist. Wer nach der Liebe streben will (14,1) muss diese Dinge überwinden und ablegen. Jedes nicht ist ein Nagel, der etwas ans Kreuz nagelt. Jedes nicht heißt: etwas muss erst sterben. Jedes nicht ist ein Stopp-Zeichen, das mich zum Nachdenken über mich anregt und zwingt, mich zu verstehen. Das bedeutet: Liebe kann ohne Reifen und Verwandelt werden nicht gelebt werden. Lieben wollen treibt mich zu Jesus Christus, der mich zum Lieben erlösen will.

Hier wird dir ein Spiegel vorgehalten. Was suchst du wirklich? Was willst du wirklich? Diese Fragen gilt es, ehrlich zu beantworten. Weißt du dich bedingungslos geliebt? Glaubst du, dass Gott dich bedingungslos liebt?  Neidest du anderen Erfolg, Glück, Gesundheit, Ansehen, Lebensfreude, Gaben und Talente? Warum hast du Angst, zu kurz zu kommen? Darüber nachdenken und meditieren ist wichtig und hilfreich.

Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr (meiner Liebe glaubt und darum) tut, was ich euch gebiete. (Wenn ihr meiner Liebe glaubt, tut ihr, was ich euch gebiete.) Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. Joh 15,12ff

Investierende Liebe 1. Kor 13,4b

Warum ist die Liebe langmütig und freundlich? Diese beiden Eigenschaften sind wesentlich für die Agape Liebe. Alle 15 Eigenschaften sind wesentlich für die Liebe. Es lohnt sich, über diese Eigenschaften nachzudenken und sie zu verstehen. Aber warum ist die Liebe so – langmütig und freundlich? Warum verdanken wir dieser Liebe so unendlich viel und warum sind wir verpflichtet, so zu lieben?

Manche sagen, es ist die schönste Kurzgeschichte der Welt. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn beschreibt auf beeindruckende Weise die Agape Liebe des Vaters. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn hilft uns zu verstehen, warum die Liebe so ist – langmütig und freundlich.

Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zum Vater: Gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt, Vater! Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange danach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit ausschweifendem Leben. Lukas 15,11ff

Ich bin der verlorene Sohn. Du bist der verlorene Sohn, die verlorene Tochter. Unsere Welt ist voll von Söhnen und Töchtern, die sich selbst verloren haben. Dieser Sohn wollte nicht auf sein Erbe warten, bis der Vater tot war. Er wollte sein Erbe vorher. Er wünscht der Vater wäre schon tot. Eine unvorstellbar tiefe Kränkung des Vaters. Dieser Sohn wollte ohne den Vater glücklich sein. Und er lebte gut vom Erbe. Bis zu dem Tag, als das Erbe aufgebraucht war. An dem Tag lautete die Wahrheit: Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.

 Er sträubte sich dagegen, zurück zum Vater zu gehen. Er wollte dem Vater sein Scheitern nicht eingestehen. In ihm war ein Kampf. Aber irgendwann gab er den Widerstand auf und gestand sich ein, dass er ohne seinen Vater verderben wird. Das wollte er aber nicht – verderben vor Hunger.

Da ging er in sich und sprach: In der NGÜ heißt es hier: Jetzt kam er zur Besinnung. – Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

Das macht die Sünde mit einem Menschen, sie macht ihn glauben: Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Sünde zerstört das Wissen um den eigenen Wert. Sünde zerstört auch das Wissen um die Liebe des Vaters. Menschen haben ein verzerrtes, falsches Bild von der Liebe. Was macht dich wertvoll ohne die Liebe?? Was auch immer dich wertvoll macht, es ist ohne die Liebe des Vaters brüchig und trügerisch. Dieser Sohn lernte die Liebe seines Vaters erst kennen nachdem er gescheitert war. Weißt du, wie sehr Gott dich liebt? Ich wünsche dir, diese Vaterliebe kennenzulernen. Ich wünsche dir, dass du der Liebe deines Vaters im Himmel glaubst. Und dass du diese Liebe von anderen Christen erfährst. In diesem Gleichnis zeigt Jesus: auch wenn du es nicht glauben kannst, du bist von Gott geliebt.

Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren. (Theodor W. Adorno)

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Der verlorene Sohn glaubte wirklich, dass er nicht mehr wert ist, Sohn zu sein. Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Er glaubte wirklich, dass der Vater ihn lebenslang mit dem Entzug der Vaterliebe strafen wird und muss. Er hatte gegen den Vater gesündigt. Er hatte schweres Unrecht getan. Er dachte, dass er für immer darauf verzichten muss, Sohn genannt zu werden. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Röm 5,8 So freundlich ist Gott in seiner Liebe!

Diese Vaterliebe hat den älteren Bruder, den selbstgerechten Bruder empört. Die Liebe Gottes ist empörend, weil sie jedem gilt, weil sie auch den Sündern gilt. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Der Vater liebte beide Söhne. Darum ging er zu ihm und bittet ihn. Der Selbstgerechte denkt: „Das hat der Lump nicht verdient, dass er trotzdem so geliebt wird, dass der Vater trotzdem so freundlich und gütig ist.“ Er hat Recht, das hat er nicht verdient. Die Liebe des Vaters kann man sich nicht verdienen.

Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird. (Michael Quoist)

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Warum ist die Liebe langmütig und freundlich? Weil die Liebe der unbedingte Wille zur Gemeinschaft ist. Weil die Liebe trotz des Bösen, trotz des Unrechts, trotz der tiefsten Kränkung, trotz der Bosheit die Hand reicht und nicht nachträgt. Langmütig und freundlich / gütig beschreiben die zwei Seiten ein und derselben Einstellung. Beide Eigenschaften haben es mit dem Widerstand zu tun, auf den die Liebe zum Nächsten trifft. Durch die Langmut soll und kann der Widerstand im eigenen Herzen, durch die Güte der Widerstand beim Nächsten überwunden werden. So werden Gräben zugeschüttet. So und nur so werden Brücken gebaut. So wird Versöhnung möglich. So bleibt man beieianander.

Das Schönste aber hier auf Erden, ist lieben und geliebt zu werden. (Wilhelm Busch)

Weil der Vater seinen Sohn bedingungslos liebt, vergibt er ihm und lässt ihn erleben, dass er geliebt ist. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet. Ps 34,9 Menschen müssen diese Liebe erleben, sie schmecken, erfahren.

Warum ist die Liebe langmütig und freundlich? Weil wir es erleben müssen, dass wir geliebt sind. Weil der Widerstand in uns überwunden werden muss. Glauben können und glauben dürfen, trotzdem von Gott geliebt zu sein – das verdanke ich der Liebe Gottes. Johannes staunte über die Liebe Gottes:

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Darum erkennt uns die Welt nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass wir ihm gleichgestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. (1 Johannes 3.2)

Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin. Du hast gesagt, dass jeder kommen darf. Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann. Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan. Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin, und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir gegenüber so unendlich gütig bist. Jeden Tag darf ich von deiner Güte leben. Hilf mir, diese Güte täglich an andere weiterzugeben. Stärke in mir die Überzeugung, dass in deinen Augen alle Menschen gleich wertvoll und geliebt sind. Ich will mit deiner Hilfe allen Menschen freundlich begegnen. Amen!

Gottes große Liebe 1. Kor 13,4

Eine Mutter schrieb letzte Woche zwei Zeilen aus ihrem Alltag.

Der fünfjährige hat mit Filzstiften auf seine Bettwäsche gemalt. Der fünfjährige wollte keinen Ärger bekommen und hat das Gemalte ausgeschnitten.“

Ich habe über diese Begebenheit nachgedacht. Ob das Kind Ärger bekommen hat? War das vermeidbar? Was ist so schlimm daran, Ärger zu bekommen? Geht es uns nicht, wie diesem Kind – wir möchten auch keinen Ärger!? Ich möchte keinen Ärger mit anderen. Wenn wir es können, vermeiden wir Ärger. Kann es sein, dass Ärger den Frieden und die Liebe bedroht? Bedeutet Ärger, ich werde nicht mehr geliebt, die Beziehung zu diesem Menschen endet? Bedeutet Ärger, nicht mehr geliebt zu sein, weil wir jemanden enttäuscht haben oder weh getan haben? Bedroht Ärger unser Leben, weil wir nicht ohne Menschen leben wollen? Und dann stieß ich auf einen Vers im Alten Testament:

Im Buch Jesaja sagt Gott, Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. (54,8) Dieser Vers zeigt: Ärger und Zorn bedrohen, bzw. beenden eine Beziehung. Das Angesicht vor jemandem verbergen bedeutet, die Beziehung zu diesem Menschen zu beenden. Gott zu verlieren ist die schlimmste Strafe für einen Gläubigen. Hier wird es am Beispiel des Volkes Israel dokumentiert. Gott zu verlieren, ohne Gott zu sein, wurde real im Kreuzestod des Sohnes Gottes, als er schrie „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesus nahm den Zorn Gottes auf sich, damit wir es nicht müssen, sondern freigesprochen werden. Die Betonung und das Wunderbare in diesem Vers im Buch Jesaja ist die ewige Gnade, mit der Gott sich erbarmen will. Gott lässt nie im Stich, wen er in Liebe erwählt. Sein Zorn ist nur der scheinbare Verlust seiner Liebe.

Gibt es Beziehungen ohne Ärger? Und was hat die Agape Liebe mit Fehlern und Ärger zu tun?

Die Liebe ist langmütig und freundlich So ist die Agape Liebe. Mit diesen beiden Begriffen beginnt Paulus die Agape-Liebe zu zeichnen. Insgesamt 15 Verben beschreiben die Agape Liebe. Und die ersten beiden Eigenschaften öffnen uns die Augen für das Besondere dieser Liebe. Sie hält fest am geliebten Menschen, wenn er versagt hat. Im Englischen steht hier longsuffering – wörtlich: lange leiden. Agape Liebe ist die Kraft, Fehler und Schuld des anderen lange leidend zu ertragen.

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Das erste Kennzeichen der Liebe ist die Fähigkeit, langmütig zu sein. Langmut ist die Kraft, einen langen Atem zu haben. Das griech. makrothumein bedeutet wörtlich das lange (Zurück-)Halten des Zorns, der Erregung. Im Gegensatz dazu steht oxuthumein, der Jähzorn, der unbeherrschte Zorn. Gott ist langmütig: Barmherzig und gnädig ist der Herr, langsam zum Zorn und groß an Gnade. Ps 103,8RE Das ist das Glaubensbekenntnis der Juden. Es stammt aus der Gesichte Israels mit Gott. Es stammt aus dem Erleben mit Gott über Jahrhunderte. Langmütig sein heißt, langsam zum Zorn sein. So zeigt sich die agape Liebe. Im AT wird darunter in erster Linie der Langmut Gottes beschrieben: Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit. Ps 86,15RE

Langmut gibt Raum zum Leben in einer gefallenen Welt! Am Gleichnis vom Schalksknecht wird der Zusammenhang von göttlicher und menschlicher Langmut in beeindruckender Weise für das ganze NT offengelegt: Matth 18,21-34 Mit diesem Gleichnis macht Jesus die unvergleichliche Größe göttlicher Langmut deutlich. Doch Gott will uns durch seine Langmut nicht nur zur Nachahmung seiner Langmut aufrufen. Die Langmut Gottes zeigt sich auch in der wundervollen Zusage Jesu:

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Joh 10,27f Weil Jesus dich liebt, kann niemand dich aus seiner Hand reißen! Niemand! Die Liebe Jesu und sein Ja zu dir sind gewiss. Du bleibst immer sein Kind. Paulus schreibt darum, Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? (…) Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Röm 8,35+38f

Durch seine Langmut schafft Gott uns Raum zum Leben. Das dürfen wir nie vergessen! Hinter der Langmut Gottes steht sein berechtigter Zorn. Liebe ohne Zorn oder Ärger gibt es nicht. Langmut ist die Fähigkeit, keine Vergeltung zu üben, d.h. Gericht zu üben, wenn einem Unrecht getan wurde. Und seid euch bewusst, dass die Langmut unseres Herrn eure Rettung bedeutet; so hat es euch ja auch unser geliebter Bruder Paulus in der ihm geschenkten Weisheit geschrieben. 2. Petr 3,15 ZB

Schafft Gott uns durch seine Langmut Raum zu neuem Leben, so bewährt sich dieses neue Leben im Üben der Vergebung. Langmut zeigt sich darin, immer wieder dem anderen die Hand zu geben. Die Langmut des Menschen ist also nicht so sehr eine Charaktereigenschaft als vielmehr ein Tun, ja das erste Tun der Liebe: Die Liebe ist langmütig… Weil wir wertvoll sind. Weil wir wichtig sind. Weil Gott nicht ohne uns sein will.

Gebet: Ich danke dir, Herr, dass du an mir deine große Langmut und Barmherzigkeit erwiesen hast. Du hast mir all meine Schuld vergeben. Weil du mir so gern vergeben hast, will ich lernen, meinen Nächsten auch gern zu vergeben. Herr, hilf mir, dass ich jeden Tag von deiner Langmut lerne und fähig werde, Unrecht zu ertragen und das Böse mit Gutem zu überwinden. Ich will dir vertrauen, dass du in deiner Zeit auch mir Recht schaffen wirst. Amen!

Ulrich Schaffer: „Gott ich danke dir für die Freiheit zu sündigen. Das ist nicht, was ich wirklich will, aber auch wenn ich es wollte, hinge deine Liebe zu mir davon nicht ab. So kann ich das Risiko eingehen, den sicheren Raum der äußeren Gesetze zu verlassen, und sie ganz neu in mir zu entdecken, nicht als Formen des Gesetzes, sondern als Ausdruck der Liebe.“

Der fünfjährige muss es erleben, muss es immer wieder erleben, dass er geliebt bleibt, auch wenn er Fehler macht, auch wenn er Ärger bekommt. Das müssen wir als Christen auch erleben. Immer wieder. Und wir sollen und dürfen dem Wort Gottes mehr vertrauen als unseren Gefühlen.

Der Schlüssel Phil 1,21

Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.“ (Charles Dickens) Aber ein Schlüssel ist nötig. Im Leben stehen wir manchmal vor verschlossenen Türen. Dann braucht man den passenden Schlüssel. Viele Türen lassen sich öffnen, manche gehen einfach von alleine auf. Aber einmal kommt die Tür zum Tod. Dann kann uns nur einer den passenden Schlüssel geben, dass wir getrost sterben können. Das kann Jesus Christus, der den Tod besiegt hat. Der passende Schlüssel bedeutet: „Diese Tür wird sich mir öffnen, dieser Weg bleibt mir nicht versperrt, hier geht es weiter.“

Ostern, das Fest der Auferstehung, hat auch mit Schlüsseln und offenen Türen zu tun. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein… Lk 24,2f Sie konnten ins leere Grab, weil der Stein weggewälzt war. Ostern bedeutet auch: Gott bietet dir einen Schlüssel an, der Türen öffnet, die sonst niemand öffnen könnte. Dieser Schlüssel zeigt sich in der Kraft, getrost zu leben und getrost zu sterben. Dieser Schlüssel entmachtet Sterben und Tod. Dieser Schlüssel schenkt Frieden mit Gott. Paulus hatte diesen Schlüssel.

Denn Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. So hat Paulus es formuliert. Das war sein Schlüssel. Diese Gewissheit war ihm ein Trost. Diese Gewissheit ist auch für uns ein Trost. Die Gefangenschaft und die Ungewissheit, ob er sterben wird oder weiterleben wird, zeigte Paulus, wie sehr er Gewissheit nötig hatte. Paulus erlebte einen inneren Konflikt. „Worauf kann und muss ich mich einstellen? Geht mein Leben zu Ende oder geht es weiter?“ Dies Bekenntnis in Phil 1,21 ist darum eine Antwort auf Anfechtungen im Glauben. Anfechtungen werden durch von Gott geschenkte Gewissheit überwunden. Anfechtungen sind wie verschlossene Türen. Welcher Schlüssel passt jetzt? „Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.“

Denn Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. Diese Worte wurden im Gefängnis geschrieben. Sie wurden in einer Situation geschrieben, die Paulus sich nicht ausgesucht oder gewünscht hat. Es sind Situationen, die wir uns nicht aussuchen und wünschen, die uns herausfordern, unseren Glauben zu leben. Es gibt Umstände, die uns mit unserer Sterblichkeit konfrontieren. Und einmal werden wir sterben. Einmal geht unsere Zeit auf Erden zu Ende. Was wird uns dann trösten und Halt schenken? Es sind Krisen, in denen wir aufgefordert werden: Zeige mir deinen Glauben! Gott, lädt uns ein: Vertrau mir! Was würde ich aus dem Gefängnis schreiben? Was wirst du sagen, wenn es ans Sterben geht? Was würdest du dir selbst und anderen sagen?

Der 9. April 1945 ist der Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Als er im KZ Flossenbürg nackt zum Galgen gehen musste, lautete sein letzter Satz: „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Bonhoeffer am Sonntag nach Ostern von seinem Mitgefangenen. Bonhoeffer wurde von Schönberg in das KZ Flossenbürg gebracht. Am Abend hielten dort drei Vertreter des Nazi-Staates Gericht über ihn. Nach einem schnellen Verfahren wurde er zusammen mit anderen Widerstands-kämpfern am Morgen des 9. April erhängt. Er wurde nur 39 Jahre alt.

Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens. Bonhoeffer weiß noch von einem anderen Leben, einem Leben, das ihm der menschliche Henker nicht nehmen konnte. Bonhoeffer hatte am Ende seines Lebens einen Schlüssel – Gottvertrauen und Hoffnung. Nicht an einem Schreibtisch, sondern in einem Nazi Gefängnis und mit einem Todesurteil über sich kann Bonhoeffer dies schreiben. Aus dem Gefängnis schreibt Paulus:

denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. Phil 1,19-21

denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird … Paulus rechnet mit Heil. Er braucht Hilfe. Damit meint er kommende Hilfe von Gott in diesem Leben. Paulus rechnet damit: „Gott wird mir in meiner schwierigen Situation helfen, weil Geschwister für mich beten und weil der Heilige Geist mir beistehen wird.“

In der Hfa Bibel steht hier: Weil ihr für mich betet und Jesus Christus mir durch seinen Geist beisteht, bin ich sicher, dass hier alles zum Besten für mich ausgehen wird. Heil bedeutet hier „Gott hilft mir!“ In Zeiten der Ungewissheit und angesichts unserer Sterblichkeit ist dies ein großer Trost: Gott hilft mir und wird mir helfen!

Wunderbar formuliert Dietrich Bonhoeffer es in seinem Gedicht:

Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Gott hat uns geschaffen, damit wir seine Hilfe, seine Rettung, seinen Beistand erleben. Unsere Seelen brauchen dieses Heil. Nach diesem Heil sehnen wir uns, wenn wir mit schwach, unsicher und ängstlich sind. Passend sagt Bonhoeffer es so:

Ich glaube, wir sollen Gott in unserem Leben und in dem, was er uns an Gutem gibt, so lieben und solches Vertrauen zu ihm fassen, dass wir, wenn die Zeit kommt und da ist – aber wirklich erst dann! – auch mit Liebe, Vertrauen und Freude zu ihm gehen. Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 244

Der letzte Brief Bonhoeffers an seine junge Verlobte Maria von Wedemeyer steht auf einem Papierbogen, der zum Ende hin knapp wurde. Er schrieb ihn am 19. Dezember 1944 aus der Berliner Gestapo-Haft. In dem berüchtigten Kellergefängnis gab es keine Sprecherlaubnis und keine Besuche, viele Gefangene wurden gefoltert. Maria von Wedemeyer durfte Bonhoeffer nicht sehen, sie durfte aber jeden Mittwoch ein Paket abgeben. Dabei beeindruckte sie den Kriminalkommissar Franz-Xaver Sonderegger offenbar so, dass er insgesamt drei Briefe Bonhoeffers passieren ließ. Dem zweiten Brief war ein Gedicht angefügt, das er als Weihnachtsgruß für seine Verlobte und die beiden Familien geschrieben hatte. „Ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen als ein Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister.“ Der Text beginnt mit den Zeilen:

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr
.

Die 7. Strophe: Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Dies Gedicht ist einer sehr dunklen, bösen Erfahrung geschuldet. Viele christliche Lieder entstanden in Leid und Unglück. Bonhoeffers Worte geben Menschen Kraft in schweren Momenten. Trost und Geborgenheit sind zwei Seiten einer Medaille, die Gott in seiner Liebe schenkt. Wie gut hat es der Mensch, der diesen Schlüssel hat, wenn er ihn braucht.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.

Das sagen und glauben zu können wäre ohne das offene Grab am Ostermorgen nicht möglich. Glaube ist auch das Vertrauen, mit Gottes Hilfe den bitteren Kelch zu nehmen. Glaube ist, mit Gott zu rechnen. Wir haben mit unseren Kindern schöne Urlaubstage in Dänemark erlebt. Aber wir sind ohne Schlüssel zum Ferienhaus losgefahren nach Dänemark. Dort erwartete uns jemand mit einem Schlüssel für das Haus. Darauf vertrauten wir. So ist es auch mit schweren Situationen. So ist es auch, wenn das Leben zu Ende geht. Gott hat einen Schlüssel bereit, den wir dann bekommen. Trost und Vertrauen. Getrost leben und sterben können verdanken wir dem auferstandenen Christus. Jesus ist Sieger. Gott schenke dir, dass du das sagen und glauben kannst, heute und wenn es so weit ist. Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.

Gedanken und Geschichten zu einem Bibelvers – Der zerbrochene Topf

Beim Spazierengehen entdeckte ich den Tontopf am Straßenrand. Jemand hatte ihn weggeworfen. Er war in zwei Teile zerbrochen. Ich hob die beiden Scherben auf und nahm sie mit. Seitdem steht der zerbrochene Topf in meinem Büro. Zugegeben, ein sehr ungewöhnlicher Blickfang. Der Topf ist mir wichtig geworden, weil er mich an eine Wahrheit erinnert. Sie wird im 2. Brief an die Gemeinde in Korinth beschrieben: Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. (4,7)

Welchen Schatz meint Paulus? Und was hat es mit dem irdenen Gefäß auf sich? Wer würde einen Schatz in einem Tontopf aufbewahren? Worum geht es Paulus mit dieser Aussage? Das Bild vom Schatz im Tongefäß war den Christen in Korinth vertraut. Damals wurden tatsächlich sehr wertvolle Dinge in Tonkrügen aufbewahrt. Kostbare Buchrollen, Urkunden und wertvolle Dokumente bewahrte man in Tonkrügen auf. Von außen konnte niemand sagen, ob im Tongefäß etwas sehr Wertvolles oder etwas Wertloses aufbewahrt wurde. Paulus hat sich und sein Leben mit einem solchen Tongefäß verglichen. Von Herrlichkeit und Glanz ist da nichts zu sehen. Die Korinther sollen sich auf Menschen nichts bilden und Menschen nicht zu Helden machen. In der „Hoffnung für alle“ Bibel steht hier: Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind. So wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst.

Paulus sieht sich und alle Christen als irdene Gefäße. Ich will mich auch als irdenes Gefäß sehen. Denn in Wahrheit bin ich wie der zerbrochene Tontopf: ein irdenes Gefäß, ein Gefäß aus Erde. In der Schöpfungsgeschichte heißt es, Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker… (1. Mose 2,7) Das sollen Menschen nie vergessen: Sie wurden aus Erde gemacht. In der Einheitsübersetzung lautet der Vers: Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. 2. Kor 4,7 Der Tontopf zeigt mir, wie Menschen sind. Er gehört zum biblischen Menschenbild. Christen sind nicht besser, stärker oder moralischer als andere Menschen. Jeder Versuch, Menschen zu erhöhen oder auf einen Sockel zu stellen, muss an diesem Vers von irdenen Gefäßen scheitern. Ein irdenes Gefäß zu sein bedeutet: der Mensch ist nur ein Gefäß – das Wertvolle und Wichtige ist der Schatz im Gefäß.

Welcher Schatz ist hier gemeint? Welchen Schatz haben Christen in ihrem sterblichen, zerbrechlichen Körper? Einen Hinweis finden wir in Vers 6: Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Der Schatz ist also von Gott in unsere Herzen gegeben. Er ist ein Geschenk Gottes. Der helle Schein ist der Glaube an den Erlöser Jesus Christus, die Erfahrung der Liebe Gottes und die Hoffnung auf Gottes Sieg über Sünde und Schuld. Der helle Schein ist ein neues Herz in uns, in irdenen Gefäßen. Und dieser helle Schein macht nicht Menschen groß und herrlich, sondern den Geber dieses Schatzes. Niemand kann diesen Schatz rauben oder zerstören. Menschen bevorzugen polierte, schöne und unzerbrechliche Gefäße. Überall zeigt sich: Menschen stehen gerne gut da. Ich denke da an die prachtvollen, farbenfrohen und besonderen Gewänder der katholischen Geistlichen. Das macht schon etwas her. Das ist beeindruckend. Diese Geistlichen wollen glänzen, etwas Besonderes sein und Ruhm haben. Gott aber sagt: Diesen Schatz des Evangeliums vom auferstandenen Christus lege ich in irdene Gefäße. Kein Christ sollte sich in besondere Gewänder kleiden, um andere oder sich selbst zu beeindrucken. Paulus hätte das nie getan.

Der Ausleger Heiko Krimmer schreibt hierzu: „Schatz meint die Christusherrlichkeit, das den Apostel prägende Christuslicht der unverstellten Erkenntnis Gottes, auch die Christusherrlichkeit in seinem Apostelamt, dass er verkündigen darf. Dieser Schatz ist in irdenen Gefäßen – in leicht zerbrechlichen Gefäßen aus Ton. Damit meint der Apostel sich selbst in seiner Leiblichkeit, Schwachheit und Lebensführung. Er ist ein schwacher, zerbrechlicher, geplagter Mensch. Seine Kraft zum Zeugnis und Dienst kommt ganz gewiss nicht aus ihm selbst.“

Zur Quelle des Lebens Ps 119,36f + Ps 36,9f

An Baum hat jemand einen handgeschriebenen Zettel genagelt. „Vermisse meinen Hund, er hat nur drei Beine, ist auf dem linken Auge blind, das rechte Ohr fehlt, hat einen gebrochenen Schwanz, wurde kürzlich kastriert. Er hört auf den Namen Lucky (der Glückliche).“

Mit Recht fragt man, ob der Name wirklich passt. Ein auffallender Widerspruch. Gilt der nicht auch für viele Menschen? Sind diejenigen, die man glücklich nennt wirklich glücklich? Sind nicht viele, die wir beneiden, bei näherem Hinsehen überhaupt nicht beneidenswert?! Das sind Fragen, die wir uns stellen sollten. Wen du glücklich nennst, sagt auch etwas über deinen Glauben aus. Unsere Vorstellung von dem, was man braucht um glücklich zu sein, spiegelt sich wieder in dem, was wir uns wünschen, was wir suchen und erstreben. Doch was braucht meine Seele wirklich?

  1. Der Morgen danach – wenn der Durst bleibt. Ps 119,36f

Der Psalmist betet Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. V.36 Wisst ihr, wie viele Werbebeilagen jedes Jahr durch euren Haushalt gehen? Jeden Sonntag werden wir massiv daran erinnert, dass wir in einer Konsumgesellschaft leben. Wir leben im Zeitalter des Materialismus. Wie können wir uns vor dem Trugschluss schützen, zu glauben, materielle Dinge würden unseren Durst nach Leben stillen? ‚Hin und her gerissen zwischen Konsumstress und Kaufrausch leben immer mehr Singles und kinderlose Paare weit über ihre finanziellen Verhältnisse. Das hat das Hamburger BAT Freizeit-Forschungsinstitut in einer Umfrage unter 2600 Deutschen ab 14 Jahren herausgefunden. Danach gibt jeder zweite Single (51 Prozent) im Alter von 25 bis 49 Jahren in seiner Freizeit viel zu viel Geld aus. Im Vergleich zu Familien mit Kindern geben sich auch immer mehr kinderlose Paare (49 Prozent) dem Kaufrausch hin. (…) Jeweils 44 Prozent der befragten Singles und kinderlosen Paare bekannten, dass sie von Konsumangeboten geradezu abhängig seien. (…) Ein Drittel aller Singles und kinderlosen Paare haben der Umfrage nach unter den Folgen ihres Konsumstresses zu leiden: Sie kaufen etwa Artikel für Hobby und Sport, haben aber dann kaum Zeit, davon Gebrauch zu machen – sie können ihren Konsum nicht einmal genießen.‘ (LN 18.10.95) Jesus sagt Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Lk 12,15 Hütet euch! Passt auf! Sagt Nein zu diesem Denken, diesem Glauben!

Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. Das heißt auch: Ich gebe zu, dass ich nicht Herr meines Lebens bin. Mein guter Wille allein, und sei er noch so fest, wird mein Herz nicht verändern. Wenn du, Herr, hilfst, werde ich nicht scheitern! Hilf mir!

Hast du den Mut zu sagen: Mir fehlt etwas wirklich Wichtiges in meinem Leben? Nicht jeder kann das offen eingestehen.

Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege. Ps 119,37 Der Vers ist schwer zu übersetzen. Wörtlich heißt es Wende meine Augen ab, dass sie nicht nach dem sehen, was leer, hohl, eitel, trügerisch, wertlos ist. Die Gute Nachricht Bibel übersetzt: Zieh meinen Blick von Nichtigkeiten ab. Hoffnung für alle: ich will mich nicht mit dem abgeben, was wertlos und sinnlos ist. Manchmal sind die Augen ein Organ des Magens. Wenn der Magen leer ist, suchen die Augen nach Essen. Die Augen sind aber auch ein Organ der Seele. Sie werden von der Seele gelenkt. Die Augen suchen immer auch etwas, um die Leere der Seele zu füllen. Es geschieht so leicht, dass Menschen die Leere ihrer Seele mit Dingen füllen, die den Durst der Seele nicht wirklich stillen. Markenartikel, Reisen, Ideologien, Bilder, Musik, materielle Dinge, Titel – und immer bleibt der Durst.

Worum bittet der Psalmist? „Herr, bewahre mich davor, den Durst meiner Seele nur zu betäuben. Meine Augen lassen sich so leicht täuschen von schönen, attraktiven Dingen, die in Wahrheit Nichts für meine Seele sind.“ Der Morgen danach – Sinnbild für den Moment der Ernüchterung und der Enttäuschung. Der Morgen danach – Sinnbild für den Moment des Erwachens und des sich Eingestehens: das war’s nicht; was ich mir versprochen habe, das habe ich nicht bekommen! Steht vielleicht eine solche Erfahrung hinter dieser Bitte in V.37? „Unsere Sehnsucht lässt sich nicht so leicht stillen.“

Ich werde nie vergessen, wie ich das erste Mal in Kamerun in West Afrika unterernährte Kinder sah. Sie hatten dicke, aufgeblähte Bäuche. Und dabei hatten sie genug zu essen. Sie hauten sich den Magen voll mit Fufu, einer Maispaste, die zwar den Magen füllt, aber den Körper nicht nährt. Fufu macht zwar satt, aber lässt die Kinder verhungern. Schöne Dinge können uns auch satt machen, aber den Durst der Seele können sie nicht stillen. Es gibt viele Menschen mit aufgeblähten Bäuchen der seelischen Unterernährung.

Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege. So zu bitten ist geistlich. So wirkt der Geist Gottes: Du spürst die Gefahr und bittest Gott um Hilfe. Du wirst sensibel für gefährliche Einflüsse. Du erkennst, was du wirklich willst und was nicht. Du bist ehrlich.

  • Das Buffet Gottes – wo der Durst der Seele gestillt wird. Ps 36,9f

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Ps 36,9-10 Wenn ein Känguruh-Baby geboren wird, kriecht und krabbelt es von allein in den Sack der Mutter. Dort findet es, was es sucht und braucht: Milch und Geborgenheit. Hinter vielem, was Menschen tun, treibt sie der Durst ihrer Seele, der Durst nach sinnvollem, erfülltem Leben. Es ist heilsam, sich die unerfüllte Sehnsucht einzugestehen. Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. Ps 63,1-2 Jesus sagt Ein Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort aus dem Mund Gottes. Matth 4,4

 „Die ganze irdische Welt kann eine für Gott geschaffene Seele so wenig sättigen wie eine Fingerspitze von Mehl einen Ausgehungerten.“ (Pfarrer Johannes Maria Vianney)

Menschen verwenden gerne Bilder, um eine bestimmte Wahrheit oder Erkenntnis anschaulich zu machen. Das Bild vom Tränken und von der Quelle haben Menschen in einer von Landwirtschaft geprägten Gesellschaft sofort verstanden. Jedem war klar: ohne Quelle gibt es kein Leben und kein Überleben! Die Menschen in Israel waren abhängig von Quellen und Brunnen. Und heute? Genug sauberes Wasser zu haben ist für uns selbstverständlich. Doch jedes Jahr sterben 5 Millionen Menschen an Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser verursacht werden. Allein in Deutschland gibt es 550 anerkannte Mineralwasserquellen. Natürliches Mineralwasser ist das einzige Lebensmittel in Deutschland, das amtlich anerkannt werden muss. Um diese Anerkennung zu erhalten, sind rund 200 verschiedene Untersuchungen durchzuführen.

Bei Gott wird der Durst deiner Seele gestillt. Er gibt dir, was du zum Leben brauchst. Denn wer zu Gott findet, zum Vertrauen in Gottes Freundlichkeit und Liebe, der hört auf zu suchen. Denn wer an der Quelle sitzt, der hat es gut: Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Ps 1,3 An der Quelle gibt es keinen Mangel, kein zu-kurz-kommen, kein sparsam-sein-müssen, kein sich-beschränken-müssen! Wer an der Quelle sitzt, für den gilt: Trink, so viel du willst! Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele.Ps 23,2-3 vgl. Jes 55,1+2

„Wir sind nicht in der Lage uns mit weniger als ewiger Liebe zufrieden zu geben. Wir können uns nicht damit abfinden, wenn wir nicht ganz, immer und grenzenlos geliebt werden und ebenso auch selbst lieben können. – Gott hat uns für die Fülle geschaffen, nicht für die Armut.“

Ps 36,9f Die Stichworte satt werden, reiche Güter, getränkt werden, Strom, Quelle vermitteln das Bild eines Menschen, der sich überreich gesegnet weiß: Ich verdanke mein Leben der Güte Gottes. Was ich zum Leben habe verdanke ich Gott! ER ist gut zu mir. In der Übersetzung Hoffnung für alle steht Aus deinem Überfluss schenkst du ihnen (Mensch und Tier) mehr als genug. Das ist die Erfahrung des Psalmisten: Durch Gottes Güte werde ich satt, habe ich mehr als genug, labe ich mich an dem, was ich habe. Das gleiche Wort begegnet uns in Ps 23,5 Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Wörtlich steht dort: mein Becher fließt über. So ist Gott! Kennst du diese Erfahrung? Kannst du das, was du hast, als Geschenke des gütigen Gottes genießen? Bist du Gott von Herzen dankbar für Jesus? Bist du dankbar für das, was du hast? Bist du Gott von Herzen dankbar für dein Leben?

Was muss man alles nicht haben, um arm zu sein? Wer kein geregeltes Einkommen hat, ist arm. Wer keine eigenen vier Wände hat, ist arm. Wer mehr Hunger als Essen hat, ist arm. Was muss man alles nicht haben, um arm zu sein? Arm dran ist, wer nur sein geregeltes Einkommen hat. Arm dran ist, wer nur seine eigenen vier Wände hat. Arm dran ist, wer nur einen vollen Magen hat. Arm dran ist, wer nur sich selber hat.

(R. Zelewske): Was braucht ein Mensch wirklich zum Leben? Was braucht deine Seele wirklich? Vertrauen in die Güte und Treue Gottes! Dankbarkeit für erfahrenen Segen! Zuversicht und Hoffnung trotz aller Sorgen und Ängste! Frieden mit Gott durch den HERRN Jesus Christus!

„Letzten Endes kann nur Gott unsere Sehnsucht stillen. Wir haben eine Gott-Lücke im Herzen, mehr noch – ein riesiges Loch, das nur von Gott gefüllt werden kann. Wenn wir diese Erfüllung in einem anderen Menschen suchen, dann ist dieser komplett überfordert und die Beziehung leidet oder bricht sogar zusammen.“

Jesus lädt dich ein: Komm zur Quelle des Lebens!

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist Lk 636

Weißt du noch das erste Wort, dass du gesprochen hast? Die erste Bitte, die über deine Lippen kam war zwar undeutlich, aber deine Mutter hat dich verstanden. Das tun Mütter meistens. Dein erstes Wort war der erste Schrei eines jeden Neugeborenen. Der lautete „Erbarmen“! Jedes Neugeborene kommt mit dieser einen Bitte auf die Welt, „Erbarme dich über mich. Hab Erbarmen mit mir.“ Und das hat deine Mutter dann auch getan, sie hat sich erbarmt. Und nicht nur einmal. Ich verdanke sehr viel in meinem Leben auch der Barmherzigkeit meiner Mutter. Darum tröstet Gott auch mit diesem wunderbaren Wort, Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. (Jes 49,14) Dass eine Mutter sich nicht über ihr Kind erbarmt ist undenkbar. Und doch kann das passieren. Aber dass Gott sich nicht über sein Volk erbarmt, das kann nie passieren. Das ist eine wertvolle Gewissheit am Anfang eines neuen Jahres: Du kannst mit Gottes Barmherzigkeit rechnen. Und glaub mir, du wirst Gottes Erbarmen brauchen. In der Jahreslosung werden uns vier Wahrheiten vor Augen gehalten: 1. Alle Menschen sind auf Erbarmen angewiesen. 2. Gott ist barmherzig. 3. Menschen sollen barmherzig werden. Und 4. Barmherzig zu sein ist ein göttliches Gebot.

1. Alle Menschen sind auf Erbarmen angewiesen

Das Gebot Jesu, Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist zeigt mir: alle Menschen sind auf Erbarmen angewiesen. Mit diesem Gebot macht sich Jesus zum Fürsprecher von Menschen, die unsere Barmherzigkeit brauchen. Jesus bittet dich an ihrer Stelle: Hab Erbarmen mit mir! Menschen brauchen einen barmherzigen Gott und barmherzige Mitmenschen. Erbarmen nötig zu haben bedeutet unverdiente Hilfe nötig zu haben. In einem Gleichnis ist es der König, der sich über den hoffnungslos verschuldeten Knecht erbarmt und ihm seine ganze Schuld vergibt. Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch. Matth 18,27 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? V.33 Barmherzigkeit ist überall nötig, wo Menschen Erlösung nötig haben, wo sie in Schuld, Schwachheit und Krankheit verstrickt sind.

Johann Hinrich Wichern hat 1833 im Alter von 25 Jahren das Raue Haus in Hamburg ins Leben gerufen. Das Raue Haus war eine „Rettungsanstalt für arme und verwahrloste Kinder“. Mit dem Aufbau dieser Einrichtung gehört er zu den Wegbereitern einer professionellen sozialpädagogischen Arbeit. Er wollte Jugendlichen helfen, in einer Atmosphäre des Vertrauens neue Lebensorientierung zu finden. Einmal wurde ein verwahrloster Junge zu ihm ins Arbeitszimmer gebracht. Ein Betreuer überreichte auf einigen Papieren die vernichtende Beurteilung dieses Jungen. Er war straffällig geworden, war von einem Heim ins andere abgeschoben worden, aus anderen war er weggelaufen. Seine Vergangenheit war so, dass er sich die Zukunft verbaut hatte. Wichern nahm die Papiere und hielt sie an die Kerze auf seinem Schreibtisch. Als sie Feuer fingen, warf er die brennenden Blätter in den Kamin. Er wartete, bis sie verbrannt waren. Dann wandte er sich dem Jungen zu und sagte, „Hier wird keiner auf seine Vergangenheit festgelegt. Bei uns kann jeder neu anfangen. Sieh um dich her, in was für ein Haus du aufgenommen bist! Hier ist kein Riegel, keine Mauer, kein Graben. Nur mit einer starken Kette binden wir dich hier. Du magst sie zerreißen, wenn du kannst. Sie heißt Liebe.“ Wichern hatte die Liebe Gottes in seinem eigenen Leben erfahren. Er hatte erkannt: Jesus Christus, der Sohn Gottes, nahm die Schuld der Welt auf sich, als er am Kreuz starb. Wichern hatte an einem Punkt seines Lebens dieses Geschehen ganz persönlich auf sich bezogen. Jesus starb auch für mich. Gott verbrennt meine Sündenregister. Gott ist barmherzig. Die Barmherzigkeit Gottes war für Wichern der Schlüssel für seine liebevolle Zuwendung zu Menschen am Rand der Gesellschaft.

2. Gott ist barmherzig.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und Verschonen.“ So beginnt ein Tagesgebet der katholischen Kirche. Gott erkennt in seiner Barmherzigkeit die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Barmherzigkeit ist keine Schwäche, sondern die stärkste Eigenschaft Gottes. Unsere Barmherzigkeit orientiert sich an der Barmherzigkeit Gottes. Wir sollen uns von der Barmherzigkeit Gottes prägen und leiten lassen. Der Barmherzigkeit Gottes verdanken wir unser Leben als Kinder Gottes. Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, Tit 3,4+5a Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. Philipp F. Hiller Die von Gott her erfahrene Barmherzigkeit wird zu meiner Aufgabe.

Barmherzigkeit ist eine Eigenschaft Gottes, von der der Mensch abhängig ist. Schon im AT gilt Gott vor allem als der Barmherzige und Gnädige. Dafür wird er immer wieder gelobt. Barmherzigkeit ist eine der herausragenden Eigenschaften Gottes. Das Glaubensbekenntnis der Juden lautet: Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Ps 103,8 An erster Stelle steht immer barmherzig. Gott ist barmherzig, weil Er die Sünde zwar sieht, aber verzeiht und dem Bund mit seinem Volk treu bleibt. Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Mi 7,19 Jesus hat sich bitten lassen, barmherzig zu sein: Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde, die schrien: Ach, du Sohn Davids, erbarme dich unser! Matth 9,27 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Matth 15,22

3. Menschen sollen barmherzig werden.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Jesus gibt dies Gebot, weil wir unbarmherzig sind und dazu neigen, unbarmherzig zu sein. Eine fernöstliche Weisheit lautet: Flut und Feuer kennen kein Erbarmen. Oft kennen Menschen auch kein Erbarmen. Die Flüchtlingskrise ist auch eine Krise fehlender Barmherzigkeit. Es war kein anderer als der Prophet Jona, der nicht barmherzig sein wollte. Das aber verdross Jona sehr und er ward zornig und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, das ist’s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war, weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben. Aber der HERR sprach: Meinst du, dass du mit Recht zürnst? Jo 4,1ff Das Volk Israel, Gottes Volk, das alles der Barmherzigkeit Gottes verdankt, wird mit Jona ein Spiegel vorgehalten. So traurig es ist, auch in Kirchen und Gemeinden gibt es viel Unbarmherzigkeit.

Ja, teurer Freund, du hast sehr recht: Die Welt ist ganz erbärmlich schlecht, ein jeder Mensch ein Bösewicht. Nur du und ich natürlich nicht.“ Paul Baehr

Darum ist dies Gebot nötig. Darum habe ich es nötig, mir sagen zu lassen: Sei barmherzig, Volkmar. Ist das nicht großartig: Jesus traut es dir und mir zu, barmherzig zu sein! Barmherzigkeit ist die Haltung, die nicht danach fragt, was ein Mensch verdient hat, sondern was er braucht. Barmherzige Menschen haben ein Herz. Wer barmherzig ist kann das Elend nicht sehen, ohne sich zum Helfen angetrieben zu fühlen. Weil Gott mit uns barmherzig ist, sollen wir auch barmherzig mit uns selbst und mit anderen sein. Wir leben, glauben, hoffen und singen, weil Gott mit uns barmherzig ist. Wer Barmherzigkeit empfangen hat, kann nicht so bleiben wie er ist. Wer sich erbarmt erlöst zwei Menschen – sich selbst und einen anderen.

4. Barmerzig zu sein ist ein göttliches Gebot.

Seid barmherzigEs ist Jesus sehr wichtig, dass wir barmherzig sind. Dass wir anders sind. Dass wir Schuld vergeben, Kranke und Einsame besuchen, Sterbende begleiten, mildtätig sind, für Menschen beten, gastfreundlich sind. So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; Kol 3,12 Barmherzigkeit ist auch Gehorsam Jesus gegenüber. Wir können und sollen uns entscheiden, barmherzig zu sein mit anderen. In seinem Buch „Widerstand und Ergebung“ schreibt Dietrich Bonhoeffer: „Wir müssen lernen, die Menschen weniger auf das, was sie tun und unterlassen, als auf das, was sie erleiden, anzusehen. Das einzig fruchtbare Verhältnis zu den Menschen – gerade zu den Schwachen – ist die Liebe, d.h. der Wille, mit ihnen Gemeinschaft zu halten. Gott selbst hat die Menschen nicht verachtet, sondern ist Mensch geworden um der Menschen willen …Wir können das Leiden anderer Menschen nur in ganz begrenztem Maße wirklich mitleiden. Wir sind nicht Christus; aber wenn wir Christen sein wollen, so bedeutet das, dass wir an der Weite des Herzens Christi teilbekommen sollen in verantwortlicher Tat.“