Das Geschenk der Beziehungsfähigkeit Ps 119,70

Ihr Herz ist völlig verstockt; ich aber habe Freude an deinem Gesetz. Psalm 119,70

„Igitt, ist das eklig!,“ sagte meine Frau, als ich ihr erklärte, wie der Vers im Original heißt. Da wird von einem verfetteten Herzen gesprochen. Schlachter übersetzt: Ihr Herz ist stumpf wie von Fett; ich aber vergnüge mich an deinem Gesetz. In der Lutherbibel 2017 steht: Träge wie Fett ist ihr Herz; ich aber habe Freude an deinem Gesetz. Das ist eine seltsame Formulierung. Wenn man jemanden fragt, „Sag Mal, hast du Bohnen in den Ohren?,“ dann weiß jeder, was gemeint ist: „Bist du schwerhörig?“ Wer Bohnen in den Ohren hat, der hört nicht gut. In diesem Vers geht um das Herz. Das Herz der Stolzen (V.69) ist fühllos wie Fett, heißt es in der Zürcher-Bibel. Das Herz war für die Israeliten der Ort des Verstandes und des Willens. Das Herz bezeichnet das Wesen des Menschen, das Innerste, was den Menschen ausmacht. Ein verstocktes oder verfettetes Herz ist ein abgestumpftes Herz. Heute würde man sagen: ein beziehungsunfähiger Mensch. Es gibt sie leider, beziehungsunfähige Menschen. Das steht hier. Vers 70 meint das fehlende Vermögen, in Beziehung zu Gott zu treten. Es kommt im Leben auf ein Herz an, das Gott kennt und sich an seinem Wort freut. Und wenn ich mir ein verfettetes Herz bildlich vorstelle, dann stimme ich meiner Frau zu. Das ist eklig. Das sollte nicht so sein. 

Nur in diesem Vers wird in Psalm 119 etwas über das Herz des Stolzen gesagt. Nur hier wird die verborgene Ursache für das Verhalten der Stolzen benannt. Ihre Herzen sind hart geworden heißt es in der Neues Leben Bibel. Das ist der Grund für die Feindseligkeit gegenüber dem Beter. Das ist der Grund für die Lügen, die sie über den Beter erdichten. Das Herz des Menschen kann taub und unempfindlich sein für Gott. Der Beter hat eine Erklärung dafür, warum die Stolzen so sind wie sie sind. Es liegt an ihrem Herzen. Es liegt an ihrer gestörten Beziehung zu Gott, am nicht hören können und wollen. Menschen mit verstocktem Herzen stören sich an Menschen, die sich an Gott freuen. Es gibt bei Menschen also zwei mögliche Herzenszustände: geistlich verhärtet oder geistlich lebendig und in Beziehung zu Gott. In Vers 69 sagt der Beter, Die Stolzen erdichten Lügen über mich, ich aber halte von ganzem Herzen deine Befehle. Da ist einer, der von ganzem Herzen nach Gott und seinem Willen fragt. Da ist einer, dem Gott wichtig ist. Angelus Silesius sagte: „Es kann in Ewigkeit kein Ton so lieblich sein, als wenn des Menschen Herz mit Gott stimmt überein.“ In Vers 70 geht es dann um das andere Herz. Da heißt es dann, Abgestumpft und satt ist ihr Herz, … (EÜ) Auch so sind Menschen: abgestumpft und satt. 

Wie hat der Beter diesen Satz wohl gesagt? Wie hört er sich an, wenn er das sagt, Das Herz dieser Leute ist abgestumpft, ich aber habe große Freude an deinem Gesetz.? (Neue Genfer Übersetzung) Wie würde Jesus diese Wahrheit aussprechen? Es ist gut möglich, dass man diesen Vers sowohl traurig hört als auch dankbar. Es ist traurig, wenn das Herz eines Menschen abgestumpft ist für Gott. Und es ist ein unermesslich großes Vorrecht, eine Beziehung zu Gott zu haben, ein neues Herz zu haben, Freude an der Bibel zu haben. Diese Freude an Gott und seinem Wort bewährt sich in Krisen und in Konflikten mit Menschen, die Gott nicht kennen. Diese Freude versteht nur, wer Gott persönlich kennt und liebt. Dass ein Mensch Gott hört und ernst nimmt, ist viel wichtiger als alles andere. 

Der Beter weiß um die Gefährdung seines eigenen Herzens. Insgesamt 14 Mal erwähnt der Autor in Psalm 119 das eigene Herz. Er weiß, dass die Freude am Wort Gottes nicht selbstverständlich ist. In Vers 37 heißt es, Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. In Vers 80 bittet er: Mein Herz bleibe rechtschaffen in deinen Geboten, damit ich nicht zuschanden werde. In Ps 86,11 steht, Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte. Wer Gott kennengelernt hat, versteht diesen Wunsch. Beziehungsfähigkeit erfordert Pflege. Ein Mensch, der von sich sagen kann, Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte… (Ps 73,28), weiß, wie kostbar diese Freude und das Vertrauen in Gott ist. In Sprüche 30,7-9 steht ein kurzes Gebet, dass die Sorge um ein hörendes und Gott liebendes Herz wunderbar ausdrückt:  Zweierlei bitte ich von dir, das wollest du mir nicht verweigern, ehe denn ich sterbe: Falschheit und Lüge lass ferne von mir sein; Armut und Reichtum gib mir nicht; lass mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das du mir beschieden hast. Ich könnte sonst, wenn ich zu satt würde, verleugnen und sagen: Wer ist der HERR? Oder wenn ich zu arm würde, könnte ich stehlen und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen. Auch das ist Ausdruck von Reife, zu wissen, wozu man in der Lage ist. Ich könnte…

Ein abgestumpftes oder verstocktes Herz ist in Wahrheit das Los aller Menschen. Darum sagt Gott in Hesekiel 36,26, Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und wer ein neues Herz von Gott bekommen hat, wer durch Gottes Gnade neu geworden ist, der nimmt sich die Mahnung in Spr 4,23 zu Herzen: Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.

Ps 119,70 ist eine Einladung, Gott täglich zu danken und zu preisen für das neue Herz und das neue Leben mit Gott. Dieser Vers ist eine Einladung, für Menschen zu beten, die Gott noch nicht kennen und lieben. Und es ist eine Mahnung, sich die Freude an Gott zu bewahren. Das gelingt, indem man sich täglich Zeit nimmt für das Bibellesen und Gebet. Es gelingt, wenn man die Beziehung lebt. Es gelingt, indem man Freude hat, nach Gottes Wort zu leben. Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Täglich sinne ich ihm nach. Ps 119,97

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Brot, das die Seele satt macht Ps 118,17

Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. Psalm 118,17

Dieser Bibelvers und die Gedanken sind einem lieben Menschen gewidmet, der in einer Krise ist und darum Kraft und Zuspruch braucht. Du bist gemeint. Mit deiner uralten Bibel und dieser Muschel.

Dies Bibelwort aus Psalm 118 stammt aus der ernsten Krise eines Menschen. In einer Krise sortiert sich viel aus. Da werden Fragen gestellt, die nötig sind, gestellt zu werden. Da werden viele Dinge unwichtig. Wichtiges wird wichtig. Und nur in einer Krise hört ein Mensch auf jemanden, der weiß, wovon er spricht. Von denen gibt es nicht viele. Der Beter von Psalm 118 ist einer, der weiß, wovon er spricht. Sterben war eine ganz reale Option für ihn. Diesem Beter will ich zuhören. Und diesen Herrn, dessen Werke er verkündigt, will ich kennenlernen. Der Satz Ich werde nicht sterben sondern leben… beschreibt deshalb eine Hoffnung, die vom Verstand nicht begründet werden kann. Es gibt innere Gewissheit, die zur Quelle von Kraft und Zuversicht wird. Wer so redet, wie dieser Beter, der stellt sich gegen alles, was das Leben bedroht und die Seele bedrückt. Gewissheit, die dem Bösen und dem Tod trotzt. Kostbarste Gewissheit.

Das Sterben gehört ja zu unserem Leben. Und nicht alle dürfen alt und lebenssatt sterben. Bin ich einer von denen, die zu früh sterben müssen? Wer sich diese Frage stellt, weiß auf ganz persönliche Weise von eigener Ohnmacht und Sterblichkeit. Da sind besitzergreifende Fragen, Sorgen und Gedanken, die alles andere in den Hintergrund drängen. Der Wunsch zu leben bäumt sich mit Macht auf gegen die Ohnmacht, nichts tun zu können. Das zermürbt die Seele, nicht zu wissen, ob und wann es eine Wende geben wird – oder auch nicht. Viele Worte erscheinen hohl und nebensächlich. Menschen reden so viel und manchmal so unnütz. Ich denke an die sterbenskranke 19jährige, die vom Seelsorger besucht wird. Krebs. Sie sagt nicht viel. Nur zwei kurze Sätze genügen, den Ernst der Situation zu erahnen. „Ich habe doch noch gar nicht gelebt. Ich habe doch noch gar nicht geliebt.“ Das geht mir nach vielen Jahren immer noch unter die Haut. Ich denke an das total berührende und bewegende Buch des 15 jährigen Mädchens, die zu früh sterben musste. „Gott, du kannst ein Arsch sein.“ Der Titel ist ehrlich und passt. Dieser Satz in Ps 118 ist kein billiger Trost. Er ist ein Denkmal für den hohen Wert des Lebens und eine Einladung, inne zu halten und dem Schöpfer für das Leben zu danken. Und für die Hoffnung, die dem Tod ins Auge schaut und weiß: der Tod hat nicht das letzte Wort!

Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen. Diesen hoffnungsvollen Satz verdanke ich Jesus. Er hat sein Leben für mich gegeben. Ich sehe am Kreuz den ohnmächtigen, hilflosen und schwachen Verlierer. …auf dass er durch Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte. (Hebr 2,9) Ich muss den Tod nicht mehr schmecken. Du auch nicht. Das hat Jesus für uns getan! 

Ich sehe aber auch den Sieger, der am Kreuz ganz auf die Gnade und Treues seines Vaters vertraute.  So sehen Sieger aus? Nein! So sehen Verlierer aus. Man sieht Glauben, Hoffnung und Gewissheit nicht. Ich sehe im Mann am Kreuz den, der für mich und für alle den Tod besiegt hat. Ich sehe im Gekreuzigten die Quelles meines Lebens, meiner Hoffnung und Kraft. Unfassbar eigentlich, mit einem Tanzlied zu singen: Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. (In dir ist Freude, in allem Leide) 

Ich werde nicht sterben, sondern leben… So spricht ein Mensch, der leben will. So spricht ein Mensch, der Hoffnung und innere Gewissheit hat. So spricht jemand, der dem vertraut, der sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. (Joh 11,25f) So spricht ein Mensch, der dem vertraut, der sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Jesus war überzeugt: „Der Tod hat keine Macht über mich. Der Tod hat keine Macht über die, die mir vertrauen. Mein Vater wird mich auferwecken von den Toten.“ Jesus vertraute seinem Vater. Ich werde nicht sterben… Dies Vertrauen dient dem Leben. Der Glaube an die Treue, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes ist Brot des Lebens, das die Seele mehr braucht als irgend etwas anderes. Dies Lebensmittel kann man nicht kaufen. Aber man kann es sich schenken lassen. Ich werde leben! Beschenkte und Gesegnete können das sagen. 

Katharina von Bora hielt streng alle Störungen von ihrem viel beschäftigten Mann Martin Luther fern. Sie tröstete ihn auch, wenn ihn Sorgen oder Zweifel quälten. Als Luther einmal mehrere Tage sehr niedergeschlagen war, trat sie plötzlich in schwarzer Trauerkleidung in sein Zimmer. „Wer ist gestorben?“ fragte Luther erschrocken. „Gott ist gestorben“, antwortete sie, „denn du willst ja nicht aufhören, dir Sorgen zu machen“. Da mußte Luther lachen und wurde wieder froh. Jesus lebt. Er lebt als Sieger über Tod und Sünde. Und wenn Jesus in dir lebt als dein Herr und Retter, dann kannst du wieder froh werden. „In dir ist verborgen, stille, tiefe Ruh, alle meine Sorgen, alles deckst du zu.“

Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.

Ich möchte jemand sein, der über das spricht, was Gott in meinem Leben getan hat und tut.

Ich möchte jemand sein, der Gott vertraut und Gott auf frischer Tat ertappt.

Ich möchte jemand sein, der glaubt: Jesus lebt und liebt mich.

Ich möchte jemand sein, der gewiss ist: Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun?

Ich möchte jemand sein, der gewiss ist: Gott hilft, heilt, tröstet, liebt und macht froh.

Ich möchte jemand sein, der jeden Tag aus Gottes Hand nimmt und sich sagt: Der Her ist mit mir, damit ich in meiner Angst und Schwachheit lerne, aus seiner Kraft zu leben.

Ich werde nicht sterben, sondern leben!

Einer mit Rückgrat – Ps 119,69

Die Stolzen erdichten Lügen über mich, ich aber halte von ganzem Herzen deine Befehle. Psalm 119,69

Fundamentalist! Fanatiker! Ewig-gestriger! Radikaler! Engstirnig! Selbstgerecht! Man hat mir schon so einiges angedichtet und unterstellt. Mehr als einmal. Und nicht nur mir. Wer sich von ganzem Herzen zu Gott bekennt, wird erleben, dass Menschen Lügen über ihn erfinden und in die Welt setzen. Wer Gott liebt hat auch Feinde. Das wird u.a. auch an Vers 69 deutlich. Und diese Feinde bedienen sich fieser Methoden. Lügen sind ein Angriff auf die Integrität eines Menschen. Mit Lügen kann man Menschen provozieren, einschüchtern, verunsichern und diffamieren. Das ist so bedeutend, dass in den zehn Geboten steht: Du sollst keine falsche Aussage über einen deiner Mitmenschen machen (2. Mose 20,16 NLB) 

Reinhard Mey schildert die Not eines Menschen, der irrtümlich verdächtigt wird. In seinem Lied „Was in der Zeitung steht“ heißt es in einer Zeile „Wie wehrt man sich nur gegen das, was in der Zeitung steht? Die Kollegen sagten, „Stell dich einfach stur!“ (…) „Das klebt wie Pech an dir, das wirst du nie mehr los, was in der… Du wirst nie mehr ganz frei. Das hängt dir ewig an, was in der Zeitung steht.“

Lügen sind wirkungsvolle Waffen, die nicht zu unterschätzen sind. Heute spricht man von Rufmord und Verleumdung. Lügen können den guten Ruf eines Menschen zerstören. Sie können sogar einen Menschen zerstören. Was andere über mich denken und reden, kann belastend sein. Darum betet der Verfasser: Ach dass die Stolzen zuschanden würden, die mich mit Lügen niederdrücken! (Ps 119,78) Die Liebe zu Gott und seinem Wort bringt auch Probleme und Nachteile mit sich. Lügen, die über mich verbreitet werden, gehören dazu. Jesus sagt sogar:  Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. (Matth 5,11) Es ist menschlich, von allen Menschen gemocht zu werden. Christen können aber nicht everybody’s darling sein. Jesus warnt sogar davor: Wehe, wenn jedermann gut über euch redet; denn das Gleiche haben ihre Väter den falschen Propheten getan. Lk 6,26 

In der Bibel gibt es viele Personen, die mit Lügen über sich konfrontiert wurden. Josef kam ins Gefängnis, weil Potiphar’s Frau behauptete, er habe sie vergewaltigen wollen (1. Mo 39,13f). Eliab unterstellte seinem Bruder David, aus Schaulust ins Heerlager gekommen zu sein (1 Sam 17,28). Hiob wehrt sich über viele Kapitel gegen die Unterstellungen seiner Freunde und leidet darunter. Er nennt seine Freunde Lügentüncher: Ihr dagegen seid Lügendichter, Kurpfuscher, ihr alle! (Elb 13,4) Nehemia lässt sich mit Lügen nicht ihn davon abhalten, die Mauer fertig zu stellen: Ich aber sandte zu ihm und ließ ihm sagen: Nichts von dem ist geschehen, was du da sagst; du hast es in deinem Herzen ausgedacht. Denn sie alle wollten uns furchtsam machen und dachten: Sie sollen die Hand abtun vom Werk, dass es nicht fertig wird. Da stärkte ich desto mehr meine Hände. (Neh 6,8f) Und auch über Jesus hat man Lügen erdichtet: Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus. (Mk 3,22) Mit aller Macht wollte man Jesus verurteilen. Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn töteten, und fanden keins, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber traten zwei herzu und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen. Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? Aber Jesus schwieg still. Matth 26,59ff Das hat mich sehr beeindruckt: Aber Jesus schwieg still. Welche innere Stärke. Welches Vertrauen!

ich aber halte von ganzem Herzen deine Befehle. Hier ist ein Mensch, der sich nicht beirren lässt, Gott treu zu sein. Hier ist einer, der Rückgrat hat. Hier ist einer, der durch seinen Glauben und durch Gottes Wort Kraft hat, Lügen über sich auszuhalten. Dieses ich aber ist ein Hinweis auf Kraft, die aus dem Glauben kommt. Gottes Wort schafft Persönlichkeiten, die unbeirrt an Gottes Wort festhalten. Hier ist ein Mensch, der keine Menschenfurcht hat. Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir Menschen tun? Ps 56,12 Wer sich nicht davon abhängig macht, was andere über ihn denken und reden, ist von Menschenfurcht befreit. Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun? Ps 118,6 Gottes Wort führt in Anfechtungen, aber es läutert Menschen auch in Anfechtungen. Es stärkt Menschen durch Anfechtungen. In Hebräer 11 heißt es von den Frauen und Männern des Glaubens, Diese haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, … sind … aus der Schwachheit zu Kräften gekommen, sind stark geworden im Kampf …(V.33f) Glaube ist eine Kraft, dem Bösen zu trotzen. Im Buch Sprüche heißt es: 1) Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist. (24,10) In der GN Bibel wird der Verse so wiedergegeben: Du magst dich für stark halten – ob du es bist, zeigt sich erst in der Not. 2) Ein Gerechter, der angesichts eines Frevlers wankt, ist wie ein getrübter Brunnen und eine verderbte Quelle. (25,26) 

ich aber halte von ganzem Herzen deine Befehle

Die Lügen, die gegen mich erdichtet werden, sind auch eine Bewährung meines Glaubens. Dieser großartige Vers 69 gibt uns Einblick in eine geistliche Wirklichkeit, die noch heute aktuell ist. Wer Gott beim Wort nimmt, wird unter Beschuss stehen. Wer Gott beim Wort nimmt braucht die Überzeugung: es gibt etwas Wichtigeres als vor allen Menschen gut dazu stehen; es gibt etwas Wichtigeres als bei allen beliebt zu sein, von allen gemocht zu werden. Ich möchte lernen, mit Lügen über mich richtig umzugehen. Dieser Vers öffnet mir die Augen für eine wunderbare Kraftquelle – Gottes Wort.

Gottes DNA – Ps 119,64

HERR, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote. Ps 119,64

Güte übersetzt einen sehr wichtigen Begriff der Bibel. In Psalm 119 kommt der Begriff chesed siebenmal vor (41, 64, 76, 88, 124, 149, 159). Chesed bedeutet Güte, Gnade, Bündnistreue, Liebe, Barmherzigkeit. Das sind Übersetzungen dieses Begriffs. Keine Übersetzung trifft die Bedeutung des Begriffs genau. In einem Wörterbuch steht: “Chesed ist das über die rechtliche Verpflichtung hinausgehende Wohlwollen einer höhergestellten gegenüber einer niedriger gestellten Person.” In Psalm 144,2 ist chesed sogar ein Begriff für Gott: Gelobt sei der HERR, mein Fels, (…) meine Hilfe (chesed) … Die Zürcher Bibel übersetzt: meine Gnade. Menge: mein Wohltäter. NGÜ: mein gnädiger Gott. NLB: mein treuer Helfer. Hfa: Wie gut ist Gott zu mir. 

Güte ist eine herausragende Eigenschaft Gottes. Im Glaubensbekenntnis der Juden heißt es deshalb: Barmherzig und gnädig ist der HERR, langmütig und reich an Güte. (Ps 103,8 ZB) In der Lutherbibel steht: von großer Güte. Güte gehört sozusagen zur DNA Gottes. Wo immer Gott im Leben von Menschen oder an seinem Volk handelt, da finden wir auch deutliche Spuren seiner DNA. Diese Spuren sind nur für die erkennbar, denen Gott die Augen geöffnet hat. Jeder Gläubige ist ein Zeuge der Güte Gottes. Darum sieht der Beter die Welt mit anderen Augen: Herr, die Erde ist voll deiner Güte. Wo Gottes Güte gesehen wird, da werden Menschen gesehen, denen Gott gütig war. Wo für Gottes Güte gedankt wird, da sind Menschen, die in konkreten Situationen von Gott beschenkt wurden. Der Satz Herr, die Erde ist voll deiner Güte bedeutet: die Welt ist voller Menschen, die mit Gott gelebt haben und mit denen Gott Geschichte gemacht hat. So viele Menschen können von Gottes Güte erzählen! Hörst du sie erzählen? In Psalm 33,5 steht, die Erde ist voll der Güte des HERRN. Psalm 36,6 sagt der Beter staunend: HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. Der kürzeste Psalm 117 lädt alle Menschen ein, Gott zu loben: Lobet den HERRN, alle Heiden! Preiset ihn, alle Völker! Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja! ZB: mächtig waltet über uns seine Güte, Ich sehe manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich sehe manchmal Gott vor lauter Güte nicht. Auch in meinem Leben ist sehr viel, was ich der Güte Gottes verdanke. Ich erkenne Gottes Güte in meinen Eltern, meinen betenden Großeltern, Freunden und Christen, die Gott in mein Leben gestellt hat. Ich erkenne Gottes Güte in meiner Frau und in meinen Kindern.

Ps 119,64 lädt mich ein, die Welt mit Augen des Glaubens zu sehen wie sie ist: voll deiner Güte. Wenn ich die Geschichten der Bibel lese, dann lese ich Geschichten über Gottes Güte. Ps 119,64 setzt voraus, dass ich die Bibel lese und die Geschichte Gottes mit Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Josef, Mose, Ruth, David und vielen, vielen anderen kenne. Sie alle erzählen uns, wie Gott ist. Gott ist von großer Güte. Ps 119,64 richtet meinen Blick auf die Mütter und Väter im Glauben. Sie alle ermutigen mich, mit Gottes Güte zu rechnen.  Darum schreibt David am Ende von Psalm 23: Gutes und Barmherzigkeit (Gnade, Glück, Liebe) werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Gottes Güte ist Trost und Hoffnung für Menschen in menschlich ausweglosen Situationen. Darum sagt Jeremia: Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Klg 3,22f Ps 119,64 hat direkt mit Vers 63 zu tun. Ich halte mich zu allen, die sich an dich halten und mit deiner Güte rechnen. Vers 64 hat die in Hebräer 12 erwähnte Wolke von Zeugen im Sinn – Männer und Frauen, die zum Vertrauen auf Gott ermutigen. Zu denen will ich gehören. 

Darum will ich Gottes Gebote lernen. Darum bitte ich Gott darum, mich seine Gebote zu lehren. Ich will auch ein Brief Gottes an die Welt sein. (2. Kor 3,2f) Lernen zu wollen und zu können verdanke ich der großen Güte Gottes. Gott bitten können verdanke ich der Güte Gottes. Gott lässt sich bitten, weil er gütig ist. Weil Gott gütig ist, hilft er mir, nach seinen Geboten zu leben. Weil Gott gütig ist, muss ich nicht so bleiben, wie ich bin. Denn Lernen bedeutet immer auch Wachsen, Reifen, Veränderung. Lernen bedeutet: ich muss nicht bleiben wie ich bin. Lernen ist im biblischen Sinn ein Hunger nach Gottes Güte. Wer Gottes Gebote gelernt hat, der verdankt das der Güte Gottes. Die Güte Gottes lädt zum Lernen und Reifen ein. Und wer mit V.64 Gott bittet: Lehre mich deine Gebote, der rennt bei Gott offene Türen ein. Genau betrachtet sind die Gebote Gottes keine Last oder Einschränkung des Lebens. Sie sind Ausdruck dafür, dass Gott es gut meint mit uns. Darum sagt der Prophet Micha im Auftrag Gottes: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (6,8)

Gutes und Chesed werden mir folgen mein Leben lang… Ist das nicht großartig, mit dieser Gewissheit zu leben?!

Sternstunden des Heils – Ps 126

Dies ist die längere Version der Bibelarbeit zu Ps 126

Was zählt für dich zu den ganz großen Erfahrungen der Hilfe / Erlösung durch Gott?

Wie würdest du den Satz beenden, der mit den Worten beginnt “Ich hatte nicht gewagt zu hoffen, …”?

Warum lässt der uns liebende Gott Not, Mangel und Tränen zu?

Die Heimkehr der Zehntausend markiert eine Sternstunde der jungen Bundesrepublik Deutschland. Zehntausend deutsche Kriegsgefangene konnten 1955 nach einem Jahrzehnt in russischen Arbeitslagern endlich nach Hause. Dafür hatte sich der damalige Bundeskanzler Adenauer bei der russischen Regierung stark gemacht. Im Oktober 1955 flossen viele Tränen im Durchgangslager Friedland. Die bewegenden Bilder des lang ersehnten Wiedersehens vermitteln mir eine Ahnung von dem, was Psalm 126 beschreibt: Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt! Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude. Und dann sangen die heimgekehrten Kriegsgefangenen im Lager Friedland das Lied: Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden. Wenn ich die Bilder sehe, habe ich Tränen in den Augen. Das bleibt ein unvergesslicher Moment.

Den jüdischen Frauen und Männern, die aus dem Exil in ihr eigenes Land zurückkehren konnten, ging es ähnlich. Sie haben auf ihre Art „Nun danket alle Gott“ gesungen. Das ist der Hintergrund von Psalm 126. Was viele nicht zu hoffen gewagt hatten, ist nach 70 Jahren im Exil doch wahr geworden: Um das Jahr 537 vor Christus ermöglichte Gott seinem Volk in sein eigenes Land zurückzukehren. da waren wir wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. 

Wage es zu hoffen – dazu lädt Psalm 126 heute ein. Wage es, Gott beim Wort zu nehmen. Dieser Psalm malt uns den großen Erlöser-Gott vor Augen. Gott ist der Zurückbringer. Er ist der Wiederhersteller. Gott ist der Befreier aus Not, der starke Retter aus Schuld und Verzweiflung. Gott ist der, der uns fröhlich macht, der große Dinge tut an uns und allen Enden. Oder um es mit den Worten des Psalms zu sagen: Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. Das ist die erste von drei Dimensionen der Erlösung. Dank und Lob für Erlösung. Der dankbare, jubelnde und staunende Rückblick auf erlebte Erlösung. Gott hat in der Geschichte als starker Erlöser gehandelt. 

Übrigens: Über dem Chorbogen der Zionskirche in Bethel (Bodelschwingsche Anstalten) steht der Vers aus Psalm 126: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

Welches sind neben der Rückkehr aus dem Exil Sternstunden in der Geschichte Israels?

In Vers 2 und 4 wird jeweils das gleiche Verb verwendet. Einmal rückblickend mit Bezug zum erlebten Handeln Gottes und dann als Bitte für das ausstehende Handeln Gottes. Luther: Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. EÜ: Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende. ZB: Wende, HERR, unser Geschick… V.4

Erlösen und wenden sind Übersetzungen des hebr. Verbs „shub“ – dessen Grundbedeutung ist zurück bringen, wenden oder zurückkehren, im übertragenen Sinn auch retten.

  1. Zu Abraham sagt Gott im Blick auf seine Nachkommen: Erst die vierte Generation wird hierher zurückkehren; denn noch hat die Schuld der Amoriter nicht ihr volles Maß erreicht. 1. Mo 15,16
  2. Zu Jakob, der nach Haran floh, sagte Gott: Siehe, ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe. 28,15
  3. Zu Jakob als er viel Vieh und viele Söhne hatte: Da sagte der HERR zu Jakob: Kehr zurück in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft! Ich werde mit dir sein. 31,3
  4. Als seine Brüder Josef töten wollten: Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da in der Steppe, aber legt nicht Hand an ihn! Das sagte er, um ihn aus ihrer Hand zu retten und zu seinem Vater zurückzubringen. 37,22
  5. Ach dass die Hilfe aus Zion über Israel käme! / Wenn der HERR das Geschick seines Volkes wendet, freue sich Jakob und sei Israel fröhlich! Ps 14,7
  6. Ein bekannter Vers ist Ps 23,3 Er erquicket meine Seele. EÜ: Meine Lebenskraft bringt er zurück.
  7. ZB: Rette mein Leben vor ihrem Wüten. Ps 35,17 NeÜ: Bring mein Leben aus dieser Verwüstung zurück 
  8. Ihr werdet mich suchen und ihr werdet mich finden, wenn ihr nach mir fragt von ganzem Herzen. Und ich lasse mich von euch finden – Spruch des HERRN – und ich wende euer Geschick und sammle euch aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch versprengt habe – Spruch des HERRN. Ich bringe euch an den Ort zurück, von dem ich euch weggeführt habe. Jer 29,13ff
  9. Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der HERR gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. 42,10 Der HERR stellte dann Hiobs Glücksstand wieder her, als er Fürbitte für seine Freunde eingelegt hatte Menge

Und geht es in den drei Gleichnissen in Lk 15 nicht jedesmal um genau das: das verlorene Schaf wird gesucht und zurück gebracht, die verlorene Drachme wird gesucht und kommt zurück an ihren Platz, der verlorene Sohn kommt zurück und wird wieder eingesetzt. Psalm 126 zeigt den Erlöser Gott, der Menschen zurück bringt aus Unfreiheit und einlädt auf sein erlösendes Handeln zu hoffen. Gott bringt zurück aus Gefangenschaft nach Haus. Gott wendet Not. Gott befreit Bedrückte. Gott erlöst. Gott stellt den Glücksstand wieder her. Das folgende Lied passt darum sehr gut für Ps 126. Freude über erfahrene Hilfe und Erlösung. Leid aufgrund noch nicht erfahrener Hilfe und Erlösung. 

In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ. Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser G’müte, an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

2) Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.

Gott hat auch in meinem Leben als starker Erlöser gehandelt. Gott hat mich zu seinem Kind gemacht. Ich bin Christ geworden. Das verdanke ich dem Erlöser. Der Herr hat Großes an mir getan; des bin ich fröhlich. Oft habe ich in meinem Leben Gott als starken Helfer erlebt. Es gibt viele Sternstunden der Hilfe Gottes in meinem Leben. Ich will nicht müde werden, Gott für seine Güte zu danken und zu loben. In Psalm 103 heißt es: Lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.

Welche sind deine Sternstunden der Erlösung / Hilfe Gottes?

Die zweite Dimension der Erlösung steht in Vers 4: Wende doch, HERR, unser Geschick wie die Bäche im Südland! Nach dem fröhlichen Dank für erlebte Erlösung folgt die Bitte um Erlösung. Die Erlösten sind auch die Bittenden. Die Lachenden sind auch die Weinenden. Ich denke an die vielen Mütter, Frauen und Kinder, die im Oktober 1955 vergebens auf ihre Söhne, Männer und Väter warteten. Auch die gehören zum Bild der heimgekehrten Kriegsgefangenen: Selten lagen Freude und Leid so nah beieinander. Das gilt auch für die Verse 3 und 4 in Psalm 126. Da waren wir voll Freude. – Wende doch, HERR, unser Geschick… In der Lutherbibel steht bringe zurück unsere Gefangenen. Der Begriff Gefangene / Geschick beschreibt eine Situation, in der Mensch nach Erlösung schreien. Gott ist der, der Menschen erlöst und Not wendet. Gott stellt Heil wieder her. Als 1948 David Ben Gurion den Staat Israel ausrief, wurde eine Verheißung Gottes wahr: Ich bringe euch an den Ort zurück, von dem ich euch weggeführt habe. Jer 29 Von Hiob heißt es: Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der HERR gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. 42,10 

Die zweite Dimension der Erlösung ist die Hoffnung auf Erlösung. 

In einem Lied lautet es so: „Am Ende kein Ausweg und nur noch Angst: Bete, Gott hört. Wenn du dir alleine nicht helfen kannst, Bete, Gott hört. So ist Gott, er hört Gebet, weiß was du brauchst und was nicht. So ist Gott, er hört Gebet, führt dich vom Dunkeln ins Licht.“

Ja, so ist Gott! Er lässt sich bitten. Er erbarmt sich. Wir können unsere Sorgen auf ihn werfen. Wir können über alles mit Gott reden, was unser Herz bedrückt. Er hört Gebet bedeutet ja auch: Gott erhört Gebet. 

Wende doch, HERR, unser Geschick wie die Bäche im Südland! Die Bäche im Südland füllen sich mit Wasser, wenn es regnet. Israel ist auf den Regen angewiesen, der sich an den Bergen im Ostjordanland abregnet. Der Gott, der Regen und damit Ernten schenkt, ist der Gott, der Not wendet. Wende doch, HERR, unser Geschick. Wie lautet dein Geschick, das Gott wenden soll? Wer so betet, ist erlöst von Verzweiflung. Wer auf Gottes Hilfe hofft, ist erlöst von Resignation und Hoffnungslosigkeit. Eine Frau schreibt: „Alles, was mich aufrecht hält, ist die Hoffnung auf den Tag, an dem ich endlich nicht mehr stark sein muss, an dem ich mich in Arme fallen lassen kann, die mich halten, und an jemanden, der dann da ist und sagt: »Jetzt ist es gut. Du hast es überstanden.«“

Hoffnung hat auch der, der Samen sät. Am Ende des Psalms wird die dritte Dimension der Erlösung sichtbar. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Der Psalm endet, wie er begann: mit Freude über Gottes Hilfe und Treue.

Warum sät man mit Tränen? Was will das Bild uns sagen?

Christen leben in einer Zwischenzeit. Sie leben zwischen erlebter Erlösung und erhoffter Erlösung. Dank und Bitte liegen oft nah beieinander. Die Saat ist das Vertrauen in Gottes Wort. So wie Saat Kraft hat, so hat auch Gottes Wort Kraft. Gottes Wort hat Kraft, weil Gott treu ist und sein Wort hält. Saat ist ein Bild für das unscheinbare Kraftpaket, das wir Gottes Wort nennen. Saat ist Bild für verborgene Hoffnung auf Leben. Die Senfkornbibel ist so klein und dünn, erinnert aber an die Kraft des Wortes. Das ist mein Vorrecht und meine Verantwortung: Ich nehme Gott beim Wort. Gott selbst fordert uns auf: rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. Ps 50,14 Die Tränen weisen auf die Last der Beter hin. In Psalm 126 weinen Bedrückte, Kranke und die, die sich nach Heil sehnen. Der weinende Sämann ist hier Bild für das Leben als gläubiger Mensch: gehen, weinen, Samen streuen.

Ich denke an Hanna, die Gott ihre Kinderlosigkeit klagte und dann mit Samuel schwanger wurde. Gott hörte ihre Klage. Und sie war von Herzen betrübt und betete zum HERRN und weinte sehr und gelobte ein Gelübde und sprach: HERR Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst du deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem HERRN geben sein Leben lang, und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen. 1 Sam 1,10f – Die mit Tränen säen…

Ich denke an Nehemia. Er weinte über das zerstörte Jerusalem. Und es geschah, als ich diese Worte hörte, setzte ich mich hin, weinte und trauerte tagelang. Neh 1,4 Nehemia weinte über die Not, von der er hörte, als ob es seine eigene Not wäre. Auch das ist Glaube: Schmerzen und Lasten empfinden, weil man Dinge mit Gottes Augen sieht und wie Gott fühlt. Traurigkeit gehört zum Leben. Besonders zum geistlichen Leben mit Gott. Nehemia selbst fragt, Warum sollte mein Gesicht nicht traurig aussehen...? 2,3 Es wäre falsch, nicht traurig zu sein. Nehemia bat Gott um ein Wunder. Und Gott erhörte ihn. – Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten

Ich denke an den blinden Bartimäus. Er säte schreiend: Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! „Das Schönste kommt noch“ lautet eine biblische Wahrheit. Für den Bauern ist es die Ernte. Das ist Freudenzeit. Für Bartimäus war es das Heilungswunder. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege. – Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten…

Ich denke an Paulus, der in Römer 9,1-3 schreibt: Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist: Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz. Ja, ich wünschte selbst verflucht zu sein, von Christus getrennt, um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind. Und Rom 10,1 Brüder und Schwestern, ich wünsche von ganzem Herzen und bete zu Gott, dass sie gerettet werden. – Die mit Tränen säen, …

Und ich denke an Jesus, von dem es heißt: Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht. Hebr 5,7 – Die mit Tränen säen, …

Übrigens: Wer sät, kann mit einer Ernte rechnen. Nein: wer sät, rechnet mit einer Ernte: 

und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.  

Wer sät, darf mit Freude rechnen. Uns erwartet Freude, auch wenn wir jetzt noch weinen! Uns wird Freude versprochen! Hier zeigt sich ein biblisches Prinzip. 

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll zur Freude werden. Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Joh 16,20f

Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei An-fechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit. 1 Petr 1,6-9

dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Hebr 12,2 EÜ

Die Garben sind hier ein Bild erhörte Gebete, erfüllte Verheißungen, erlebte Treue und Liebe Gottes. Die Garben sagen: es hat sich gelohnt, zu beten und zu hoffen, auszuhalten, zu vertrauen. Es war richtig, dass ich diese Saat gesät habe.

Gott schenke dir viele unvergessliche Sternstunden der Erlösung und dass du oft das Lied anstimmen kannst: Nun danket alle Gott, mit Herzen Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Ende.

Sternstunden – Psalm 126

Die Heimkehr der Zehntausend markiert eine Sternstunde der jungen Bundesrepublik Deutschland. Zehntausend deutsche Kriegsgefangene konnten 1955 nach einem Jahrzehnt in russischen Arbeitslagern endlich nach Hause. Dafür hatte sich der damalige Bundeskanzler Adenauer bei der russischen Regierung stark gemacht. Im Oktober 1955 flossen viele Tränen im Durchgangslager Friedland. Die bewegenden Bilder des lang ersehnten Wiedersehens vermitteln mir eine Ahnung von dem, was Psalm 126 beschreibt: Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt! Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude. Und dann sangen die heimgekehrten Kriegsgefangenen das Lied: Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden. Das bleibt ein unvergesslicher Moment. 

Den jüdischen Frauen und Männern, die aus dem Exil in ihr eigenes Land zurückkehren konnten, ging es ähnlich. Sie hatten ihre Sternstunde nach 70 Jahren fern der Heimat. Das ist der Hintergrund von Psalm 126. Was viele nicht zu hoffen gewagt hatten, ist doch wahr geworden: Um das Jahr 537 vor Christus ermöglichte Gott seinem Volk in sein eigenes Land zurückzukehren. da waren wir wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Wage es zu hoffen – dazu lädt Psalm 126 ein. Wage es, Gott beim Wort zu nehmen. Dieser Psalm malt uns den großen Erlöser-Gott vor Augen. Gott ist der Zurückbringer! Er ist der Wiederhersteller! Gott ist der Befreier aus Not, der starke Retter aus Schuld und Verzweiflung. Gott ist der, der uns fröhlich macht, der große Dinge tut an uns und allen Enden. Um es mit den Worten des Psalms zu sagen: Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. Das ist die erste von drei Dimensionen der Erlösung: Der dankbare, jubelnde und staunende Rückblick auf erlebte Erlösung. Gott hat in der Geschichte und auch in meinem Leben als starker Erlöser gehandelt. Gott hat mich zu seinem Kind gemacht. Ich bin Christ geworden. Das verdanke ich dem Erlöser. Der Herr hat Großes an mir getan; des bin ich fröhlich. Oft habe ich in meinem Leben Gott als starken Helfer erlebt. Ich will nicht müde werden, Gott für seine Güte zu danken und zu loben. Auch in meinem Leben gibt es Sternstunden der Erlösung. In Psalm 103 heißt es: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Die zweite Dimension der Erlösung steht in Vers 4: Wende doch, HERR, unser Geschick wie die Bäche im Südland! Nach dem fröhlichen Dank für erlebte Erlösung folgt die Bitte um Erlösung. Die Erlösten sind auch die Bittenden. Ich denke an die vielen Mütter, Frauen und Kinder, die im Oktober 1955 vergebens auf ihre Söhne, Männer und Väter warteten. Auch die gehören zum Bild der heimgekehrten Kriegsgefangenen: Selten lagen Freude und Leid so nah beieinander. Das gilt auch für die Verse 3 und 4 in Psalm 126. Da waren wir voll Freude. – Wende doch, HERR, unser Geschick… In der Lutherbibel steht bringe zurück unsere Gefangenen. Der Begriff beschreibt eine Situation, in der Menschen nach Erlösung schreien. Gott ist der, der Menschen erlöst und Not wendet. Gott wendet Leid. Von Hiob heißt es: Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der HERR gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte. Die zweite Dimension der Erlösung ist die Hoffnung auf Erlösung. In einem Lied lautet es so: „Am Ende kein Ausweg und nur noch Angst: Bete, Gott hört. Wenn du dir alleine nicht helfen kannst, Bete, Gott hört. So ist Gott, er hört Gebet, weiß was du brauchst und was nicht. So ist Gott, er hört Gebet, führt dich vom Dunkeln ins Licht.“ Ja, so ist Gott! Er lässt sich bitten. Er erbarmt sich. Wir können unsere Sorgen auf ihn werfen.

Wende doch, HERR, unser Geschick wie die Bäche im Südland! Die Bäche im Südland füllen sich mit Wasser, wenn es regnet. Der Gott, der Regen und damit Ernten schenkt, ist der Gott, der Not wendet. Wende doch, HERR, unser Geschick. Wie lautet dein Geschick, das Gott wenden soll? Wer so betet, ist erlöst von Verzweiflung. Wer auf Gottes Hilfe hofft, ist erlöst von Resignation und Hoffnungslosigkeit. Eine Frau schreibt: „Alles, was mich aufrecht hält, ist die Hoffnung auf den Tag, an dem ich endlich nicht mehr stark sein muss, an dem ich mich in Arme fallen lassen kann, die mich halten, und an jemanden, der dann da ist und sagt: »Jetzt ist es gut. Du hast es überstanden.«“

Hoffnung hat auch der, der Samen sät. Am Ende des Psalms wird die dritte Dimension der Erlösung sichtbar – die erhoffte Erlösung. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Christen leben in einer Zwischenzeit. Sie leben zwischen erlebter Erlösung und erhoffter Erlösung. Dank und Bitte liegen oft nah beieinander.  Die Saat ist das Vertrauen in Gottes Wort. So wie Saat Kraft hat, so hat auch Gottes Wort Kraft. Gottes Wort hat Kraft, weil Gott treu ist und sein Wort hält. Das ist mein Vorrecht und meine Verantwortung: Ich nehme Gott beim Wort. Gott selbst fordert uns auf: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. Ps 50,15 Die Tränen weisen auf die Last der Beter hin. Nehemia weinte über das zerstörte Jerusalem und bat Gott um ein Wunder. Und Gott erhörte ihn. In Psalm 126 weinen Bedrückte, Kranke, Menschen, die sich nach Heil sehnen. Ich denke an den blinden Bartimäus. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!

„Das Schönste kommt noch“ lautet eine biblische Wahrheit. Für den Bauern ist es die Ernte. Für Bartimäus war es das Heilungswunder. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege. Übrigens: Wer sät, kann mit einer Ernte rechnen. und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Allen, die dies lesen, wünsche ich von Herzen: Gott schenke dir unvergessliche Sternstunden und dass du oft das Lied anstimmen kannst: Nun danket alle Gott, mit Herzen Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Ende.

Kostbar – Psalm 116

Kostbar

Wenn ich bei Google “kostbar” eingebe, was erscheint wohl als erstes? Es gibt so viel was man kostbar nennt.

Wenn ich Leute danach fragen würde, was für sie kostbar ist, was werde ich wohl hören? Was kommt dir als erstes in den Sinn?

Wenn ich Leute danach fragen würde, was ihrer Meinung nach für Gott kostbar ist, was werden sie antworten?

Vermutlich wird niemand bei kostbar an den Tod denken. Aber in Psalm 116 steht dieser Begriff an erster Stelle. Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen. Vers 15 Wenn ein von Gott geliebter Mensch stirbt, dann nimmt Gott daran Anteil. Dann wird ein Leben vollendet. Das ist etwas ganz Besonderes. Alles andere muss dann warten. Gott ist unter den Trauergästen, lese ich in Psalm 116. Gott nimmt an der Trauerfeier teil. Gott ehrt den Toten. Gott selbst gibt ihm oder ihr die letzte Ehre. Es ist ja der Höhepunkt im Glaubensleben, wenn es auf der einen Seite dunkel wird für viele, die schwarz tragen und weinen und loslassen müssen. Und auf der anderen Seite wird es ganz hell, froh und voller Staunen, wenn für Verstorbene wahr wird: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 1. Kor 2,9

Ich denke an Jesus wie er vor dem Grab seines Freundes Lazarus steht und weint. Er weiß, was es bedeutet, loslassen zu müssen. Er weint, obwohl er der Sohn Gottes ist. Jesus weint am Grab des Freundes obwohl er Gott ist. Gott weint am Grab eines Menschen, weil dieser Mensch sein Mensch ist. Verstehe das, wer will. Aber das glaube ich. Jesus ist ganz Gott und ganz Mensch. Die Neues Leben Bibel übersetzt den Vers so: Dem Herrn sind die Menschen kostbar, die er liebt; es betrübt ihn, wenn sie sterben.

Das mit kostbar übersetzte hebräische Wort yaqar bedeutet “wertvoll, teuer, gewichtig, schwer, edel.” Das Wort bezeichnet in 2. Sam 12,30 einen kostbaren Edelstein: Er nahm dann ihrem Götzen Milkom die Krone vom Haupt, die ein Talent Gold wog und mit einem kostbaren Edelstein besetzt war; (Menge) Das Wort bezeichnet in Ps 36,8 den hohen Wert der Güte Gottes für den Menschen: Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Das Wort bezeichnet in Spr 3,15 den überragenden Wert der Weisheit, die wertvoller ist als Edelsteine und alles, was ein Menschen sich wünscht: Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen. Das Wort bezeichnet in Jes 28,16 keinen anderen als Jesus Christus: Darum spricht Gott der HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht. Das hilft mir zu verstehen, welchen Stellenwert der Tod eines gläubigen Menschen in Gottes Augen hat. in seinen Augen ist ihr Leben wertvoll. (Hoffnung für alle)

Der Tod ist eine Prüfung sowohl für den, der geht als auch für die, die bleiben. Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner / seines xxx (Namen). Das glaube ich. Es hat für Gott Gewicht und Bedeutung, wenn wir den Tod schmecken, die tiefste Folge der Sünde und zugleich der größte Beweis des Vertrauens derer, die wissen: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Wer im Sterben Gott vertrauen kann, der ehrt Gott ganz besonders. Dieser Glaube ist echt und eine Geschenk Gottes. Wer am offenen Grab Gott vertrauen kann, der ehrt Gott ganz besonders. Da ist Gott selbst in besonderer Weise zu finden. Dieser Glaube ist echt und ein Geschenk Gottes.

Bei Luther heißt es, Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem HERRN. Es ist ja für den Vater im Himmel das Nachhausekommen seines Kindes, das er erwartet. Am Grab sagen Christen: “Er darf nun schauen, was er geglaubt hat. Er ist daheim. Er ist erlöst.” Wenn das Leben im Glauben ein Ultramarathon ist, dann ist der Tod der Zieleinlauf. Aber dieser Zieleinlauf sagt auch viel darüber, wofür ein Mensch gelebt hat, wie er gelaufen ist, wohin er unterwegs war. So sieht es Paulus: Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2. Tim 4,7f

Im Sterben und im Angesicht des Todes wird die Frage nach dem letzten Trost und Halt ganz groß. Im Herrn zu sterben und im Frieden von dieser Welt zu gehen ist ein kostbares Geschenk Gottes. Das ist die Krönung eines Lebens im Glauben.

Mich tröstet das „seiner.“ Wenn ein Kind verloren geht im Kaufhaus, dann ist das die entscheidende Frage: Zu wem gehört das Kind? Zu wem gehörst du? Dann wird es von seinen Eltern vermisst und gesucht. Darauf kommt es an: zu Gott zu gehören, sein zu sein. Du bist mein geliebter Sohn. sagt Gott in ganz besonderen Momenten zu Jesus. Du bist mein! In diesen drei Wörtern ist unbeschreiblich viel Trost.

Wer das Vaterunser betet weiß auch, dass er einen Vater im Himmel hat, der zu ihm sagt: “Mein Kind.” Paulus sagt es so: Leben wir, dann leben wir für den Herrn, und sterben wir, dann sterben wir für den Herrn. Ganz gleich also, ob wir leben oder sterben: Wir gehören dem Herrn. Römer 14,8 Wie gut hat es jeder Mensch, der sein ist. Erkauft, erlöst, frei geliebt, adoptiert. Das Wort seiner ist ein Trostwort so wie es in der 1. Frage des Heidelberger Katechismus formuliert wird:

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.

Ich gehöre Christus! Das ist mein einziger Trost im Leben und im Sterben. Darum wiegt der Tod seiner Heiligen schwer in den Augen des Herrn. Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; 2. Tim 2,19

Ich bin…

Sein Schaf.

Seine Tochter.

Sein Sohn.

Sein Eigentum.

Sein Werkzeug.

Sein Diener.

Sein Volkmar.

Gott schenke dir den Trost, den du jetzt brauchst. Du bist in deinen Gedanken und Schmerzen nicht allein. Er sieht. Er ist da.

Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte, bis hierher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüte, bis hierher hat er mich geleit’, bis hierher hat er mich erfreut, bis hierher mir geholfen.

2) Hab Lob und Ehr, hab Preis und Dank für die bisher’ge Treue, die du, o Gott, mir lebenslang bewiesen täglich neue. In mein Gedächtnis schreib ich an: Der Herr hat Großes mir getan, bis hierher mir geholfen.

3) Hilf fernerhin, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden. Hilf mir an all und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden. Damit sag ich bis in den Tod: Durch Christi Blut hilft mir mein Gott; er hilft, wie er geholfen.