Du kannst stark sein Spr 24,10

Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist. Spr 24,10

So übersetzt Luther. Krisen, Angst, Bedrängnis, Trübsal bringen es ans Licht, wie ein Mensch wirklich ist. Vielleicht mögen wir Krisen darum auch nicht gerne? Und doch hat Glaubwürdigkeit einen Preis. Sie ist nicht billig zu haben. Da trennt sich Spreu von Weizen. Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot. Woran liegt es, dass Menschen mehr versprechen als halten? Bin ich so einer? Ein Windbeutel? Auf wen ist wirklich Verlass? Die Krise bringt es ans Licht, auf wen ich mich verlassen kann.

Aber es gibt auch die anderen, die fest sind in der Not, sich nicht umpusten lassen, die sich nicht wegducken. Es gibt die, die ihr Wort halten, die sich treu sind. So lese ich Spr 27,10 mit anderen Augen, Von deinem Freund und deines Vaters Freund lass nicht ab. Es gibt nur wenige wirkliche Freunde, wenige sie sich als Freunde bewährt haben. Freundschaft bedeutet, verlässlich zum Freund zu stehen. Jesus hat sich als Freund bewährt.

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

Wer so einen Hirten sein nennt, der hat es gut.

Auf den guten Hirten ist Verlass.

Er ist bereit, sein Leben zu opfern. Für mich.

Er hat es getan. Er starb für mich und meine Schuld.

Auf Jesus kann ich mich verlassen! Er ist treu und verlässlich.

Jakob sagt, lasst uns aufbrechen und nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege, den ich gezogen bin. (1 Mo 35,3)

Hier kommt zum ersten Mal das gleiche hebr. Wort vor, mit Trübsal übersetzt. In der Trübsal hat Gott Jakob erhört und ihm geholfen. Jakob hat erlebt, dass er sich in der Trübsal, in der Not auf Gott verlassen kann. Das hat er all die Jahre nicht vergessen. Dazu gehört ja auch die unschöne Wahrheit, dass Jakob seine Trübsal selbst verschuldet hat durch Arglist, Lügen und Betrug am Vater und am Bruder. Und doch hat Gott ihm geholfen.

Die Brüder von Josef sagten, Das haben wir an unserem Bruder verschuldet! Denn wir sahen die Angst seiner Seele, als er uns anflehte, und wir wollten ihn nicht erhören; darum kommt nun diese Trübsal über uns. 1 Mose 42,21

Hier wird das hebr. Wort mit Angst übersetzt. Man kann Angst, Not der Seele sehen. Und die Brüder wollten ihm nicht helfen. Wo immer dies hebr. Wort gebraucht wird, braucht ein Mensch einen, der ihm hilft. So auch in Ps 138, Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickest du mich und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde und hilfst mir mit deiner Rechten.

Not lehrt beten. Not lehrt, Freunde nötig zu haben und ein Freund zu sein.

Und Not lehrt, Gott nötig haben.

Stark ist, wer in der Not gestärkt wird.

Ein starker Held (Jer 20,11)

Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen. Sie müssen ganz zuschanden werden, weil es ihnen nicht gelingt. Ewig wird ihre Schande sein und nie vergessen werden. Jer 20,11

Im Jahr 1988 kam der Film „Der Bär (L’Ours)“ in die Kinos. Es gibt eine mir unvergessliche Szene in dem Film. Ganz am Anfang stirbt die Bärenmutter eines kleinen Bärenwelpen durch einen Steinschlag, während sie dabei war, eine Honigquelle auszuschöpfen. Das verwaiste Bärenjunge Youk zieht allein und hilflos durch die Wildnis Kanadas. Dabei trifft der kleine Bär auf eine ganze Reihe tierischer Wegbegleiter, vom Frosch bis zum Bienenschwarm. Als er den ausgewachsenen Kodiakbären Kaar kennenlernt, hat Youk endlich einen Freund und Beschützer gefunden. Youk hängt sich an den riesigen, ausgewachsenen Kodiakbären, der ihn schließlich duldet, nachdem Youk ihm eine Streifschusswunde ausleckte. Dann, ganz allein, gerät dieser unerfahrene, kleine Bär auf einem seiner Streifzüge in große Not. Ein Berglöwe erspäht ihn und denkt sich: leichte Beute. Der kleine Bär rennt und stolpert um sein Leben. Er quiekt in Verzweiflung und kann sich auf eine Landzunge auf der anderen Seite eines Flusses retten. Doch mit einem Satz ist der Berglöwe bei ihm. Der kleine Bär beginnt einen verzweifelten, ungleichen und hoffnungslosen Kampf. Der Berglöwe hat leichtes Spiel mit ihm. Mit blutender Nase kämpft der kleine Bär weiter, jault und quiekt und versucht sein Leben zu retten. Es ist ein ungleicher Kampf und nur eine Frage der Zeit bis Youk sterben wird. Seine Lage ist aussichtslos. Doch plötzlich weicht der Berglöwe zurück, Schritt für Schritt. Die Wende scheint ganz unerklärlich. Warum gibt der Berglöwe auf? Er ist eindeutig der Stärkere. Und der kleine Bär faucht und kämpft noch immer, jetzt siegessicher und selbstbewusst mit blutender Nase. Und dann klärt sich das Rätsel auf, als sich die Kamera vom kleinen Bären weghebt! Hinter ihm steht sein großer Freund auf seinen Hinterbeinen. Nur eine Prankenbewegung von ihm genügt, um den Berglöwen in die Flucht zu schlagen. Trotz der Nachteile durch seine kleine Kraft, war Youk dennoch im Vorteil. Auf den ersten Blick weit unterlegen, war er dennoch der Sieger in dem ungleichen Kampf. Es kommt eben darauf an, wer hinter mir steht. Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held…

Helden sind oft da, wo Menschen in Gefahr sind oder in einer ernsten Krise. „Wer mir einen Helden zeigt, dem zeige ich eine Tragödie.“ (Scott Fitzgerald) Ein Held rettet Menschen aus einer Tragik. Und Tragik kennt Jeremia aus leidvoller Erfahrung gut. Er will nicht mehr und kann nicht mehr. Über dem Abschnitt steht: von der Last des Prophetenamts (Jeremia 20,7ff).

HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. V.7

Diese Verse gehören zu den ergreifendsten des ganzen Buches,“ schreibt Hans Bruns. Jeremia ist authentisch und schonungslos ehrlich mit sich. Der Prophet Gottes steckt in einer sehr ernsten Krise. Sein ganzer Dienst erscheint ihm sinnlos. Er ist ein einsamer, enttäuschter und überforderter Mann. Verspottet, verlacht, erfolglos. Was für ein Los! Mit wenigen Versen offenbart Jeremia sein Innerstes. Erst wenn ich die Last und Not dieses Mannes erfasse oder erahne, kann ich Vers 11 verstehen. Erst wenn ich die Last von Vers 7 wirklich verstanden habe, kann ich die Befreiung von Vers 11 verstehen. Beides gehört zusammen wie Verlorensein und Gerettetsein.

Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held In Jeremias großer Krise als Prophet Gottes steht auch dieser starke Vers. Plötzlich und unerwartet steht der Vers da. Denn das, was Jeremia erlebt, was er erleidet und mit eigenen Augen sieht, ist eben nicht alles. Der Blick in die unsichtbare Welt schenkt Jeremia eine neue, andere Sicht für die sichtbare Welt. Darum ging es Jesus als er sagte, Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Lk l2,32

Der Blick auf Gott erlöst ihn von Verzagtheit und Furcht. Dieser eine Blick genügt. Von Klaus Seibold kommt der Ausspruch, „Die wahren Helden findet man im Alltag. Man muss sie nur sehen wollen.“ Man muss Gott sehen wollen, wer er ist. Und man muss Ihn sehen können. Das Lied „Jesus, wir sehen auf dich“ ist eins von vielen Liedern, die mir als Sehhilfe dienen. Auch darum sind Lieder des Glaubens so wichtig. Das gute alte Liederbuch ist der Optikerladen der Christen. Leider verlegen wir unsere Brillen immer wieder.

Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held … Mit diesem Wissen, dass Gott an seiner Seite ist, bleibt Jeremia seinem Auftrag treu und trotzt seinen Feinden, seinen scheinbaren Niederlagen und Problemen. Im Trotzen zeigt sich die Kraft des Glaubens. Jeremia macht sich selbst Mut mit diesem Bekenntnis. Und Mut braucht er. Oder macht Gott ihm Mut, indem er Jeremia erinnert: Ich bin für dich da? Jeremia erinnert sich selbst an die rückenstärkende Wahrheit. Er spricht sich das befreiende und Hoffnungmachende Wort selbst zu. Der Gott, dem er dient und der ihn berufen hat, ist sein starker Held. Und dieser starke Held ist bei ihm, mit ihm, für ihn. In der Zürcher Bibel steht furchtbarer Held. Der mit „Held“ übersetzte Begriff wird im Alten Testament sonst nur negativ verwendet für Tyrannen, Unterdrücker, Despoten, und Gewalttätige (Hiob 6,23; Jer 15,21). Zugrunde liegt dem Begriff das Bild von einem, der große Macht hat, die bei Menschen Furcht und Erschrecken bewirkt. In Jes 2,19+21 ist es Gott, der durch sein Gerichtshandeln seine große Macht zeigt und damit Menschen ihre Grenzen: Da wird man in die Höhlen der Felsen gehen und in die Klüfte der Erde vor dem Schrecken des HERRN und vor seiner herrlichen Majestät, wenn er sich aufmachen wird, zu schrecken die Erde.

Für Jeremia bedeutet sein Glaube an diesen Gott, der ihn beauftragt und gesandt hat, vor allem Trost und Stärkung. Gott so zu kennen gibt ihm Halt und Kraft, die er in seiner Situation dringend nötig hat. Aus dem Glauben haben Menschen schon immer Kraft gezogen, auch Kraft über sich selbst hinaus zu wachsen.

Wolfgang Thierse schreibt, „… Aus der Überzeugung von der Geschöpflichkeit von Natur und Mensch, von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen folgert eine radikale Vorstellung von der gleichen Würde jedes Menschen, gerade auch der Armen und Behinderten, der Unterdrückten und Gescheiterten und Leidenden – und daraus folgert der Widerspruch gegen Verhältnisse, die Menschen erniedrigen und in Unfreiheit zwingen. (…) Dieser spezifische Freiheitssinn ist der eigentliche und tiefe Ur-Grund für den Widerstand von Christen, von religiösen Menschen gegen autoritäre Regime und Diktaturen (egal ob sie sich eines religiösen oder anti-religiösen Überbaus bedienen): Das gilt für den christlichen Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft, man denke an Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp, Helmuth James von Moltke, die Geschwister Scholl.“ (www.feinschwarz.net/glaube-und-widerstand/#more-25364

Jeremia sagt sich selbst die befreiende Botschaft. Das ist das helfende Wort. Er stand als Prophet einsam und verspottet da. Er war aller Welts Feind, aber Gottes Freund. Niemand nahm ihn ernst, niemand legte Wert auf seinen Dienst. Aber mit dem Wissen, Gott an seiner Seite zu haben und hinter sich zu haben, konnte er den Menschen weiter Gottes Wort sagen. Und das tat er. Das ist gelebter Glaube. Das ist Angst und Zweifel überwindender Glaube. Das ist trotziger Glaube. David hat es so gesagt, Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. (Ps 23,4) Ob es ein Shitstorm ist, eine Krankheit, das Sterben oder irgendeine andere ernste Krise – auch für mich bleibt dieser Halt und das Wissen, Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held. Paul Gerhard hat es wunderbar gedichtet,

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich,
so oft ich ruf und bete weicht alles hinter sich.
Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott,
was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott.

Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held.

Amen!

Hingabe an Gott und Liebe zu Gott ernsthaft leben Ps 119,2

Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten, die ihn von ganzem Herzen suchen. Ps 119,2

Es war nur ein Moment der Unachtsamkeit. Dann war er nicht mehr da. Die Tante rief mich an und bat mich, für ihren Neffen zu beten. Er war nach einem Bootsausflug plötzlich verschwunden. Mit der Mutter war sie in großer Sorge um den 8-jährigen. Welche Tante und welche Mutter wäre das nicht?! Ich betete, dass sie ihn wiederfinden. Und sie rief andere an, die beim Suchen halfen. Verständlich. Sie wollten so schnell wie möglich das Kind wiederfinden. Alles andere war in dem Moment unwichtig, musste warten. Ein verloren gegangenes kleines Kind sucht man von ganzem Herzen. Nach ein paar Stunden wurde er gefunden. Er war fast 10 km in Richtung Zuhause gelaufen. Diese Geschichte hilft mir Ps 119,2 besser zu verstehen, zu verstehen, wie es aussieht, wenn man jemanden von ganzem Herzen sucht.

In Psalm 119 werden in Vers 2 zum ersten Mal Menschen erwähnt, die Gott von ganzem Herzen suchen. Als ob sie ohne Gott nicht leben können und wollen. Denen gilt die Seligpreisung. Auch weil sie Gott von ganzem Herzen suchen. Ganz offenbar ist Gott ihnen sehr wichtig geworden, wert von ganzem Herzen gesucht zu werden. Ich lade ein, über diese wichtige Formulierung nachzudenken. Gott möchte von ganzem Herzen gesucht werden. Darin zeigt sich Liebe zu Gott. Wer Gott liebt, zeigt das. Wer Gott liebt zeigt es in seiner Entschiedenheit und Hingabe. Sei ganz sein oder lass es ganz sein. Darum geht es. Lieben kann man nicht halbherzig. Mit Gott und seinem Wort leben kann man auch nicht halbherzig. Das wäre keine wirkliche Liebe. Von ganzem Herzen hat Gott mich geliebt, als er seinen Sohn für mich in die Welt sandte und mich suchte. Hätte Gott mich nicht von ganzem Herzen gesucht, wäre ich noch heute verloren. Zu wissen, wie sehr Gott mich liebt und wie viel ich ihm bedeute ist sicher ein Schlüssel, um in der Liebe zu Gott zu wachsen. Von Gott und seiner Liebe möchte ich lernen. Wie werde ich zu einem Menschen, der Gott von ganzem Herzen sucht?

In der Bibel findet man diese Formulierung, von ganzem Herzen 164 Mal. Eine biblische Geschichte hilft mir zu verstehen, was damit gemeint ist, ihn von ganzem Herzen suchen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschreibt Jesus einen wichtigen Moment, der viel mehr als nur ein Moment. Es ist eine bleibende Veränderung, die Grundlage für ein ganz neues Leben.

Endlich ging er in sich und sagte: ‚Mein Vater hat so viele Arbeiter, die bekommen alle mehr, als sie essen können, und ich komme hier um vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Nimm mich als einen deiner Arbeiter in Dienst!‘ So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater. Lk 15,17-20

Der verlorene Sohn entschied sich, aufzubrechen aus dem Verhungern und zurück zu seinem Vater zu gehen. Von diesem Moment an suchte er seinen Vater von ganzem Herzen. Sein Vater war seine Hoffnung, seine Sehnsucht, sein Ziel. Den ganzen Weg dachte er an seinen Vater. Nach Hause kommen und den Vater suchen sind zwei Seiten einer Medaille. Und nicht nur der Weg nach Hause kann als Suchen des Vaters beschrieben werden. Der Rest seines Lebens war geprägt davon, mit ganzem Herzen den Vater zu suchen. Denn der hatte ihm die unfassbar große Liebe erwiesen, ihm seine Schuld zu vergeben und ihn als Sohn wieder einzusetzen. Viel Liebe zeigt der, dem viel Liebe gezeigt wurde. So sagt es Jesus: Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. Lk 7,47 Die Sünderin, von der Jesus hier spricht, ist auch ein Beispiel dafür, wie das ihn von ganzem Herzen suchen aussieht. Denn das bedeutet auch, einer Beziehung höchste Priorität zu geben. Ich suche dich von ganzem Herzen bedeutet darum, „Meine Beziehung zu dir ist für mich sehr wichtig. Du bist für mich sehr wichtig!“ Johnny Cash hat einmal gesagt, „Christ zu sein ist nichts für Weicheier. Es braucht einen echten Mann, um für Gott zu leben – viel mehr Mann als für den Teufel zu leben.“ (Being a Christian isn’t for sissies. It takes a real man to live for God – a lot more man than to live for the devil.)

 Das Lied „Das Höchste meines Lebens ist dich kennen, Herr“ drückt diese Wahrheit auch aus. Der verlorene Sohn wollte nicht verhungern. Er wollte leben. Menschen, die Gott von ganzem Herzen suchen sind Menschen, die leben wollen. Ihnen wird Leben und Segen versprochen: Denn so spricht der HERR zum Hause Israel: Suchet mich, so werdet ihr leben. Suchet nicht Bethel und kommt nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerscheba; denn Gilgal wird gefangen weggeführt werden, und Bethel wird zunichte werden. Suchet den HERRN, so werdet ihr leben… (Am 5,4-6)

Der ganze Psalm 119 beschreibt die Haltung und den Glauben eines Menschen, der Gott von ganzem Herzen sucht. Gott von ganzem Herzen suchen bedeutet, ihn zu kennen als höchstes Glück zu sehen, Gottes Nähe suchen durch sein Wort und durch Gebet, Gott mehr und mehr kennenzulernen, Gott zu vertrauen in allen Lebenslagen, ihn Herr und Gott sein lassen. Im Neuen Testament wird das mit der Wendung beschrieben, an den Herrn glauben. Gott von ganzem Herzen suchen beschreibt besser, dass Glaube aktiv gelebt werden muss. Mein Glaube ist erst dann echter Glaube, wenn ich ihn auch lebe und zwar von ganzem Herzen. Menschen können so ihren Glauben leben.

Das größte Geschenk, das wir uns gegenseitig machen können, ist, einem anderen Menschen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.“ Ich bin mir nicht sicher, ob es das größte Geschenk ist. Aber es ist ohne Zweifel ein sehr wichtiges Geschenk. Wem es gelingt, einem anderen seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken – der hat etwas Wichtiges verstanden und gelernt. Denn es zeigt: „Was du zu sagen hast ist sehr wichtig. Du bist wichtig. Du bist es wert, dir ungeteilt zuzuhören.“ Ungeteilte Aufmerksamkeit ist eine Haltung, die man lernen kann. Gerade weil wir so leicht gedanklich abschweifen, so viel auf einmal wollen, ist ungeteilte Aufmerksamkeit etwas ganz Besonderes. Es ist oft ein Kampf, Gott meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Ich bin so schrecklich leicht ablenkbar. Aber ich habe auch oft erlebt, wie kostbar es ist, ganz Gott zugewandt zu sein.

Wer Gott von ganzem Herzen liebt, bedarf nicht ausführlicher Vorschriften, wann und wo und wie oft er Gott dienen, ihn anbeten und lobpreisen solle.“ (Johann Amos Comenius, tschechischer Theologe)

 

Eine sinnlose Berufung? Jer 20

aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich
Jer 20,7

Der große Prophet Jeremia wird von allen verlacht.

Er ist zu einer Witzfigur geworden.

Der Mann Gottes ist eine Lachnummer.

Niemand nimmt ihn ernst.

Wie ist das, wenn alle über mich lachen?

Wie ist das, wenn niemand mich ernst nimmt?

Da bin ich als verurteilter Straftäter besser dran.

Ich stell es mir bildlich vor, wie sie grinsen, lachen, kichern,

die Augenbrauen hochziehen, sich wissend angucken, wenn er predigt.

Ach der wieder… (schmunzel). Jeremia… LOL LOL.

Der will Prophet sein, ich lach mich weg… hahaha

Was für ein Los!

Welchen Sinn hat ein weiterer Dienst da noch?

Seine göttliche Berufung weiter zu leben ist angesichts dieser Situation sinnlos.

Sollte ein Prophet in einer solchen Situation nicht aufhören, Prophet zu sein?

Ich kann gut verstehen, dass Jeremia nicht mehr Prophet sein wollte.

Wer hätte das schon gewollt, die Lachnummer der Nation zu sein?

Ich verstehe, warum er unter seinem Los litt.

Aber er blieb Prophet.

Er konnte nicht aufhören, Prophet zu sein.

Seine Berufung von Gott blieb bestehen, so sinnlos es uns erscheint.

Denn über die Berufung entscheiden nicht Menschen mit ihren Reaktionen,

sondern allein Gott.

Gott gebrauchte Jeremia.

Die Welt braucht Menschen, wie Jeremia.

Und sie braucht Jesus von Nazareth,

der sich verhaften, schlagen, bespucken und kreuzigen lässt.

So total sinnlos.

Und doch total sinnvoll.

Die Last der Berufung von Gott Jer 20

Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Jeremia 20,7

Er hat nicht gewusst, worauf er sich einlässt. Wie konnte er auch? Dass es nicht einfach sein wird, hat er geahnt. Erst wollte er nicht Gottes Prophet sein.  Er sagte Nein zu Gott.

Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 1,6

Nun ist er in der Krise. Und was für einer! Jeremia kann nicht mehr. Er gibt Gott die Schuld daran. „Gott, du hast mich verführt! Du hast meine Naivität ausgenutzt. Du warst nicht ehrlich zu mir! Du hast mich getäuscht! Und ich habe mich von dir täuschen lassen!“ Jeremia ist böse auf Gott. Der hatte ihm das alles eingebrockt.

Die Last des Prophetenamts ist auch die Last der Nachfolge Jesu. Christen kommen wie Jeremia auch irgendwann in ähnliche Krisen. Die Last des Prophetenamts ist auch die Last der Ehe und der Eltern. Wer weiß schon, was Christsein bedeutet, was Ehe bedeutet, was Elternsein bedeutet? All das bringt uns an unsere Grenzen. All das bringt irgendwann schmerzhafte Enttäuschungen. Es bringt Ernüchterung und Krisen. Weil wir wie Jeremia Menschen sind. Nein, ich habe mich nie bei Gott beklagt, dass er mich zu seinem Kind gemacht hat. Ich habe es nie bereut, Christ geworden zu sein. Aber ich stelle fest, dass ich es ohne das Verwurzeltsein in Gott und seinem Wort nicht geschafft hätte. Und ich stelle fest, dass ich in manchem keinen Sinn sehe.

Jeremia klagt Gott seine Not, klagt ihn an, macht Gott Vorwürfe, schüttet vor Gott sein Herz aus, spricht ungefiltert aus, was ihn belastet, überfordert, ärgert, frustriert. Gott hält das aus. Manchmal ist es heilsam und notwendig, genau das zu tun. Beten und klagen.

Und dann geht Jeremia seinen Weg weiter als Prophet. Er bleibt seinem Gott treu. Er leidet weiter. Und er sagt, was gesagt werden soll. Er dient seinem Volk, das diesen Dienst nicht will. Er dient den Völkern, weil Gott es so will.

„Gott, ich danke dir für Jeremia. Ich danke dir für die Propheten, die in deinem Namen geredet haben. Ich danke dir für Jesus. Und für die Männer und Frauen, die dir treu dienen und dir treu geblieben sind und einen Preis dafür bezahlt haben.

Danke, dass wir auch klagen dürfen. Und dass du uns hilfst, den Weg weiter zu gehen.

Amen!“

Ein beeindruckender Liebesbeweis Psalm 119

Im Juni 2014 feierten meine Frau und ich unseren 18. Hochzeitstag. Wir hatten uns etwas Besonderes vorgenommen. Jeder von uns hatte sich neun Stationen mit Aktionen überlegt, die mit uns zu tun hatten. Eine Station war auf einem leeren Parkplatz. Ich trug meine Frau über die Stellflächen für die Autos. Für Beobachter sah das bestimmt sehr merkwürdig und nicht gerade romantisch aus. Um zu verstehen, was das soll, hätte man uns fragen müssen. Dann hätte man erfahren: Für jeden Schritt, den ich meine Frau trug, sagte ich ihr danach dabei etwas Positives, etwas wofür ich dankbar war.

Mit Psalm 119 ist es ähnlich. Er wirkt merkwürdig. Er ist ungewöhnlich lang und die Verse scheinen keinen Zusammenhang zu haben. Im Vorwort zu Psalm 119 schreibt der englische Baptistenprediger Charles Spurgeon: „Er dehnte sich vor mir aus wie eine ungeheure Prairie, von der ich kein Ende sah, und schon dies flößte mir ein Gefühl des Schreckens ein.“ Spurgeon sagt dann aber auch, „Dieser Psalm ist eine ganze Welt von heiligem Sinnen und jeder zollbreit Land darauf fruchtbar wie ein Garten des Herrn.“

Um Psalm 119 zu verstehen, muss ich den Autor des Psalms fragen: Was hat dich bewogen, den Psalm zu schreiben? Warum ist er so lang? Man braucht 18 Minuten, den Psalm in Ruhe zu lesen. Wie kam es zu den 176 Versen? Der Verfasser des Psalms ist schon lange verstorben. Ich kann ihn also nicht mehr fragen. Es gibt auch keine Einleitung, die den Psalm erklärt. Mir bleibt nur das aufmerksame Lesen des Psalms mit der Frage: Worum geht es dem Beter? Aus den Versen kann ich Rückschlüsse ziehen, den Autor und seine Motivation zu verstehen. Und genau das habe ich getan. Ich habe den Psalm auswendig gelernt und viel über die Verse nachgedacht. Ich habe den Psalm über viele Jahre zig Mal gelesen und mich gefragt: Worum geht es dem Psalmbeter? Und ich bin zu einer Überzeugung gekommen. Das Motiv des Beters ist Liebe. Es geht ihm um seine Liebe zu Gott. Der Psalm ist ein beeindruckendes Liebesbekenntnis zu Gott und seinem Wort.

In den Versen 47 und 48 steht: Ich habe meine Freude an deinen Geboten, sie sind mir sehr lieb, und hebe meine Hände auf zu deinen Geboten, die mir lieb sind, und sinne nach über deine Weisungen. In Vers 132 steht. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, wie du pflegst zu tun denen, die deinen Namen lieben. Alfons Deissler, Professor für Altes Testament, schreibt: „In Psalm 119 spricht ein großer Liebender, der wie der Prophet Jeremia sein Verhältnis zu Jahwe zu einer Herzenssache macht, seinen Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit aller Kraft zu lieben strebt.“

Im Aufbau und in jedem Vers des Psalms sehe ich die tiefe Liebe des Beters zu Gott und seinem Wort. Mit 176 Versen ist Psalm 119 der längste aller Psalmen. Warum ist Psalm 119 so lang? Die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets dienten dem Verfasser als Rahmen. Zu jedem Buchstaben hat er 8 Verse gedichtet, die alle mit dem Buchstaben beginnen. Das ist eine echte Meisterleistung, die in der Übersetzung leider verloren ging. In einigen Bibeln steht über diesem Psalm: das güldene ABC. Psalm 119 ist also ein vergoldetes ABC. Eine weitere Besonderheit des Psalms sind die 8 verschiedenen Begriffe für das Wort Gottes. In fast jedem Vers wird darauf Bezug genommen. Gott hat sich aus Liebe uns Menschen offenbart. Er hat uns sein gutes Wort, seine hilfreichen Ordnungen und Gebote gegeben. Diese Liebe Gottes ist so unbeschreiblich groß und bedeutsam. Das macht Psalm 119 in 176 Versen auf beeindruckende Weise deutlich.

Psalm 119 dokumentiert die Liebe Gottes zu uns. Gleichzeitig zeigt der Psalm, wie sich unsere Liebe zu Gott in unserem Alltag zeigen kann. Das ist die Brille, mit der ich den Psalm lesen und verstehen will. Graf Niklaus Ludwig von Zinzendorf hat es in einem Lied treffend ausgedrückt: Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun. In Vers 72 sagt der Beter: Das Gesetz deines Mundes ist mir lieber als viel tausend Stück Gold und Silber.

Ich freue mich darauf, diesen Schatz zu entdecken und mir zu eigen zu machen. Psalm 119 öffnet mir die Augen für echten Reichtum im Leben. Das sind 176 Verse über reiches Leben. Ohne Frage gehört die Liebe meiner Frau auch zum Reichtum meines Lebens. Wenn ich an dies Erlebnis mit meiner Frau auf dem Parkplatz denke, wird noch etwas anderes deutlich. Liebe zeigt sich auch in der Bereitschaft zum Tragen von Lasten. Meine Frau über den Parkplatz zu tragen war nicht wirklich schwer. Ein Leben lang einander aus Liebe zu dienen und zu ehren ist eine echte Herausforderung. Gott zu lieben und zu ehren ist auch eine Herausforderung. Das wird in Psalm 119 auf eindrückliche Art deutlich. Psalm 119 wirft einen ehrlichen Blick auf die manchmal herausfordernde Liebe zu Gott.

So hat es Deissler gesagt: „In Psalm 119 spricht ein großer Liebender, der wie der Prophet Jeremia sein Verhältnis zu Jahwe zu einer Herzenssache macht, seinen Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit aller Kraft zu lieben strebt.“

Wie wird deine Liebe zu Gott sichtbar und konkret?

Ich bin zu beglückwünschen Ps 119,2

Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten, die ihn von ganzem Herzen suchen, Psalm 119,2

Ich habe Gabriel 1993 in Lübeck kennengelernt. Er war aus Südafrika und Christ. Gabriel kam nach Deutschland, um Asyl zu erhalten. Oft habe ich ihn in seiner Asylunterkunft besucht. Er besuchte regelmäßig das englisch-sprachige Bibelgespräch, das ich in der Baptistengemeinde Lübeck angeboten hatte. Wir wurden Freunde. Ein Gespräch mit ihm bleibt mir in besonderer Erinnerung. Wir sprachen Mal wieder über die vielen Probleme und Sorgen in seinem Leben. Und er sagte mir, „Volkmar, wenn du Gott auf deiner Seite hast, dann bist du immer im Vorteil.“ Das war nicht nur so daher gesagt. Das war seine Überzeugung. Das war sein Glaube. Das gab ihm Kraft, mit den vielen Problemen und Sorgen umzugehen. Gott auf seiner Seite zu haben gab ihm Kraft. Davon fest überzeugt zu sein, dass ich immer im Vorteil bin, immer besser dran bin – wäre das nicht eine beneidenswerte Haltung, die dem Leben dient? Darum geht es in dieser Ausarbeitung über die Seligpreisungen in Psalm 119.

Die ersten beiden Verse in Psalm 119 beginnen mit einer Seligpreisung. Ich habe lange darüber nachgedacht. Welche Bedeutung haben die beiden Seligpreisungen in Psalm 119? Womit werden diese Seligpreisungen begründet? Warum stehen sie hier am Anfang dieses wunderbaren Psalms? Worin besteht das Glück, auf das die beiden Verse sich beziehen?

  1. Ich bin zu beglückwünschen, weil Gott für mich ist

Im Alten Testament gibt es 45 Bibelstellen, in denen eine Seligpreisung (hebr. esher) vorkommt. Bezeichnend ist das erste Vorkommen der Seligpreisungen im Buch 5. Mose:

Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich? Du Volk, das sein Heil empfängt durch den HERRN, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! Deine Feinde werden dir huldigen und du wirst auf ihren Höhen einherschreiten. (33,29)

Diese Seligpreisung spricht Mose am Ende seiner Predigt aus, die er dem Volk Israel vor dem Einzug in das gelobte Land Kanaan hält. Das Volk hört das wohl dir, Israel mit 40 Jahren Wüstenwanderung hinter sich, noch ohne Land, ohne eigene Häuser, ohne Sicherheiten, ohne Besitz, ohne das Ziel der Wanderung erreicht zu haben. So ein Volk wird beglückwünscht? Ja, und das ist keine Ironie. Ob sich das Volk auch so gefühlt hat, als ein Volk das zu beglückwünschen ist? Vermutlich nicht. Man kann auch glücklich sein ohne sich glücklich zu fühlen. Das Glück, das sie Seligpreisungen der Bibel meinen ist nicht in Gefühlen begründet. In 5 Mose 33 wird wunderbar deutlich: Das wohl dir ist allein in der Beziehung zu Gott und im von Gott geschenkten Heil begründet.

Herzlichen Glückwunsch! Gott selbst ist auf deiner Seite. Er ist dein Gott! Und wenn Gott für dich ist, wer kann gegen dich sein?!

Die Bedeutung des wohl dir wird nur der verstehen, der klar sieht, was er in Gott hat. Geht es nicht auch in der Liebe darum – zu wissen, was ich in dem geliebten Menschen habe? Dann ist das wohl dir vor allem eine Erinnerung daran, das wirklich Wertvolle, Besondere und Einzigartige zu ehren und zu schützen – das Glück zu schützen. Die biblische Seligpreisung verortet menschliches Glück konsequent in der Beziehung zu Gott. Der gläubige Mensch bekräftigt sein Glück mit der Seligpreisung.

  1. Ich bin zu beglückwünschen, weil Gott zu kennen wichtiger ist

Das am Anfang von Psalm 119 zweimal erwähnte Glück ist eben kein offensichtliches Glück. Auch deshalb stehen die beiden Seligpreisungen ganz am Anfang. Sie setzen einen entscheidenden Akzent für den ganzen Psalm. Sie stimmen einen Grundton an, der alle anderen schrägen und unharmonischen Töne im Leben des Gläubigen übertönen. Die Beziehung zu Gott und seinem Wort ist wichtiger und wertvoller als alles andere. Das wohl dir ist die Erinnerung: „die Sonne scheint für mich auch dann, wenn dunkle Wolken am Himmel hängen.“ Paul Gerhard hat das in seinem Lied „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich“ ähnlich ausgedrückt:

Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ;
das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.

Das glaubt der Autor von Psalm 119. Der Psalm macht deutlich: die Liebe zu Gott und seinem Wort bringt auch viele ernste Probleme und Nachteile mit sich. Hier ist eine kleine Auswahl:

  • Fürsten sitzen da und reden wider mich (V.23)
  • Ich gräme mich, dass mir die Seele verschmachtet (V.28)
  • dass ich antworten kann dem, der mich schmäht (V.42)
  • Das ist mein Trost in meinem Elend (V.50)
  • Die Stolzen treiben ihren Spott mit mir (V.51)
  • Der Gottlosen Stricke umschlingen mich (V.61)
  • Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich (V.67)
  • Die Stolzen erdichten Lügen über mich (V.69)
  • Die Stolzen graben mir Gruben (V.85)
  • Ich bin gering und verachtet (V.141)

Das wohl denen hilft, die Sonne trotz der Wolken zu sehen. Diese Sehhilfe macht lebenstüchtig und froh. Die Seligpreisung ist darum eine Art Gegengewicht zu den Problemen und Nachteilen im Leben des Gläubigen. Das wohl denen hat mehr Gewicht als alle Nachteile, die auch aus der Liebe zu Gott entstehen. Wohl denen ist wertvolle und nötige Rückenstärkung für die, die aufgrund ihrer Liebe zu Gott und seinem Wort Anfeindung und Spott erleben. Wer also die Seligpreisungen versteht und glaubt, geht gestärkt und mutig durchs Leben. Diese wichtige Stärkung steht darum zurecht am Anfang von Psalm 119.

  1. Ich bin zu beglückwünschen, weil Gott meinem Leben Sinn und Hoffnung gibt

Es ist wichtig, das wohl denen zu verstehen, wie es gemeint ist und welche Bedeutung es in Psalm 119 hat. Aber eines ist noch wichtiger – zu wissen: diese Seligpreisung gilt mir persönlich! Ich will das wohl denen verstehen und glauben. Dabei ist der Psalm mir eine große Hilfe. Psalm 119 zeigt mir, worin Liebe zu Gott sich zeigt und wie das Leben mit Gott auch sein kann. Aber vor allem zeigt der Psalm, wie real und kräftig die Liebe zu Gott ist, kräftiger als alle Schwierigkeit und Nachteile, die einem Gläubigen auch begegnen. Im gewissen Sinn steht die Seligpreisung auch für den Sinn meines Lebens und wofür ich lebe. Es kann in jedem Menschenleben nur ein wohl denen geben. Welches steht über deinem Leben?

In Matth 19,27 macht Petrus eine wichtige Aussage und stellt eine wichtige Frage, Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben? Jesus nachzufolgen war es den Aposteln wert, alles andere loszulassen. Jesus zu haben war es ihnen wert, vieles andere nicht zu haben. Wer alles haben will, wird Glück nie haben. Jesus antwortet Petrus mit den Worten, Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verlässt um meines Namens willen, der wird’s hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben. V.29

In Joh 17 finden wir einen wichtigen Hinweis, worin das ewige Leben besteht: Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein awahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen (V.3). Wieder geht es um Beziehung als Quelle des Lebens – und des Glücks.

  1. Ich bin zu beglückwünschen, weil mein Glaube mir Kraft schenkt

Hebräer 11 hilft mir, die Seligpreisungen besser zu verstehen. Mose hat durch den Glauben entschieden, was für ihn wichtiger ist und worauf er dafür lieber verzichten würde.

Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten, sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes zusammen misshandelt werden als eine Zeit lang den Genuss der Sünde haben, und hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung. (VV.24-26) Das wohl denen gilt auch Mose in seiner Entscheidung, die Schmach Christi für größeren Reichtum zu halten. Ohne Verzicht gibt es kein Glück. In der Guten Nachricht Bibel steht in V.26 Er war sicher, dass alle Schätze Ägyptens nicht so viel wert waren wie die Schande, die wir zusammen mit Christus ertragen. Denn er blickte auf die künftige Belohnung.

Etwas weiter heißt es von den Gläubigen:

Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erduldet. Sie, deren die Welt nicht wert war, sind umhergeirrt in Wüsten, auf Bergen, in Höhlen und Erdlöchern. Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht erlangt, was verheißen war, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat; denn sie sollten nicht ohne uns vollendet werden. (Hebr 11,36ff) So sieht Glück aus? Ja, auch so sieht wahres Glück aus. Diesen Menschen gilt die Seligpreisung. Wohl denen, die bereit sind für Gott echte Opfer zu bringen und sich durch nichts davon abbringen lassen, Gott zu lieben. So viel Kraft hat Glaube und Liebe zu Gott.

  1. Ich bin zu beglückwünschen, weil ich für andere ein Segen bin

Die Seligpreisung hat noch eine weitere Dimension. Alle Männer und Frauen, die Gott ernst genommen haben, sind Menschen, die für andere zum Vorbild geworden sind. Ich bin Gott dankbar für Abraham, Josef, Mose, Josua, Ruth und Naemi, David und die vielen anderen, die ihren Glauben an Gott gelebt haben und mir eine Quelle der Ermutigung geworden sind. Ich bin dankbar für Menschen wie Paul Gerhard, Mathias Claudius, Julie Hausmann, Fanny Cosby, D. Bonhoeffer und Jochen Klepper. Sie und viele andere sind wertvolle Vorbilder für mich und viele andere Menschen. Das Glück in Psalm 119 liegt auch darin, für Gott brauchbar zu sein, ein Werkzeug zum Segen für andere Menschen zu sein: Die dich fürchten, sehen mich und freuen sich; denn ich hoffe auf dein Wort. (V.74)

Ich will und möchte mir immer wieder sagen lassen, worin Glück wirklich besteht und wie bedeutend und wertvoll es ist, Gott zu kennen. Psalm 119 zeigt mir: wahres Glück ist, Gott zu kennen und zu lieben, Gott zu vertrauen und ihm zu gehorchen. Glück ist, mit Gott reden zu können und von ihm Hilfe erbitten zu können. Und das nicht erst irgendwann in Zukunft, sondern heute und hier. Das höchste Gut ist und bleibt, Gott als Vater im Himmel zu haben und seiner Liebe und Treue gewiss zu sein. Paul Gerhard hat es so ausgedrückt:

Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt. (P. Gerhardt)

Weltfrauentag und das Patriarchat

Ich empfehle diesen lesenswerten Artikel über den Weltfrauentag und das Patriarchat.

Das Patriarchat als Fundament abendländischer Kultur

„Der heute begangene Weltfrauentag wurde 1911 von kommunistischen Aktivistinnen im Kontext ihres revolutionären Kampfes gegen die Gesellschaftsordnungen Europas eingeführt. Das „Patriarchat“ müsse zerstört werden, weil es Teil eines Systems der Unterdrückung sei.

Tatsächlich jedoch ist das Patriarchat in seiner europäischen Form ein Fundament einer Ordnung, die auf dem Dienst des Mannes am Gemeinwesen in Erweiterung seiner natürlichen Rolle als Vater beruht. Diese Ordnung schuf die Voraussetzungen dafür, dass sich die freiheitlichen Gemeinwesen Europas sowie ihre einzigartigen kulturellen Leistungen entwickeln und behaupten konnten. Wie der Blick in die Geschichte des Kommunismus zeigt, wird die Zerstörung dieser Ordnung keine freiere und gerechtere Welt schaffen. (…)

Die Zerstörung patriarchaler Ordnung sei eine der Voraussetzungen für die Verwirklichung der kommunistischen Utopie.2

Der Weltfrauentag beruht auf dieser Ideologie und wurde erstmals 1911 auf die Initiative von Kommunistinnen wie Clara Zetkin begangen. Im Verständnis feministischer Ideologie, die eine Strömung des Neomarxismus darstellt, sei das Ziel dieses Tages auch gegenwärtig, die „Solidarität mit Frauen, die unter dem Patriarchat leiden„, zu stärken, weil die Welt „patriarchalisch und ungerecht“ sei. Durch die Herstellung von „Ergebnisparität“ solle „Geschlechtergerechtigkeit“ hergestellt werden. (…)

Wie tief diese aus totalitären Wurzeln stammende, nach Zerstörung der gewachsenen Ordnung und Kultur strebende Ideologie mittlerweile in tragende Institutionen der Gesellschaft eingedrungen ist, zeigten unter anderem aktuelle Äußerungen des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der einen mutmaßlichen „Rückfall in alte Rollenmuster“ und „antifeministische Hetze“ beklagt und dabei Elemente der oben beschriebenen Ideologie aufgreift.“

Über das Geschenk eines ehrlichen Lächelns – Psalm 119,135

Lass dein Antlitz leuchten über deinen Knecht, und lehre mich deine Gebote. Ps 119,135

Es war Gottes Wille und Wunsch, dass die Priester das Volk Israel mit diesen Worten segnen: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. 4. Mose 6,24ff

Heute hört man diese Worte am Ende des Gottesdienstes. Der endet mit einem Segen. Gott will segnen. Und Menschen brauchen mehr als alles andere diesen Gott, der sie segnet. Segen bedeutet Zuspruch und Kraft zum Leben. Segen bedeutet Leben mit Gott an der Seite und unter seiner schützenden Hand. Segen ist Gnade, unver-diente Hilfe und Zuwendung. Segen hat Frieden mit Gott zum Ziel. Einem Menschen kann nicht Besseres wi-derfahren als zu wissen: Gott sieht mich freundlich an. Die Juden formulierten es so: Gottes Angesicht leuchtet über mir. Diesen Wunsch nach Gottes Segen drückt der Psalmbeter mit seiner Bitte in Psalm 119,135 auch aus. Lass dein Antlitz leuchten über deinen Knecht, und lehre mich deine Gebote. Das Gesicht eines Menschen ist die erste Botschaft eines Neugeborenen, der in Beziehung tritt zu Eltern, Großeltern und Geschwistern. Dem Baby genügt es, ein lächelndes Gesicht zu sehen. Und intuitiv wissen es alle, die das Kleinkind ansehen – man sieht es lächelnd an und freut sich unbändig, wenn das Lächeln mit einem Lächeln erwidert wird. Das Baby ist auf lächelnde Gesichter angewiesen, um sich geborgen zu wissen und Vertrauen zum Leben und zur Welt zu gewinnen. Das lächelndes Gesicht sagt dem Baby: „Ich mag dich. Ich bin freundlich zu dir. Ich bin für dich. Ich habe nichts gegen dich.“ Das lächelnde Gesicht nährt die Seele des Kindes. Das Kind versteht es von Geburt an, Gesichter zu lesen. Und ein Leben lang begleitet uns der Wunsch nach Gesichtern, die uns das mitteilen: „Ich mag dich, ich bin freundlich zu dir, ich bin für dich, ich habe nichts gegen dich.“ Es stimmt: Ein Lächeln kostet weniger als elektrischer Strom und gibt mehr Licht. Udo Jürgens hat es in einem Lied so formuliert:

Nur ein Lächeln, und ein Fremder wird zum Freund, und viel leichter trägt sich manche schwere Last.

Nur ein Lächeln, und dein Kind es sieht dir an, dass du ihm den dummen Streich verziehen hast.

Wenn ein Mensch darum bittet, Lass dein Antlitz leuchten über deinen Knecht, dann bittet er um eine gute Beziehung zu Gott. Diese Beziehung bleibt eine tiefe Sehnsucht des Menschen. Und wer eine Beziehung zu Gott hat, erlebt sie als Geschenk von Gott. Mit einem leuchtenden Antlitz schenkt Gott sich selbst einem Menschen. Menschen bleiben die Bittenden und Beschenkten. Das Wichtigste im Leben ist Gottes Freundlich-keit. In der Hoffnung für alle Bibel steht hier: Blicke mich freundlich an, ich gehöre doch zu dir! Unausge-sprochen steht in der Bitte um Gottes freundliches Gesicht auch die Bitte um Vergebung von Schuld. Denn gäbe es keine Schuld in meinem Leben, dann müsste ich Gott nicht darum bitten, mich freundlich anzuschauen. Wer also Gott bittet, Lass dein Antlitz leuchten über deinen Knecht, und lehre mich deine Gebote, der bittet Gott auch um Vergebung der eigenen Schuld. Auch christlicher Perspektive ist es die Bitte um einen Sünden-bock, der meine Schuld auf sich nimmt. Im Sterben von Jesus Christus am Kreuz beantwortet Gott unsere tiefe Sehnsucht nach Vergebung unserer Schuld und nach Frieden mit Gott. Ein deutsches Sprichwort lautet, „Kein Medikament ersetzt ein Lächeln.“ In diesem Sinne ist das Lächeln Gottes über meinem Leben das beste und teuerste Medikament der Welt, weil es ihn seinen Sohn gekostet hat. Und weil ich es Gott wert bin, mich heil zu machen und mir Hoffnung zu schenken. 

Die bedeutenden Menschen in meinem Leben sind die, die mich freundlich ansehen und es auch so meinen. Ich kenne sie mit Namen. Sie machen Gott für mich erfahrbar, weil sie mir das schenken, was ich als fehlbarer Mensch brauche: Güte, Vergebung und unverdiente Liebe. Diese Menschen machen mich reich, die mich und meine Schuld kennen – und mich trotzdem freundlich ansehen. Damit drücken sie Hoffnung für mich aus. Weil sie mir vergeben und mich wieder freundlich ansehen, schenken sie mir Hoffnung. Durch die Art, wie sie mich ansehen zeigen sie, dass sie mich nicht abschreiben. Ich gehöre trotzdem dazu. Sie ja auch. Denn wir leben alle von der Vergebung und der Gnade Gottes. Nicht alle haben das gelernt. Gnade ist auch empörend und verstö-rend, weil sie Menschen Ansehen gibt, die es nicht verdient haben. Gnade ist auch empörend, weil sie allen Menschen gilt. Gnade ist eine starke Kraft, weil sie das begründete und berechtigte Todesurteil aufhebt. Mutter Teresa sagte es so: „Wir werden nie wissen, wie viel Gutes ein einfaches Lächeln vollbringen kann.“ Ein einfaches, ehrliches Lächeln ist nichts anderes als die Erfahrung, unverdient gesegnet zu werden. Ein einfaches Lächeln schenkt mir die Ahnung davon, wie Gott ist. Er ist ein Brückenbauer, ein mich trotzdem Liebender, einer, der mich heil macht. In dem Menschen, der mich ehrlich freundlich ansieht, sieht Gott selbst mich an. In dem Christus, der für mich am Kreuz starb, sehe ich, wie ernst es Gott damit meint, mich zu segnen. Und in der Bitte Lass dein Antlitz leuchten über mir, steckt auch die Verpflichtung, anderen Menschen so zu begegnen, wie Gott mir begegnet ist in seiner Güte und Barmherzigkeit. 

Antisemitismus als Preis des Glaubens Ps 119,141

Ich bin gering und verachtet; ich vergesse aber nicht deine Befehle. Ps 119,141

In meiner Ausarbeitung über diesen Vers ist mir ein weiterer Aspekt wichtig geworden, der unmittelbar mit dem heutigen Tag – dem 9. November zu tun hat.

Antisemitismus als Konsequenz des Glaubens

Ich bin gering und verachtet, ich vergesse aber nicht deine Befehle. Dieser Satz stammt von einem Juden. Er könnte von jedem Juden stammen. Der Satz beschreibt den Preis der Erwählung durch Gott und der Liebe zu Gott. Jeder gläubige Jude hat sich diesen Satz zu eigen gemacht. Es ist sowohl ein persönliches Bekenntnis als auch das Bekenntnis aller Juden. Kurz und schlicht beschreibt der Satz auch das, was wir heute unter dem Begriff Antisemitismus verstehen. Bei wikipedia steht dazu:

„Als Antisemitismus werden heute alle Formen von Judenhass, pauschaler Judenfeindschaft, Judenfeindlichkeit oder Judenver-folgung bezeichnet. Der Ausdruck wurde 1879 von deutschsprachigen Antisemiten geprägt und entwickelte sich seit dem Holocaust zum Oberbegriff für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die Einzel-personen oder Gruppen aufgrund ihrer angenommenen oder realen Zugehörigkeit zu „den Juden“ negative Eigenschaften unterstellen. Damit werden Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung, Unter-drückung, Verfolgung, Vertreibung bis hin zur Vernichtung jüdischer Minderheiten (Völkermord) gefördert, vorbereitet und/oder gerecht-fertigt. Pauschale Judenfeindschaft hat eine rund 2500 Jahre alte Tradition, in der sich eine Vielzahl Bilder, Gerüchte, Klischees, Vorurteile, Ressentiments, Stereotype von „dem“ oder „den“ Juden bildeten, überlagern und durchdringen. Während die Anlässe, Motive, Begründungen und Zwecke der Judenfeindschaft je nach Zeitum-ständen und Trägergruppen wechselten, zeigen die dafür benutzten Bilder große Konstanz und Ähnlichkeiten.“

Hinter Geringschätzung und Verachtung steht nichts anderes als Hass, der in unterschiedlicher Weise und Intensität zum Ausdruck kommt. Verkürzt könnte man auch sagen: Wen Gott erwählt als Werkzeug für seinen Heilsplan, der wird von Gott auch dazu erwählt und befähigt, gehasst zu werden. Mit Vers 141 bekennt sich ein Jude zu diesem Hass. Der 9. November erinnert an die schreckliche Pogromnacht, die auch zur deutschen Geschichte gehört. Dieser Tag hat der Welt vor Augen geführt, was auch hinter Psalm 119, 141 steht – Verachtung derer, die Gott in seiner Liebe erwählt hat, um der Welt Heil und Leben zu bringen. Gottes Liebe trifft auf Hass.