You’ll never walk alone – Die Macht der Liebe 1. Kor 13,7

Am 19. April 1945 begann es. An dem Tag wurde das Musical Carousel im Majestic Theatre am Broadway in New York uraufgeführt. Das Musical brachte es auf 890 Vorstellungen. Erzählt wird die Geschichte eines Karussellarbeiters, der aus finanzieller Not einen Raubüberfall begeht. Er will für die Zukunft seiner Frau und ihres ungeborenen Kindes sorgen, doch er stirbt dabei. Und zurück bleibt eine junge Witwe, die ein Kind erwartet, das nie den Vater sehen wird. Wie tröstet und ermutigt man eine Frau in einer so schwierigen Situation? In Wahrheit geht es nicht um diese schwangere Frau, sondern um die Menschen, die das Musical sehen und hören. In dem Musical geht es also um Trost für verzweifelte, traurige Menschen. Wie kann diese Witwe getröstet werden? Wie tröstet man Menschen, die verzweifelt sind oder in einer Krise? Mit Liebe. Mit Liebe, die eine Botschaft sendet, ein Lied, das ihr kennt:

Wenn Du durch einen Sturm gehen musst – geh mit erhobenem Haupt und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit. Wenn der Sturm sich legt erwartet dich ein goldener Abendhimmel und der schöne, glockenhelle Gesang einer Lerche. Lauf weiter durch den Wind, lauf weiter durch den Regen, auch wenn deine Träume gebeutelt werden. Lauf weiter mit Hoffnung im Herzen und Du wirst Deinen Weg niemals alleine gehen müssen.

You‘ll never walk alone war 1945 die tröstende Liebesbotschaft an Menschen, die Trost und Kraft brauchten zum weiter leben. Wenn dir ein Mensch verspricht, Du wirst Deinen Weg niemals alleine gehen müssen, und wenn du weißt, dass das ernst gemeint ist, dann kannst du getrost und gestärkt sein in einer Liebe, die dich nie im Stich lässt. Liebe ist zu sagen: du wirst deinen Weg niemals allein gehen müssen. Die frohe Botschaft lautet: Weil du geliebt bist von Gott wirst du deinen Weg niemals alleine gehen müssen.

Im Brief an die Korinther beschreibt Paulus das Wesen der Agape Liebe anhand von 15 Eigenschaften. Die letzten vier Eigenschaften dieser Liebe sind so grandios, so schockierend, so unfassbar und herausfordernd, dass keine Predigt diesen Worten gerecht werden kann: Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Diese vier gewaltigen alles sind ein Echo der Liebe, die sich im Leiden und Sterben des Gekreuzigten Christus zeigt. Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. 1. Joh 3,16 Paulus sagt es so: Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, die wir tot waren in Sünden, hat er uns mit Christus lebendig gemacht. Eph 2,4ffWeil es für Jesus keine hoffnungslosen Fälle gibt, gibt es auch für Christen keine hoffnungslosen Fälle. Niemals gibt der Liebende den anderen auf. Alles erträgt der Liebende, alles glaubt, alles hofft, alles erduldet der Liebende. Liebe ist darum immer auch Leidensfähigkeit und Leidensbereitschaft oder sie ist keine Liebe. So eine Liebe ist gelebter Glaube. So eine Liebe ist wesentlich für ein christliches Menschenbild. Warum ist die Agape Liebe wesentlich für ein christliches Menschenbild? Weil jeder Mensch zugleich Sünder ist und von Gott geliebt ist und liebenswert ist, ist jeder Mensch wert geliebt zu werden und wert, Opfer für ihn zu bringen, damit die Gemeinschaft erhalten bleibt und wieder hergestellt wird. Das können Menschen, die sich von Jesu Liebe leiten und befehlen lassen: Werdet nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder. Und wandelt in der Liebe, gleichwie auch Christus uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, zu einem lieblichen Geruch für Gott. Eph 5.2

CS Lewis schreibt in seinem Buch Was man Liebe nennt: „Göttliche schenkende Liebe aber befähigt einen Menschen, die zu lieben, die natürlicherweise nicht liebenswert sind Aussätzige, Kriminelle, Feinde oder Idioten, die Mürrischen, Überheblichen und die Spötter.“ S.131

Jeder Mensch ist auch eine Liebesgeschichte, die noch geschrieben wird.

Mein Chef hat Verträge zu erfüllen. Dazu ist er verpflichtet. In den Gewächshäusern stehen jetzt weit mehr als 500.000 Weihnachtssterne. Die brauchen Wärme. Gas kann aber von heute auf morgen vom Versorger abgestellt werden. Was also machen? Wir haben noch einen alten Kohleofen. Davor liegen jetzt ca. 150 Tonnen Kohle. Das ist sehr viel Wärme. Stell dir vor, du hast so viel Kohle vor deinem Haus. Als Christ hast du genug Kohle zu lieben und frierende Menschen zu wärmen. Christen haben auch Verträge zu erfüllen.

Diese Agape Liebe hat Macht, Gott zu bezeugen. Darum ist das alles nötig. Diese Liebe hat Macht, Hoffnung zu stiften. Sie hat Macht, Ja zum Nächsten zu sagen, wenn alle anderen sich abwenden. Diese Liebe hat Macht, Menschen zu dienen und Gemeinschaft immer wieder neu zu stiften durch Vergebung, durch Gnade, Geduld, Hoffnung und Glaube. Die Agape Liebe hat Macht. Sie hat Macht zu ertragen, zu glauben, zu hoffen, zu erdulden. Denn Lieben bedeutet immer auch ermächtigen. Geliebt werden bedeutet ermächtigt werden. Ich habe diese ermächtigende Liebe nötig. Du hast diese ermächtigende Liebe nötig. Nichts anderes sagt diese Liebe als dies: Du bist es wert, so geliebt zu werden. Du bist es wert, alles zu ertragen, alles zu glauben, alles zu hoffen, alles zu dulden. Liebe bedeutet nicht, dass es immer einfach ist. Liebe bedeutet aber, dass es die Mühe wert ist. Weil du es wert bist, dass Christus für dich am Kreuz starb, bist du es wert, niemals im Stich gelassen zu werden, niemals aufgegeben zu werden. Darum bist du es wert, dass dir deine Schuld vergeben wird. Es gibt nur zwei Momente, in denen ich bei dir sein will. Jetzt und für immer. Liebe hält die Zeit an und lässt die Ewigkeit beginnen.

Amy Carmichael schreibt in ihrem Lebenswerk: „Wenn die Liebe unter uns zu schwinden droht, wenn es möglich wird, den leisesten Schatten eines lieblosen Wortes zu dulden, dann fängt unsere Gemeinschaft an zu sterben. Lieblosigkeit ist tödlich, sie ist gefährlicher als eine Kobra. Gerade so, wie ein winziger Tropfen des Kobragiftes sich schnell in dem ganzen Körper dessen verbreitet, dem es eingespritzt wurde, so genügt ein Tropfen galliger Lieblosigkeit in meinem oder deinem Herzen, dass er sich mit furchtbarer Macht in unserer ganzen Familie ausbreitet; denn wir sind ein Leib.“

Im Jahr 1959 war die Premiere des Theaterstücks Raisin in the sun (In der Sonne aufwachsen). Das Stück handelt von der afro-amerikanischen Familie Younger. Sie leben in beengten Verhältnissen im Süden Chicagos. Der Vater stirbt und die die Mutter Lena bekommt einen 10.000 Dollar Scheck von der Lebensversicherung ihres Mannes. Damit scheint sich das Leben der Familie doch noch verändern zu können. Lena hat ganz klare Vorstellungen, was mit dem Geld passieren soll. Sie möchte sich ein kleines Häuschen in New Jersey kaufen, mit einem kleinen Garten und Blumenkästen vor den Fenstern. Das war schon immer ihr Traum. Und Tochter Beneatha soll ihr Medizinstudium beenden können.

Doch auch der Sohn würde gern vom Geld etwas haben. Mit einem Bekannten will er einen Getränkeshop eröffnen. Und so drängt er seine Mutter, ihm und seinem Freund Geld zu geben. Zuerst wehrt sich die Mutter. Doch dann gibt sie nach. Wie kann sie ihrem Sohn diesen Wunsch ausschlagen. Er bekommt 6.500 Dollar. – Und das Unglück passiert. Sein Freund brennt mit dem Geld durch. 6.500 Dollar sind futsch. Tief enttäuscht, verzweifelt und erschüttert kommt der Sohn nach Hause. Er ist am Boden zerstört. Seine Schwester Beneatha kann es nicht fassen. Sie ist so wütend und außer sich vor Entrüstung: Wie kann man nur so blöd sein. Sie könnte ihren Bruder wegen seiner Riesendummheit in der Luft zerreißen. Das Geld der Familie ist verloren! Ihr Bruder ist so ein Idiot! So ein Schwachkopf. Nein, er ist nicht länger ihr Bruder!

Da sagt die Mutter zu ihr, „Ich dachte, ich hätte dir beigebracht wie wichtig es ist zu lieben?!“ „Lieben?“ empört sich die Schwester, „was gibt es da noch zu lieben. Da gibt es nichts mehr zu lieben.“ „Oh doch! Da gibt es sehr wohl noch etwas zu lieben!! Hast du heute schon für den Jungen geweint? Ich meine nicht um deiner willen und der Familie willen, weil er das Geld verloren hat. Ich meine für ihn und was er durchmacht. Gott helfe ihm! Kind, wann denkst du sollte jemand am meisten geliebt werden, wenn er es gut gemacht hat und für alle leicht gemacht hat? Oh Nein, nein, das ist überhaupt nicht die Zeit. Sondern wenn jemand am tiefsten Punkt ist und nicht mehr an sich selbst glauben kann, weil die Welt ihn geschlagen hat. Wenn du jemanden misst, Kind, dann messe ihn richtig, messe ihn richtig. Und achte darauf, dass du die Hügel und Täler berücksichtigst, durch die er ging – dorthin, wo er jetzt ist. Wenn jemand versagt hat, wenn jemand tief enttäuscht ist, wenn jemand gefallen ist – dann ist es wichtig, dass man liebt. Es bleibt immer ein Grund, jemanden zu lieben. Und wenn du das nicht gelernt hat, hast du nichts gelernt.”

Was könnte schöner sein, als so geliebt zu sein!? Trotz Versagen und trotz Schuld geliebt zu sein zeigt uns, wie sehr wir auf diese Trotzdem-Liebe angewiesen sind. Es ist eben alles andere als selbstverständlich, so geliebt zu werden. Wenn ich über Liebe spreche, dann spreche ich über unverdiente Liebe. Kind, wann denkst du sollte jemand am meisten geliebt werden, wenn er es gut gemacht hat und für alle leicht gemacht hat? Oh Nein, nein… Sondern wenn jemand am tiefsten Punkt ist und nicht mehr an sich selbst glauben kann.

Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Lauf weiter mit Hoffnung im Herzen und Du wirst Deinen Weg niemals alleine gehen müssen.

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Römer 8,38f

You’ll never walk alone.

Werbung

Liebe freut sich an der Wahrheit 1 Kor 13,6

Am 14. September 2012 erschien das 6. Album der Sängerin Pink. Es hat den Titel „The truth about love“ – die Wahrheit über Liebe. Das Album stieg in Australien, Österreich, Kanada, Deutschland, Neuseeland, Schweden und der Schweiz auf Platz eins. Im Jahr darauf tourte Pink durch Europa, Australien und Nordamerika. Es war die „Wahrheit über Liebe – Tournee.“ Das Thema Lied beginnt so:

Die Wahrheit über Liebe kommt 3 Uhr morgens, du wachst beschissen auf und nimmst dir einen Stift. Und du sagst dir, Ich werde das rausfinden, ich breche den Code, werde ihn aufgliedern. All die Fragen machen mich müde und jetzt ist es einfach ärgerlich, denn niemand hat die Antwort. Ich vermute, es liegt nun an mir, die Wahrheit über Liebe zu entdecken, wie sie kommt und geht.

Die Sängerin Pink ist nicht die erste, die sich über die Liebe Gedanken gemacht hat. Warum wollen Menschen die Liebe verstehen? Weil sie eine schmerzhafte Erfahrung gemacht haben? Wer hat noch nicht an der Liebe gezweifelt? Zur Wahrheit über die Liebe gehört auch die ganze Unwahrheit über die Liebe. Zur Wahrheit über die Liebe gehören die Lügen über die Liebe, die wir glauben. Zur Wahrheit über die Liebe gehört unsere Unsicherheit, was denn Liebe wirklich ist. Zur Wahrheit über die Liebe gehört auch, dass sie sehr oft fehlt, obwohl sie dringend nötig ist. Paulus hat auch einen Nr. 1 Hit über die Liebe geschrieben. 1. Korinther 13 ist alt und wird doch nie veralten. Dort steht in Vers 6 eine weitere bedeutende Wahrheit über die Liebe:

sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; Vers 6

Was genau meint er damit?

Der Liebende freut sich nicht über all das, was man Ungerechtigkeit und Unrecht nennt. Damit ist alles gemeint, was das Miteinander von Menschen bedroht und was Gemeinschaft belastet. Was Distanz zwischen Menschen schafft, was andere verletzt und beschämt, was böse und sündig ist, was gegen den Willen Gottes ist – alles das kann den Liebenden nicht froh machen. Es macht ihn traurig. Die Ungerechtigkeit provoziert die Liebe zum Handeln, wie es ab Vers 4 immer wieder beschrieben wird. Bei jedem Merkmal der Liebe geht es auch um ein Unrecht, um Böses – im anderen, in mir, in Gott -, das nach Liebe ruft, damit man bei einander bleibt. Diese Liebe ist die Kraft, am anderen festzuhalten trotz des Bösen, trotz des Unrechts und der Ungerechtigkeit. Die Wahrheit hilft dabei. Die Wahrheit über die Liebe und über Menschen hilft Liebenden, Beziehungen zu leben und zu erhalten.

Auf schockierend schöne Weise zeigt das Gleichnis vom verlorenen Sohn diese Liebe. Diese Liebe seines Vaters, der sich von Herzen freut über den heimgekehrten Sohn. Sein Sohn kriegt die Liebe seines Vaters nicht klein.

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Lukas 15

So dreist und lieblos, so unverschämt und respektlos der Sohn war, der Vater liebt ihn trotzdem. So geliebt bist du. Du kannst immer umkehren. Gott hört nicht auf dich zu lieben. Gott hält am Ja zu dir fest, auch wenn du es dir nicht vorstellen kannst. Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! 1. Joh 3,1 Diese Liebe ist erstaunlich! Liebe ist zum Staunen da. Ich behaupte: das ist eine frohmachende Wahrheit. …sie freut sich aber an der Wahrheit. Der Liebende freut sich über diese Liebe dieses Vaters. Der Liebende freut sich an der Wahrheit: verlorene Söhne und Töchter erfahren Liebe.

Die Sängerin Pink sagt dann Lied in ihrem Lied, „Ich dachte es wäre perfekt, du bist die Person meiner Träume, ich war noch nie, nie, nie, nie so glücklich. Aber jetzt hat sich etwas geändert. Und die Wahrheit über Liebe ist, es ist alles eine Lüge. Ich dachte du wärst der eine und ich hasse es, Abschied zu nehmen.“

Ja, deine Liebe erweist sich erst als Liebe, wenn sie sich bewährt, wo du lieber Abschied nehmen würdest von einem Menschen. Liebe bewährt sich als Liebe wo nicht mehr ein Hauch schöner Gefühle im Spiel ist. Liebe muss sich bewähren im Leben, nur dann ist Liebe echt. Wahr ist das, was echt und verlässlich ist, worauf man sich verlassen kann. Wer sich auf Liebe verlassen kann, kann sich freuen. Denn Liebe bewährt sich in der Treue, wo Treue nicht selbstverständlich ist.

Ein sehr bekanntes Beispiel für diese Liebe, die den anderen nicht aufgibt sind zwei Herren. Stan Laurel und Oliver Hardy. Sie sind auch bekannt unter dem Namen Dick und Doof. Die beiden sind echte Freunde und echte Liebende. Ihr Miteinander ist ein Kaleidoskop an Krisen, Fehlern, Gemeinheiten, Rache und Bosheit. Sie hätte tausend Gründe getrennte Wege zu gehen. Aber sie trennen sich nicht. Egal, wie gemein und böse sie zueinander sind, sie bleiben Freunde. Nichts kann ihre Freundschaft zerstören. Wo es tausend Gründe gibt, sich zu trennen, findet die Liebe tausend Gründe, beim Geliebten zu bleiben. In allem, was sie miteinander erleben, sind sie nie nachtragend, sondern gehen versöhnt ihren Weg weiter als sei nichts gewesen. Ist das nicht wundervoll und erstaunlich? Diese beiden liebenswerten Tollpatsche sind für mich Vorbilder der Liebe Gottes, von der Paulus sagt: sie freut sich aber an der Wahrheit. Trennung ist für Stan und Ollie undenkbar. Ich glaube: Auch deshalb sind sie so beliebt. Diese unveränderliche Liebe wünschen sich alle Menschen, brauchen alle Menschen. Bei Gott selbst finden Menschen diese Liebe.

Shakespeare hat es so gesagt: „Die Liebe ist nicht Liebe, die sich ändert, wenn sie Veränderung vorfindet.“

Liebe trägt den Keim der Ewigkeit in sich. Diese Liebe, die am anderen festhält, zeigt Ruth ihrer Schwiegermutter Noemi.

Aber Ruth antwortete: Dringe nicht in mich, dass ich dich verlassen und mich von dir abwenden soll! Denn wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da will ich auch bleiben; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott! Wo du stirbst, da sterbe auch ich, und dort will ich begraben werden; der Herr tue mir dies und das und noch mehr, wenn nicht der Tod allein uns scheiden soll! Als sie nun sah, dass sie sich fest vorgenommen hatte, mit ihr zu gehen, ließ sie davon ab, ihr zuzureden. Ruth 1,16-18

Ob es nun Worte und gute Gedanken sind wie die von Noemi oder Gemeinheiten und verletzendes Verhalten, das den anderen wegschickt und auf Distanz gehen lässt – der Liebende bleibt und sagt: Dringe nicht in mich, dass ich dich verlassen und mich von dir abwenden soll. Das ist treue Liebe, die am anderen festhält. Das ist die Liebe, mit der Gott sein Volk Israel liebt, das ihn tausendmal enttäuscht und verleugnet hat. Und trotzdem liebt er sein Volk. Trotzdem bleibt Gott sich in seinem Ja zu seinem Volk treu:

Der HERR ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Jer 31,3

Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater. Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Joh 13,1 Liebe ist Liebe, die bis ans Ende liebt.

„A true lovestory never ends.” Eine echte Liebesgeschichte endet nie. Auch dies gehört zur Wahrheit über die Liebe: „Jemanden zu lieben ist das Mutigste, was man tun kann.“

D. Bonhoeffer: „Die Liebe trägt nicht nach. Sie tritt dem anderen jeden Tag neu und mit neuer Liebe gegenüber und vergisst, was dahintenliegt – sie macht sie damit zum Spott der Menschen, zum Narren – und sie wird auch dadurch nicht irr – sondern sie fährt fort zu lieben. Ist sie denn gleichgültig gegen Recht und Unrecht? Nein, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit. Sie will die Dinge sehen, wie sie sind. Sie will lieber Hass und Unrecht und Lüge klar sehen als allerlei Masken der Liebenswürdigkeit, die doch wieder den Hass nur noch verbirgt und noch hässlicher macht. schaffen und sehen, sie freut sich der Wahrheit – denn nur in der Wahrheit kann sie aufs Neue lieben.“

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 1. Joh 1,7

Eine Lehrerin schreibt: Zweitklässler erzählen mir von den Ferien. Ich: „…und in den Sommerferien war ich nicht im Urlaub.“ Fünf Kinder, total erleichtert: „Ich war auch nicht im Urlaub, ich hab das nur so gesagt…“ Wir können wie diese Kinder lernen, ehrlich zu sein. Wir müssen es lernen. Im Licht leben heißt in der Wahrheit zu leben. In der Wahrheit leben stiftet Gemeinschaft. Mit den Wörtern wahr und Wahrheit bezeichnen wir in der Regel die Übereinstimmung zwischen einer Aussage und dem entsprechenden Sachverhalt. Nach hebräischer Auffassung ist Wahrheit jedoch eine Eigenschaft, die eine Sache oder Person oder ein Wort selbst hat oder nicht hat. »Wahr« ist etwas, wenn es hält, was es verspricht. »Wahrheit« meint Zuverlässigkeit, also: Beständigkeit und Treue (so wie wir von einem »wahren Freund« oder einem »wahren Wort« sprechen). Diese Art von »Wahrheit« kommt vor allem Gott zu. Entsprechend ist auch die Botschaft von Gott wahr, sofern darin die Liebe Gottes bekannt gemacht wird, die uns aus Schuld und Tod rettet.

Zur froh machenden Wahrheit gehört: Gott liebt dich. Du bist ein Sünder. Dich zu lieben ist nicht leicht. Deine Schuld ist vergeben. Du bist wertvoll. Du bist wichtig. Gott kennt dich. Du musst dich nicht schämen. Was du getan hast definiert dich nicht. Was andere über dich sagen oder denken definiert dich nicht. Was Gott über dich sagt definiert dich. Du bist es wert, alles zu ertragen, zu glauben, zu hoffen, zu dulden. Du lernst Liebe und Gott nicht über Erfolge kenne, sondern über Scheitern und Versagen. Liebe kannst du nicht verdienen. Liebe ist Geschenk.

So ist 1. Kor 13,6 sowohl eine Zusammenfassung der bisher genannten Eigenschaften der Liebe (Vers 3-5) und eine Begründung für Vers 7:  sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Die Liebe rechnet das Böse nicht zu 1. Kor 13,5

Der Lehrer fragt, „Was ist 14 x 13 + 30?“ Fritzchen antwortet: „Eine schwierige Matheaufgabe.“

Damit hat er Recht. Es gibt schwierige Matheaufgaben. Schwierig bedeutet aber nicht unmöglich. Nun wird dies keine Nachhilfe in Mathematik, sondern eine Predigt über die Liebe. Diese Liebe rechnet das Böse nicht zu. Wie bei Mathematik geht es auch bei der Liebe ums Rechnen. Genauer gesagt geht es bei der Liebe um Rechenwege, die nicht immer einfach sind. Halten wir das gleich mal fest: Wer liebt, kennt Rechenwege, die jedes Minus in der Bilanz deiner Beziehungen auflöst. Im Gleichnis vom sog. Schalksknecht sagt der König zu seinem Knecht: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? Matth 18

Es geht bei der Liebe um das Denken. Wer richtig denkt, wird das Böse nicht zurechnen. Mit anderen Worten: wer liebend denkt, wird dem anderen seine Schuld vergeben. „Ältere Freundschaften haben vor neuen hauptsächlich das voraus, dass man sich schon viel verziehen hat.“ (J. Wolfgang von Goethe) Martin Luther King sagt: “Wer unfähig ist, zu vergeben, der ist auch unfähig, zu lieben.”

In der Hfa Bibel steht, die Liebe ist nicht nachtragend. Wie mache ich das, nicht nachtragend zu sein? Weil der Liebende mit Schuld fertig werden muss und will, wählt er die Vergebung: er rechnet das Böse nicht zu. Hier gebraucht Paulus einen Begriff aus der Buchführung. Das Wort beschreibt einen Buchhalter, der jedes Geschäft sorgfältig in seinen Büchern notiert. Wir stehen alle in der Gefahr so buchhalterisch mit den Fehlern anderer umzugehen. Liebe wählt die Vergebung. Vergebung hat eine Voraussetzung: vergeben zu wollen. Wer liebt, will vergeben. Liebe befähigt zu einem befreienden Umgang mit Schuld. Darin erweist Liebe sich als wahre Stärke. Petrus schreibt: Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der Sünden Menge« (Spr 10,12). 1.Petr 4,8 Der Liebende nimmt Sünde ernst, nennt sie beim Namen und schafft sie weg.

Wer liebt kann Schritte auf den zugehen, der ihm weh tat, sie kann ihm offen begegnen, ihm vergeben und sich wieder versöhnen. Wir leben in der Familie, unter den Arbeitskollegen und in der Gemeinde davon, dass wir immer wieder neu miteinander anfangen. Wir leben davon, einander zu vergeben. Lassen wir Aussöhnung nicht so lange anstehen! Denn, versäumst du den Funken zu löschen, wirst du der Flamme nicht Herr. Paulus rät: Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. (Eph 4,26f) Wir wollen nicht gegeneinander kämpfen, sondern miteinander gegen den kämpfen, der Menschenleben zerstört. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12,21).

die Liebe ist nicht nachtragend. Das ist eine Wahrheit, die wir alle vielfältig erlebt haben. Uns ist aus Liebe vergeben worden. Wir haben anderen aus Liebe vergeben. Und das meiste habe ich Gott sei Dank schon vergessen. Und über allem steht die große Wahrheit: Aus Liebe hat Gott mir meine unermesslich große Schuld nicht zugerechnet. In Psalm 130 steht: Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen? Gott hat meine Schuld Jesus zugerechnet. Der Theologe Karl Barth hat es sehr treffend so formuliert: „In der Liebe handelt der Mensch als einer, der er als Mensch gar nicht ist, weil er es als einer tut, der von der Macht der göttlichen Agape ergriffen worden ist, die sich im Kreuze Christi geoffenbart hat.“

Die Liebe rechnet das Böse nicht zu. Nur sechs Wörter. Mehr sind nicht nötig. Es braucht nur drei Sekunden, diese Wahrheit zu sagen. Es braucht ein ganzes Leben, sie immer wieder neu zu buchstabieren. Es braucht Geschichten aus dem Leben, diese Wahrheit anschaulich zu machen. Es braucht ein ganzes Leben, die Liebe so zu leben. Jemand hat diese Wahrheit mal so formuliert:

Schon krass, wie oft wir jemandem vergeben, nur weil wir ihn nicht verlieren wollen.“

Das stimmt. Wenn ich einen Menschen nicht verlieren will, weil er mir wichtig ist, dann vergebe ich Schuld. Dann rechne ich dir deine Schuld nicht zu.

Wenn Paulus schreibt, Sie rechnet das Böse nicht zu, dann sagt er etwas Wesentliches über die Liebe. Aber es geht um mehr. Es geht nicht nur ums Rechnen, nicht nur um meinen Umgang mit Bösem. Ja, es geht um Vergebung und um den Umgang mit Bösem. Es geht aber immer auch um einen Menschen und um eine Beziehung, die es wert ist, repariert zu werden. Daran erinnert mich der Gekreuzigte Christus. Er starb aus Liebe zu mir. Er starb aus Liebe zu dir. Weil du es wert bist. Weil die Beziehung zum Vater im Himmel es wert ist. Der Liebende sagt: Du bist es wert. Du bist wichtig. Du bleibst geliebt, auch wenn du versagt hast. Jemand hat es so ausgedrückt: „Ich liebe dich so sehr, dass es manchmal weh tut.“ Das könnte von Gott stammen.

An anderer Stelle sagt Paulus es so: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Röm 8,38f

Seit dem Sündenfall verfolgt Gott ein zentrales Anliegen: Er will wiederherstellen. Er will Trennung überwinden. Gott will das Böse aus der Welt schaffen. Wir sind es Gott wert. Jeden Tag sagt Gott mir: Ich liebe dich so sehr, dass es manchmal weh tut.

Weil die Liebe das Böse nicht zurechnet, werden wir hier gefragt: Wie siehst du den anderen Menschen? Man sollte auch fragen: Wie sieht Gott den anderen Menschen und dich? Die Liebe beantwortet diese Frage: Als sehr wertvoll. Du bist geliebt! Du bist es wert, dass ich dir das Böse nicht anrechne. Du bist es wert, dass ich dir vergebe. Du bist es wert, dass es mir manchmal weh tut.

Die Sängerin Namika sang 2015 das Lied „Hallo, Lieblingsmensch! Ein Riesenkompliment dafür, dass du mich so gut kennst. Bei dir kann ich ich sein.“ Vor Kurzem war sie auf dem roten Sofa im NDR. Sie hat viel über Liebe nachgedacht und sagte einen Satz, den ich mir notiert habe: „Wahre Liebe bedeutet, wenn man sein Gegenüber als ein Teil von sich selbst sieht und dementsprechend nur das Beste für die Person möchte wie für sich selbst.“

Lieben lernen soll auf meiner Agenda ganz oben stehen. Zu verstehen, was Liebe ist, soll mir wichtig sein. Viele Menschen verstehen Liebe nicht. Auch wenn wir viel über Liebe reden, singen, in Filmen sehen und in Büchern lesen, sind wir Liebes-Analphabeten. Wir sind Liebes-Legastheniker.

Das Böse ist wie eine Zecke, die sich festsaugen will. Und wenn wir nichts unternehmen, saugt sie uns aus. Es ist gut, die Zecken regelmäßig und rechtzeitig zu entfernen. Das ist nicht schön. Das ist manchmal schwierig. Liebe tut es einfach.

Vergebung ist ein dreifaches Versprechen:

  1. Ich verpflichte mich, nicht mehr an seine Sünde zu denken.
  2. Ich verpflichte mich, sie nicht mehr gegen ihn zu verwenden.
  3. Ich verpflichte mich, sie nicht vor anderen zu erwähnen.

Übrigens: 14 x 13 + 30 sind 212.

Die Liebe lässt sich nicht erbittern 1. Kor 13,5

Eine Mutter erzählt: „Ich rede meinem Jüngsten ins Gewissen, der just mit einem älteren Nachbarsmädchen bei Klingelstreichen erwischt wurde: „Lass Dich nicht von Lena dazu anstacheln!“ Freudestrahlende Antwort: „Aber ich hab‘ doch Lena angestachelt, Mama!“

Darum geht es heute. Ums Gewissen. Ums Anstacheln. Und um die Wahl zwischen richtig und falsch, zwischen Liebe und Erbitterung. Die Liebe lässt sich nicht erbittern steht in 1. Kor 13. sie lässt sich nicht zum Zorn reizen (EÜ, GN); sie lässt sich nicht reizen (Hfa) sie verliert nicht die Beherrschung NGÜ Eine englische Bibel gibt dies so wieder: Die Liebe ist nicht leicht zu provozieren.

Angestachelt oder provoziert werden kennt jeder. „Na los! Vergiss dich. Zeig deine böse Seite. Zeig, wie du wirklich bist!“ Bei Provokationen geht es meistens um schlechte Entscheidungen. Im Wörterbuch steht:

Provozieren bedeutet herausfordern, reizen, zu einer (unbedachten) Handlung veranlassen, entlehnt aus lat. prōvocāre ‘hervor-, herausrufen, auffordern, reizen’ (vgl. vocāre ‘rufen’). Provokation für Herausforderung (Mitte 16. Jh.), vgl. prōvocātōrius ‘zur Herausforderung gehörig, hervorlockend’.

Provokation ist ein „absichtlich herbeigeführter überraschender Normbruch, der den anderen in einen offenen Konflikt hineinziehen und zu einer Reaktion veranlassen soll, die ihn, zumal in den Augen Dritter moralisch diskreditiert und entlarvt.“ (Rainer Paris)

Also: Andere provozieren dich, locken eine Reaktion hervor. Jeden Tag. Und Jesus sagt, „Lass dich nicht von anderen zum Bösen anstacheln.Jesus sagt:Provokationen rufen die Liebe in dir hervor.Die Liebe ist nicht leicht zu provozieren – zum Bösen. Hier ist ein krasses Beispiel dieser Liebe, die sich nicht erbittern lässt:

Zuletzt aber sandte er seinen Sohn. Diese wenigen Wörter beschreiben die Liebe Gottes, von der Paulus sagt: sie lässt sich nicht erbittern. Eine schockierend andere Liebe. Eva Zeller formuliert es in ihrem beeindruckenden Gedicht über 1. Korinther 13 so: Die Behauptung / sie ließe sich nicht erbittern / hat sie im Selbstversuch eindrücklich bestätigt. / Sie ballt nicht die Faust / Sie steigt nicht herab / Sie hilft sich nicht selbst / Sie dient als Kugelfang.

Zuletzt aber sandte er seinen Sohn. Er ballte nicht die Faust. Er stieg nicht herab. Er half sich nicht selbst. Er diente als Kugelfang. Weil er liebte. Weil er aus Liebe nicht aufgab, die Hand zu reichen. Wer so liebt, gibt den geliebten Menschen nicht auf. Auch wenn es ihn das eigene Leben kostet. Gott sagt: „Du darfst mich anstacheln, du darfst mich provozieren, du kannst mir ins Gesicht spucken und mich blutig ans Kreuz schlagen: Ich höre nicht auf, dir eine Hand zu reichen.“

Zinzendorf hat das gemeint: Legt es unter euch, ihr Glieder auf so treues Lieben an, dass ein jeder für die Brüder auch das Leben lassen kann. So hat uns der Freund geliebet, so vergoss Er dort sein Blut, denkt doch, wie es Ihn betrübet, wenn ihr euch selbst Eintrag tut.“

Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. Als nun die Zeit der Früchte herbeikam, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, damit sie seine Früchte empfingen. Da nahmen die Weingärtner seine Knechte: Den einen schlugen sie, den zweiten töteten sie, den dritten steinigten sie. Matth 21,34ff

Wie würde diese Liebe in unserem Leben aussehen, wenn andere uns provozieren? Jemand hat es mal so formuliert: Liebe ist auch da zu sein, wenn der andere unerträglich ist. Immer geht es der Agape Liebe um die Art der Reaktion auf den anderen.

Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen …Jeder Mensch hat eine Wahl, wenn er provoziert wird. Der Liebende wählt anders. Er muss nicht den eigenen Gefühlen folgen. Er wählt Liebe. Wer so liebt ist fähig und gewillt, an einer Beziehung festzuhalten und einen Menschen nicht aufzugeben. Bewusst und unbewusst provozieren uns Menschen genau dazu, uns von ihnen abzuwenden, sie aufzugeben.

Spätestens in der Pubertät wird die Liebe der Eltern auf besondere Art Provokationen ausgesetzt. Die Pubertät setzt dann ein, wenn die Eltern schwierig werden. Michael Marie Jung (*1940)

Pubertät ist… Wenn du deinem Sohn das Geschenk machst, wegen dir zu wüten – und du bleibst da. Harald Berenfänger (*1966)

Abermals sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten mit ihnen dasselbe. Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Matth 21,37ff

Das ist die Liebe, die sich nicht erbittern, nicht reizen, nicht leicht provozieren lässt… Agape Liebe hindert mich daran, das Visier herunterzuklappen. Aus Liebe ziehe ich mich nicht in die eigene Burg zurück. Ich zieh die Zugbrücke nicht hoch. So ist die Agape Liebe eine Kraft gegen das Böse und gegen die Verhärtung des eigenen Herzens, gegen Erbitterung. Es stimmt, Beziehungen für immer kann es nur geben, wenn man in der Zeit der Wegwerfgesellschaft, den Mut zum Reparieren hat.

Diese Liebe zeigt sich darum auch und besonders in der Selbstbeherrschung und in der Leidensbereitschaft. Liebe gibt es nur mit der Bereitschaft zum Leiden, zum Mitleiden und zum Aushalten von Schmerz. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner leiden. Phil 3,10 Die Liebe selbst ist eine Erfahrung größerer Verwundbarkeit. „Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben.“ Sigmund Freud

Lieben heißt verletzlich sein. Liebe irgendetwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen oder gar das Herz brechen. Wenn Du ganz sicher sein willst, dass deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal an ein Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen. Meide alle Verwicklungen. Verschließe es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein – sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. Es bricht nicht. Es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Die Alternative zum Leiden, oder wenigstens zum Wagnis des Leidens, ist die Verdammung. Es gibt nur einen Ort außer dem Himmel, wo wir vor allen Gefahren und Wirrungen der Liebe vollkommen sicher sind. Die Hölle.“ C.S. Lewis

Die Agape Liebe, die sich nicht erbittern lässt, wählt Vergebung. Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn »Liebe deckt der Sünden Menge zu« (Spr 10,12). 1. Petr 4,8 Die Liebe ist die Kraft, die sich der Sünde und dem Schmerz der Sünde stellt. Sie wählt den Weg der Vergebung, weil nur auf diesem Weg, Sünden zugedeckt werden können. Und nur zugedeckte Sünden sind entmachtete Sünden. Und nur entmachtete Sünden ermöglichen Versöhnung. Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe; denn »Liebe deckt der Sünden Menge zu« (Spr 10,12) Nur durch Vergebung kann die Agape Liebe lieben. Und so zu lieben bedeutet segnend zu leben: Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 1. Petr 3,9 Diese Liebe hält am Ja zum anderen fest. Wer so liebt, reagiert anders auf Provokationen. Wer so liebt nimmt sich selbst aus Liebe zum anderen zurück, damit es ein wir geben kann. Wer so liebt, sagt sich immer wieder: „Du bist es wert, mir weh zu tun. Du bist es wert, Schmerz zu ertragen. Du bist es wert, dass ich als Idiot dastehe.“

Je wichtiger ich mich und meine Wünsche und Gefühle nehme, desto schwerer wird es so zu lieben.

Je wichtiger ich Jesus und und seinen Willen nehme, desto leichter wird es so zu lieben.

Die Liebe sucht nicht das ihre 1. Kor 13,5

Im Herbst letzten Jahres ging eine gute Nachricht um die Welt. Die australische Polizei fand nach 18 Tagen Suche eine vermisste Vierjährige in einem verschlossenen Haus. »Cleo lebt, und es geht ihr gut«. Mit dieser Meldung sorgte die Polizei im australischen Bundesstaat Westaustralien am 3. Nov 2021 für Erleichterung bei unzähligen Menschen im Land. 18 Tage lang galt die vierjährige Cleo Smith als vermisst. Als sie zuletzt gesehen wurde, war sie im Campingurlaub mit ihrer Mutter, deren Partner und ihrer Schwester. Die Familie hatte auf einem Campingplatz an der Westküste Australiens ihr Zelt aufgebaut. Es bestand aus zwei getrennten Kabinen. In einer davon schliefen die Erwachsenen, in der anderen Cleo und ihre jüngere Schwester. Daraus war Cleo am 16. Oktober 2021 verschwunden, irgendwann zwischen 1.30 Uhr nachts und 6 Uhr morgens. Der Fall sorgte in Australien für riesiges Aufsehen. Die Mutter und ihr Partner wandten sich mit bewegenden Appellen an die Öffentlichkeit. Die Polizei und zahlreiche Helfer suchten fieberhaft nach der Kleinen, an Land, im Meer und aus der Luft. Es galt als sicher, dass sie das Zelt nicht auf eigene Faust verlassen hat. Für Eltern sind 18 Tage eine Ewigkeit. Gefunden wurde Cleo in einem Haus in der Kleinstadt Carnarvon, rund 70 Kilometer von dem Campingplatz entfernt, auf dem Cleo verschwand.

Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lk 19,10

In Indien war Saroo Brierley als 5-Jähriger in einen Zug eingestiegen und erwachte 14 Stunden später in der ihm fremden Stadt Kalkutta. Dort hatte er sich zunächst wochenlang mit Bettelei über Wasser gehalten, bis er in ein Waisenhaus kam. Weil er weder den Namen der Stadt wusste, aus der er stammte, noch einen Familiennamen nennen konnte, wurde Saroo zur Adoption freigegeben. Das Ehepaar, das ihn adoptierte, lebte in Tasmanien, wohin sie ihn mitnahmen. Saroo fing als Erwachsener an, mithilfe von Google Earth nach seiner früheren Heimat zu suchen. Er suchte die Aufnahmen von ganz Indien nach Anhaltspunkten ab und berechnete schließlich, wie weit er in jener Nacht wohl gefahren sein könnte. Schließlich zog er einen entsprechend weiten Kreis um Kalkutta und kam nach Monaten der Suche so zu dem Ort Khandwa in Zentralindien. Saroo zoomte in die Karte hinein und erkannte vieles wieder, darunter auch einen Springbrunnen, an dem er als Kind gespielt hatte. Nachdem er im Jahr 2012 seine Familie in Indien wiedergefunden hatte, veröffentlichte Brierley 2014 den Roman A Long Way Home, in dem er seine Lebensgeschichte niederschrieb. Das Buch erschien unter dem Titel „Mein langer Weg nach Hause“ auch in deutscher Sprache.

Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lk 19,10

Es gibt bewegende Geschichten von Verlorenen, die gesucht und gefunden wurden. Menschen verwenden viel Kraft, Zeit und Geld für die Suche nach einem Menschen. Gott noch viel mehr. Er hat für die Suche seinen eigenen Sohn geopfert. Gott ist der aus Liebe Suchende. Darum sollen seine Kinder auch aus Liebe Suchende sein. Das Suchen Verlorener hat immer auch mit Liebe zu tun. Liebe sucht nicht das ihre, steht in 1. Kor 13,5. Diese Liebe, die nicht das ihre sucht, verkörpert Jesus. Er ist bis heute der aus Liebe Suchende. Jesus sucht Verlorene. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas berichtet (Lk 19) davon, wie Jesus dem Zöllner Zachäus begegnet. Niemand hatte damit gerechnet, dass Jesus ausgerechnet diesen Mann mit einem Besuch ehrt. Dass Jesus bei einem verachteten Sünder Gast ist, verärgerte und empörte die Menschen. Zöllner waren damals die Sünder schlechthin, verachtet und verhasst. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.  In der Hfa Bibel steht hier: Als die Leute das sahen, empörten sie sich über Jesus: »Wie kann er das nur tun? Er lädt sich bei einem Gauner und Betrüger ein!« Ja, bei einem Sünder ist Jesus eingekehrt, bei einem Gauner und Betrüger, bei einem verachteten Menschen. Das tat Jesus, weil Er auch diesen Menschen liebte, mit einer Liebe, die nicht das ihre sucht. Bei einem verhassten Menschen „musste Jesus einkehren“.

Jesus liebt den, der von den wenigsten geliebt wird. Daran soll auch heute seine Gemeinde erkannt werden.

Und Jesus nimmt es aus Liebe auf sich, „Freund der Zöllner und Sünder“ genannt zu werden: Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken. (Matth 11,19). Jesus liebt den, der gar nicht liebenswert ist!!! Es geht dem Liebenden eben nicht darum „Was habe ich davon? Habe ich einen Vorteil davon?“ Liebe sucht nicht das Ihre wird hier auf beeindruckende Weise sichtbar. Die Hfa Bibel übersetzt hier: sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Auch wenn es vielen Menschen schwerfällt, in Wahrheit haben sie mit Zachäus mehr gemeinsam als sie ahnen oder gemeinsam haben möchten. Und doch ist dieser Sünder, dieser Gauner und Betrüger einer von uns.

Ich bin wie Zachäus ein Sünder. Du bist wie Zachäus ein Sünder.

Ich bin wie Zachäus ein Verlorener. Du bist wie Zachäus ein Verlorener.

Ich bin wie Zachäus von Gott geliebt. Du bist wie Zachäus von Gott geliebt.

Wie Zachäus hat Jesus mich gesucht und gefunden, um mich selig zu machen. Wie Zachäus hat Jesus dich gesucht und gefunden, um dich selig zu machen.

Wie bei Zachäus hat Jesus einmal gesagt: „Volkmar, ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Wie bei Zachäus hat Jesus einmal gesagt: „Berthild, Elke, Reiner etc., ich muss heute in deinem Haus einkehren.“

Und wie Zachäus verdanke ich / verdankst du alles der Liebe Gottes von der es heißt: Die Liebe sucht nicht das ihre.

Es ist unmöglich, Gott als Gott zu lieben, wenn wir ihn nicht lieben über alles. Denn eine Liebe zu Gott, die weniger ist, ist keine Liebe zu Gott. Und wiederum, es ist unmöglich, unseren Nächsten als Nächsten zu lieben, wenn wir ihn nicht wenigstens so lieb haben wie uns selbst, denn an der Liebe zu unserem Nächsten, die weniger ist, ist nicht Liebe zu unserem Nächsten. Selbstbefriedigung wird dann der Zweck, Selbsterhebung unser tägliches Werk und Selbstverherrlichung das putzige Ideal, dem wir mit fieberhaftem Verlangen nachjagen.“ Prof Dr. A. J. Th. Jonker (Das Kapitel von der Liebe)

Suchen beschreibt die Ausrichtung meines Lebens. Was ich suche hat viel damit zu tun, wer ich bin. Wer bin ich? Ich bin ein von Gott Geliebter, mehr als ich jemals verstehen werde. Ich bin geliebt. Und ich bin zum Lieben berufen und befreit. Wer bin ich? Ich bin ein Mensch, der frei werden soll vom Kreisen um sich selbst. Ich bin als Christ zum Dienen berufen, nicht zum bedient werden.

Putin fragte einen Wahrsager: „Wann werde ich sterben?“ Der sagt: „An einem ukrainischen Feiertag.“ Darauf Putin: „An welchem…??“ – „Jeder Tag an dem Sie sterben ist ein ukrainischer Feiertag.“ Das wird ein „Feiertag“ sein, wenn Putin sagt: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. Galater 2,20 Das ist ein „Feiertag“, wenn ein Mensch sagt: Ich bin mit Christus gekreuzigt…

Die Liebe sucht nicht das Ihre. Wer liebt, sucht! Wer liebt sucht den anderen. Wer liebt sucht die Vergebung. Wer liebt sucht die Brücke. Wer liebt sucht das Miteinander. Wer liebt sucht das erneuerte Vertrauen. Wer liebt sucht die Ehre Gottes. Wer liebt sucht den Willen Gottes. Wer liebt sucht „Feiertage“. Denn die Liebe sucht das, was dem anderen dient und hilft. Die Liebe sucht Gelegenheiten, anderen im Namen Jesu zu dienen. Sie sucht konsequent die Ehre Gottes, auch wenn es mir Nachteile bringt. Im Blick auf den Zöllner Zachäus war es die Tischgemeinschaft mit einem Sünder, die Jesus aus Liebe gesucht hat. Diese Liebe, die nicht das ihre sucht, meint Paulus im Brief an die Philipper: Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht. Phil 2,4f

„Mein langer Weg nach Hause“ – so lautet die Geschichte meines Lebens. Begleiter, Tröster, Pfadfinder und Kraftquelle auf diesem langen Weg ist die Liebe Gottes, die nicht das ihre sucht. Mit dieser Liebe begann mein langer Weg nach Hause. Mit ihr ist mein Weg nach Hause gepflastert. Diese Liebe befähigt mich, diesen Weg zu gehen. Als Kind und Diener Gottes. Dieser Liebe verdanke ich alles. Die Liebe, die nicht den eigenen Vorteil sucht.

Die Liebe verhält sich nicht ungehörig 1 Kor 13,5

Eine Frau berichtet: „Beim Abholen der Tochter aus dem Garten der Kita stellte sich mir eine mir unbekannte Frau in den Weg und fragte barsch: „Die Mutter von?“  Liebe Leute, so stellt man sich als neue Pädagogin bei Eltern vor. Damit ihr das auch wisst. (Twitter) Die beiden hatten keinen optimalen Start.

„Die Liebe enthält sich alles dessen, was den sittlichen Anstand verletzen könnte,“ schreibt Prof. Dr. Jonker in seinem Kommentar über 1. Kor 13,5. Die Liebe verhält sich nicht ungehörig steht in der Rev. Lutherbibel. Andere übersetzen dies Wort so: Die Liebe verhält sich nicht taktlos. NGÜ …tut nichts Unschickliches ZÜ …ist nicht rücksichtslos Menge … verletzt nicht den Takt Br. … verhält sich nicht anstößig. NLB sie benimmt sich nicht unanständig (RevElb); ist nicht unanständig (Schlachter); verletzt nicht den Anstand (Hoffnung)

Die vielen unterschiedlichen Übersetzungen zeigen: es ist nicht einfach, diesen Begriff passend zu übersetzen. Das Verb kommt nur drei Mal im NT vor. In 1. Kor 13,5 beschreibt das Wort ein wichtiges Merkmal der Agape Liebe Gottes. Diese Liebe kennt Anstand, Takt und Respekt. Diese Liebe zeigt sich in dem, was sich gehört. Denn diese Liebe will Gemeinschaft und stiftet Gemeinschaft. Ohne Anstand, Takt und Respekt gibt es keine Gemeinschaft, keine guten Beziehungen. Die Agape Liebe will Brücken bauen und Brücken reparieren. Sie will ein Miteinander und vermeidet alles, was das Miteinander in Christus bedroht. Die Agape Liebe bewährt sich besonders da, wo das Miteinander gefährdet und bedroht ist. Im Griechischen ist es eine starke Verneinung „auf keinen Fall verhält sich die Liebe ungehörig.“ Bevor ich darauf komme, was damit gemeint ist, möchte ich uns erinnern: Menschen verhalten sich ungehörig, taktlos, rücksichtslos, respektlos. Das ist leider menschlich und auch Christen sind Menschen. Es ist leider wahr: in jedem von uns ist ein Wladimir Putin.

„Die Liebe enthält sich alles dessen, was den sittlichen Anstand verletzen könnte.“ Es müsste eigentlich heißen, Der Liebende enthält sich alles dessen, was den anderen verletzen könnte. Der Liebende will andere nicht verletzen, sondern Beziehungen heilen, verbinden und reparieren. Und darum hat er Respekt gegenüber dem anderen und weiß, was sich gehört. Ein praktisches Beispiel erzählt Jesus selbst:

Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. (Matthäus 18,15) Das klärende Gespräch unter vier Augen zeigt Respekt und schützt den anderen vor Gerüchten und Beschämung. Wie oft findet das nicht statt! Wie oft wird stattdessen mit Dritten gesprochen, getratscht und Jesu Gebot missachtet. Schon in der Bergpredigt beschreibt Jesus das Verhalten der Liebe, die sich nicht ungehörig verhält: Alles nun, was ihr wollt, dass die Leute euch tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso; denn dies ist das Gesetz und die Propheten. (Matthäus 7,12) Damit beantwortet Jesus auch die Fragen: Was gehört sich für ein gutes Miteinander? Wie zeige ich Takt, Anstand, Respekt, Wertschätzung?

Was gehört sich?

Die Liebe verhält sich nicht ungehörig bedeutet positiv: Liebe tut das, was sich gehört. Doch was gehört sich und was gehört sich nicht? Das Verb „gehören“ bezeichnet den Besitz (das Rad gehört mir) und die Zuordnung an die richtige Stelle (das Kind gehört zu dir; Tomaten gehören nicht in den Kühlschrank). Bis ins 14. Jahrhundert war die Bedeutung ein verstärktes Hören, aber auch „auf jemanden hören“, ihm gehorchen, woraus sich dann die Bedeutung der Zugehörigkeit (zunächst nur auf Menschen bezogen) entwickelte. Der Besitz, was einem gehört, ist das, was einem rechtmäßig zukommt, was einem gebührt. Dadurch erklärt sich auch die reflexive Form von gehören (sich gehören) in der hier genannten Bedeutung: Was „sich nicht gehört“ ist das, was einem nicht gebührt und somit unangemessen ist. Dieser Gebrauch ist mindestens seit Anfang des 16. Jahrhunderts nachweisbar.

Ich möchte das praktisch erklären. Im TV gibt es die Sendung Marktcheck. Da wird z.B. ein Defekt an einer Waschmaschine fingiert vorbereitet. Als Zuschauer sehe ich mit versteckter Kamera, wie bestellte Handwerker den Defekt finden bzw. damit umgehen. Ein Profi Handwerker Meister hat vorher schon informiert, wie ein guter Handwerker vorgeht – also „was sich für einen Handwerker gehört“. Dann kommentiert er das Vorgehen der „Kollegen“ und manchmal wird deutlich, dass sie Dinge tun, die sich für einen Handwerker nicht gehören. Handwerker wissen, was „sich gehört.“

Jeden Tag gibt es Situationen, in denen ich als Christ gefragt werde: was gehört sich in dieser Situation? Stell dir nur mal vor, es gibt eine versteckte Kamera. Ok, ganz selten gibt es eine versteckte Kamera. Aber was ich bei einer versteckten Kamera nicht tun würde, das sollte ich auch sonst nicht tun.

Die Liebe verhält sich nicht ungehörig, weil sie den anderen liebt, auch wenn er böses gesagt oder getan hat. Christen sind also berufen und durch die Liebe befähigt, diplomatisch zu handeln. Wie verhält man sich diplomatisch? „Ich soll Kritik ja positiv formulieren: Einer von uns beiden ist klüger als du.

„Diplomatie ist jemanden so zur Hölle zu schicken, dass er sich auf die Reise freut.“

Jemand beschreibt Diplomatie so: „Um diplomatisch geschickt zu agieren, müssen Sie im ersten Schritt Ihrem Gegenüber zu jeder Zeit eine entsprechende Wertschätzung und den nötigen Respekt entgegenbringen. Sie sollten daher versuchen, ohne Vorurteile und mit echtem Interesse eine Beziehung zu Geschäftspartnern, Kunden oder Kollegen aufzubauen.“ Der Begriff Diplomatie kommt vom lat. Wort Diploma, also Urkunde, Vertrag. Diplomaten sind also Menschen, die den Wunsch und die Fähigkeit mitbringen, Verträge zwischen zwei Parteien zustande zu bringen. Das geht mit Wertschätzung, Respekt und Takt sehr viel besser.

Charakter ist das, was vom Menschen übrig bleibt, wenn es unbequem wird, heißt es. Darum stimme ich Dr. Jonker zu, wenn er schreibt: „Vor allen Dingen haben wir nicht Bildung nötig, sondern Erlösung.“

Die Christen in Korinth nahmen beim Abendmahl keine Rücksicht aufeinander. Darum ermahnte Paulus sie: wartet aufeinander. (1.Kor 11,33) Aufeinander warten beim Abendmahl gehört sich für Christen. Und auch diese Ermahnung hat mit Rücksichtnahme zu tun: und einer nach dem anderen(1. Kor 14,27+31) Rücksicht nehmen bedeutet, andere ausreden lassen, anderen zuhören, sie verstehen wollen. Lasst alles ehrbar und ordentlich zugehen. 1. Kor 14,40

Die Liebe verhält sich nicht ungehörig. Das wird anschaulich in Lukas 7 beschrieben. Der Gastgeber Simon wird von Jesus kritisiert, weil er sich ungehörig und unhöflich verhalten hat. …du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig…. Lk 7,44 Hätte Simon ihn liebgehabt, hätte er sich dieser Taktlosigkeit nicht schuldig gemacht. Jesus weiß das. Und es tut ihm weh, ihm, dem Mann der unendlichen Liebe.

Gebet:  Herr, ich lobe und preise deine Liebe. Du bist vollkommen rücksichtsvoll. Du hast deine Herrlichkeit verlassen und bist ein armer Mensch geworden. Danke, dass du in all deinem Planen und Wirken auch an mich gedacht hast. Zeige mir meine Rücksichtslosigkeit und hilf mir, sie zu überwinden durch deinen Heiligen Geist! Amen.

.

Von deinen Worten können wir leben Lk 2,19

Die Geburt Jesu und Geschenke – das gehört zusammen. Zum einen sind es die bekannten Geschenke der Weisen aus dem Morgenland, die dem Heiland der Welt Gold, Weihrauch und Myrrhe überreichen. Ich möchte heute mit euch über ein anderes Geschenk nachdenken, das zur
Weihnachtsgeschichte gehört. Im Lukasevangelium 2,19 lesen wir: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. L 2017 In der Hfa Bibel steht hier: Maria aber merkte sich jedes Wort und dachte immer wieder darüber nach. Hfa


Was wir über die Geburt Jesu wissen verdanken wir der Mutter Jesu. Die bekannte Weihnachtsgeschichte nach Lukas verdanken wir Maria. Streng genommen verdanken wir Weihnachten dieser Frau, die sich alles einprägte und in ihrem Herzen bewegte und darüber nachdachte. Und als Lukas viele Jahre später Maria besucht, erzählt sie ihm das alles. Und mit dem Schatz aus ihrem Herzen beschenkt sie die Welt mit viel mehr als nur einer außergewöhnlichen Geschichte. Das griech. Wort,
das mit „behalten“ übersetzt wird, hat mit Schutz und sicherer Verwahrung zu tun. In Matth 9 kommt es auch vor. Da heißt es: …man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten. Die Weihnachtsgeschichte blieb im Herzen Marias erhalten. Die Ereignisse
rund um die Geburt Jesu waren es wert, erhalten zu werden. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Maria tat das von sich aus, niemand drängte sie dazu. Immerhin war sie die Mutter. Mütter erinnern sich an alles wichtige rund um die Geburt ihrer Kinder. Einige Gründe dafür liegen also auf der
Hand: Jesus war ihr Kind. Und gleichzeitig war ihr Kind der Messias, der Retter, der Sohn Gottes.
Ein zweiter Grund ist dieser: Maria hatte kein Tagebuch, diese Dinge aufzuschreiben. Sie hatte nur eine Möglichkeit, all diese Dinge zu bewahren – ihr Herz, ihre Erinnerung, ihr Innerstes. Der dritte Grund dafür, dass sie alle Ereignisse und Worte in die Schatzkammer ihres Herzens legte ist dieser: Gott hatte sie erwählt für diese Aufgabe, Mutter von Jesus, Mutter des Retters der Welt zu sein. Und
weil Kinder immer auch eine Gabe Gottes sind – Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk (Ps 27,3) – sollten alle Mütter wie Maria davon ausgehen, dass Gott
mit ihrem Kind einen Plan hat und gute Gedanken. Und dann gibt es noch einen vierten, ganz menschlichen Grund: Sie wollte das Unbegreifliche begreifen. Sie wollte das Wunder verstehen, das Handeln und Reden Gottes verstehen. Darum bewegte sie das alles immer wieder in ihrem Herzen. Sie wollte Gott auf die Spur kommen, Gott besser kennenlernen und seine Gedanken verstehen. Das tat sie viele Jahre lang. Zweimal macht Lukas darauf aufmerksam: Als Jesus mit 12
Jahren im Tempel bleibt und mit den Schriftgelehrten diskutiert ohne seine Eltern vorher darüber zu informieren, tadeln seine Eltern ihn dafür. Darauf sagte Jesus: Warum habt ihr mich gesucht?
Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und
war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen. 2,49-51
Es waren außergewöhnliche und bedeutsame Ereignisse, die unmittelbar mit ihr und ihrem Leben
zu tun hatten. In der NGÜ steht: Maria aber prägte sich alle diese Dinge ein und dachte immer wieder darüber nach. NGÜ Genau das tun wir heute auch. Wir tun es jedes Jahr zu Weihnachten.
Wir wollen verstehen, was Gott getan hat und warum er es getan hat. Doch unser Verstehen bleibt Stückwerk. Wir bleiben ein Leben lang Lernende, Hörende … und Beschenkte. Für mich wuchs mit
der Zeit die Bedeutung der Geburt Jesu. Ob es Maria auch so erging?

Euch ist heute der Heiland geboren – diese Botschaft wird nie langweilig. Sie gilt jedem Menschen auf der Welt. Gott schenkt jedem Menschen mit seinem Sohn das Versprechen der Freude und der
Rettung. Das galt vor über 2000 Jahren. Das gilt heute. Es wird morgen gelten. Ich habe einen Heiland, weil Jesus auch für mich geboren wurde! Du hast einen Heiland, weil Jesus auch für dich
geboren wurde! Ein größeres und bedeutsameres Geschenk gibt es nicht.
Manfred Siebald schrieb 1992 das Lied „Von deinen Worten können wir leben“. Es hilft uns den 5. Grund zu verstehen, warum Maria all diese Dinge bewahrte und in ihrem Herzen bewegte. Es hilft
uns zu verstehen, warum all diese Dinge, diese Worte, die Geschehnisse der Geburt Jesu ein wundervolles Geschenk sind. Sie sind ein Geschenk an Maria und jeden von uns.
Von deinen Worten können wir leben, durch deine Worte weitersehn. Mit deinen Worten können wir sterben und auf dein Wort hin auferstehn.
– Auch wenn Maria vieles nicht verstehen konnte, so wusste sie doch eines gewiss: Gott schreibt auch mit ihr Geschichte. Das darfst du gewiss glauben: Gott schreibt auch mit dir Geschichte.
– Auch wenn nicht viel außergewöhnliches passieren würde in den nächsten Jahren und Jahrzehnten (zumindest wissen wir nichts von Begegnungen mit Engeln, ungewöhnlichen Besuchen oder Wundern), so wusste sie doch eines gewiss: Gott hat sie erwählt und auf
unterschiedliche Weise gesprochen. Das bleibt auch für jeden Christen das Fundament seines Lebens und seines Glaubens: Gott hat dich erwählt und zu dir gesprochen. Das gibt Halt, Kraft
und Trost in Krisen.
– Auch wenn Maria mit ihrem Mann und ihren Kindern ein unauffälliges, normales Leben führte, so wusste sie doch gewiss: Gott hat ihr seinen Sohn anvertraut. Ihr Leben ist zutiefst sinnvoll, bedeutsam und wichtig. Weil Gott sich ihr offenbart hatte und sie angesehen hatte: „denn er hat
die Niedrigkeit seiner Magd angesehen (Lk 1,48),“ stand ihr ganzes Leben im dem Licht dieser Wahrheit, die mit konkreten Ereignissen und Worten verbunden war. Wenn Jesus dein Heiland ist, dann ist dein Leben zutiefst sinnvoll, bedeutsam und wichtig. Ein ganz wichtiger Grund, sich
Gottes Worte und Taten zu merken und darüber nachzudenken.
Gott will, dass sein Wort uns ins Herz hinein gedrückt werde und ein solches Malzeichen bleibe, welches niemand abwaschen kann, gerade als wäre es daran gewachsen und ein natürlich Ding.“ Martin Luther


1. Mach unsre Ohren frei und sprich hinein in unsre Herzen nun. Lass uns nichts hören als nur dich, und hilf uns, was du sagst, zu tun.
Ref.: Von deinen Worten können wir leben, durch deine Worte weitersehn. Mit deinen Worten können wir sterben und auf dein Wort hin auferstehn.

Der Kaiser ist nackt 1 Kor 13,4

Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, dass er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr munter her. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, dass sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Stoffe genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, dass sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei. Der Kaiser glaubt den Betrügern. Er trägt Kleider, die es nicht gibt. Er zeigt sich nackt und glaubt, er sei vorzüglich gekleidet. Alle glaubten den Betrügern. Der nackte Kaiser wird von allen hoch gelobt und bewundert für seine herrlichen und schönen Kleider – bis ein Kind es ausspricht: „Aber er hat ja gar nichts an!“ – Der Kaiser ist nackt.

Sie (die Liebe) bläht sich nicht auf.  Andere übersetzen diese Eigenschaft der Agape Liebe so: sie ist nicht eingebildet NGÜ; Spielt sich nicht auf. GN schaut nicht auf andere herab Hfa nicht stolz NL plustert sich nicht auf Das Buch

Was bedeutet es, sich aufzublähen? Sich aufblähen bedeutet, sich größer zu machen als man ist; größer sein zu wollen als andere Menschen. Sich selbst zu erhöhen.

Eine Frau versucht ein Kreuzworträtsel zu lösen. Dabei fragt sie ihren Mann: „Wie heißt eine Weltmacht mit drei Buchstaben?“ Darauf sagt ihr Mann: „Ich.“ Manchmal ist es lustig, wenn Menschen sich überschätzen.

Sich aufblähen bedeutet, auf andere herabzusehen und zu denken, man sei bedeutender, klüger, besser. Wer sich aufbläht ist eingebildet und stolz. Wir nennen solche Menschen Wichtigtuer, Blender, Angeber, Prahlhans, Schauspieler, Gernegroß, Hochstapler, Schaumschläger, Aufschneider, Maulhelden. Diese vielen Begriffe haben eines gemeinsam: sie zeigen einen Mangel an Liebe an. Denn wer sich aufbläht, begegnet anderen nicht auf Augenhöhe. Liebe aber gibt es nur auf Augenhöhe. Auch darum wurde Gott Mensch. „Er war einer von uns,“ lautet der passende Titel eines Buches über Jesus von Nazareth.

Wann ist eine Beziehung auf Augenhöhe? Wann man mit Wertschätzung kommuniziert, ohne den anderen zu bewerten. Auf Augenhöhe bedeutet: „Ich bin gleich mit dem anderen.“ Auf Augenhöhe heißt, den anderen zu nehmen, wie er oder sie ist: gewichtig und gleichbedeutend.  Ebenbürtig heißt aber auch, dem anderen nicht unterlegen zu sein und schon gar nicht überlegen.

Der Kaiser wollte mit seinen neuen Kleidern, was jeder Mensch will – beachtet werden, bewundert werden, schön sein. Ob es die neuen Kleider sind oder Titel, Statussymbole oder die Art, wie ich mich wichtigmache – immer geht es um einen Menschen, der beachtet und geliebt werden möchte. Kleider machen Menschen nicht wichtiger, nicht besser oder schöner als andere. Darum schreibt Paulus: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Kol 3,13f Beziehungen brauchen Menschen mit solchen Klamotten!

Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen, aber selten etwas Besseres. Gotthold Ephraim Lessing

In der Vollmacht, die mir Gott als Apostel gegeben hat, ermahne ich euch: Überschätzt euch nicht, sondern bleibt ehrlich und bescheiden im Urteil über euch selbst. Keiner von euch soll sich etwas anmaßen, was über die Kraft des Glaubens hinausgeht, die Gott ihm geschenkt hat. Röm 12,3 Hfa

Sich aufblähen meint jeden Versuch der Selbsterhöhung. Der Versuch, sich selbst und andere zu beeindrucken. Als ob es vor dem Kreuz Stufen gibt. Die gibt es nicht. Wir stehen alle auf dem einen Grund:  Wir sind angenommen allein durch Glauben an Jesus und allein aus Gnade. Wir sind aus Gnade erlöste und von Gott geliebte Sünder.

Dr. Joachim Cochlovius war Gast bei einem Ehepaar einer Gemeinde, in der er einige Dienste tat. Die Ehefrau der Gastgeber war zuerst allein mit ihm und redete ihn mit Dr. Cochlovius an. Als ihr Mann später von der Arbeit dazukam, begrüßte er ihn herzlich mit den Worten: „Herzlich willkommen bei uns Joachim.“ Zuerst fand sie das nicht ok. „Er ist mein Bruder“, begründete ihr Mann seine Anrede. Richtig.

Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf. „Ich weiß, was du nicht weißt. Ich kann, was du nicht kannst. Darum bin ich besser, klüger, wertvoller, wichtiger.“ Die Erkenntnis macht einsam. Die Liebe baut Beziehungen auf, weil sie sich auf Augenhöhe begibt, weil sie im anderen einen liebenswerten Menschen sieht. Die Liebe baut auf, weil sie den anderen gewinnen will, stärken, trösten, ermutigen.

Stolz zeigt sich nicht immer im Verhalten, wer sich aufbläht zeigt seinen Stolz. Wer sich aufbläht ist nicht zufrieden mit dem, wer er ist. Wer sich aufbläht, zeigt damit ein Defizit, das er glaubt zu haben und zu beheben. In Wahrheit kann man sich nicht aufblähen. Es geht einfach nicht. Es ist nur eine Kopfsache. Die geht. Aber nur auf Kosten der anderen. Und auf Kosten der Liebe.

Unser Sohn war damals in der 1. Klasse. Er schubste andere Kinder, die in einer Reihe vor ihm standen und viele stolperten und fielen zu Boden. Eigentlich aber wollte er Beziehung zu den anderen, stellte sich aber ungeschickt an. Sich aufblähen ist wie andere zu schubsen und sich dann zu beschweren, dass man keine Freunde hat.

Bei echter Liebe ist der kleinste Abstand immer noch zu groß und ein großer Abstand überbrückbar.

 Das aber, meine Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen um euretwillen, damit ihr an uns lernt, in eurem Denken nicht über das hinauszugehen, was geschrieben steht, damit ihr euch nicht für den einen auf Kosten des anderen aufbläht. 1. Kor 4,6 Sch2000 damit keiner sich wichtig mache, indem er für den einen und gegen den andern Partei ergreift. Zürcher damit ihr euch nicht aufbläht für den einen gegen den anderen. Elb Sich aufblähen bedeutet gegen andere zu handeln. Darum bläht die Liebe sich nicht auf, weil sie dadurch den anderen von sich stößt.

Darum will Jesus nicht, dass Menschen verachtet werden: Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Lk 18,9f

Wer ging hinauf in den Tempel? Ein Pharisäer und ein Zöllner. Das ist wahr. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, es die Wahrheit aus irdischer, menschlicher Perspektive. Zur Wahrheit gehört auch: Zwei Menschen gingen hinauf. Gott kennt nur Menschen, die Gnade brauchen.

Jesus erlöse mich von meiner Unsicherheit. Erlöse mich von meinen Zweifeln an deiner Liebe. Erlöse mich von dem Wunsch, mich größer zu machen als ich bin. Erlöse mich von dem Denken, ich sei weniger wert als andere. Hilf mir, allen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, mit Respekt und Liebe.

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Kol 3,13f Diese Kleider gibt es tatsächlich. Sie kleiden jeden Menschen so wie Gott Menschen gekleidet haben möchte.

Es gibt keine bessere Kleidung für Kaiser und Könige, für Bettler und Bonzen, für dich und mich.

Die Liebe macht sich nicht wichtig 1. Kor 13,4

Die Liebe treibt nicht Mutwillen.

Allison Botha war 27 als sie 1994 von zwei Männern entführt, vergewaltigt und aufs grausamste verletzt wurde. Die beiden Männer ließen sie an einer einsamen Stelle zurück im Glauben, sie wäre tot. Wie durch ein Wunder überlebte sie das Martyrium. Sie berichtet in ihrem autobiographischen Buch „Trotzdem weiterleben“ davon, was sie erlitten hat, wie ihr Gewalt angetan wurde. Sie erlitt über 30 Messerstiche in den Unterleib, ihr Hals wurde aufgeschlitzt, die Eingeweide waren herausgetreten. Sie war beinahe enthauptet worden. Sie schaffte es trotzdem irgendwie sich mitten in der Nacht nackt und blutend zur nahegelegenen Straße zu schleppen. Da brach sie zusammen. Und sie hoffte, ein Auto würde kommen und jemand würde ihr helfen. Ein Auto kam, hielt an, wartete, fuhr dann weiter an ihr vorbei. Nach einer Weile kamen zwei weitere Autos. Ein junger Mann stand ihr während der nächsten 2 Stunden bei. Tian hielt ihre Hand, ermutigte sie, deckte sie mit einer Decke zu, verband den aufgeschlitzten Hals notdürftig, redete mit ihr. Dass jemand sie ansieht, Blickkontakt aufnimmt, und sich ihr zuwendet bedeutete ihr unendlich viel. Der Rettungswagen kam erst nach 2 Stunden. Tian fuhr mit dem Rettungswagen und hielt ihre Hand bis Ärzte im Krankenhaus sich um Allison kümmerten.

Wie absurd und grotesk wäre es, wenn dieser junge Mann sich neben sie gestellt hätte und geprahlt hätte!? „Wissen Sie, ich habe Tiermedizin studiert. Mit Organen kenne ich mich gut aus. Ich bin ein Einser-Student und sehr sportlich bin ich auch. Ich bin der hilfsbereiteste Mensch südlich des Äquators. Schon im Kindergarten wurde ich gelobt, dass ich so gut angezogen bin. Schauen sie mal, was für eine tolle Jacke ich trage. Chic nicht wahr?! Schätzen Sie mal, wie viel Geld ich schon gespart habe…

Das vierte Merkmal der Liebe lautet Die Liebe treibt nicht Mutwillen. So steht es in der Lutherbibel. Ich halte das für eine unglückliche Übersetzung. In der Neuen ev. Übersetzung steht, sie macht sich nicht wichtig. Zürcher: sie prahlt nicht. Die Neue Genfer Übersetzung schreibt sie spielt sich nicht aufLiebe und Angeberei passen nicht zusammen. Das sagt Gottes Wort. Warum prahlt die Liebe nicht? Heinz Erhardt sagte mal, „Manche Menschen wollen glänzen obwohl sie keinen Schimmer haben.“ Die Wahrheit ist: Alle Menschen wollen glänzen. Glänzen wollen, angeben, prahlen, sich rühmen sind der übertriebene Wunsch nach Beachtung, nach Bedeutung, nach Wertschätzung.

Kennt ihr Karsten Kreher? Sehr wenige kennen ihn. Es gibt ein kurzes Video über ihn. Seine Frau bekam in jungen Jahren Chorea Huntington, eine unheilbare Gehirnerkrankung. Sie war auf Hilfe angewiesen. Karsten hat seine Frau bis zu ihrem Tod 21 Jahre lang gepflegt. „Sorge Dich nicht! Ich kümmere mich in guten wie in schlechten Zeiten um Dich, war mein Versprechen zu unserer Hochzeit.“ Dafür gab er sogar seinen Beruf auf.

Was Bedeutung hat, braucht nicht gesehen zu werden, um Bedeutung zu bekommen; aber was keine Bedeutung hat, möchte gesehen werden, um so wenigstens einigermaßen Bedeutung zu erlangen.“  Und am Ende ist es der Wunsch nach Liebe. Wer prahlt, will geliebt werden. Wer geliebt ist, braucht nicht zu prahlen. Und wer liebt, tut etwas zutiefst Sinnvolles und Bedeutungsvolles.

Ein untrügliches Zeichen von Selbstgerechtigkeit ist das Prahlen mit eigenen frommen Werken: Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Lk 18

Prahlen und sich rühmen sind ein Grundproblem des Menschen, auch des gläubigen Menschen. Es ist der Versuch, sich gegenüber Menschen und Gott Bedeutung zu verschaffen. Ein altes Sprichwort lautet: Andere sollen dich rühmen, aber nicht du selbst – ein Fremder, aber nicht dein eigener Mund. Spr 27,2 Heute sagt man schlicht: Eigenlob stinkt!

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht von Siegern, Medaillen und Trophäen hören oder lesen. Sportnachrichten sind fester Bestandteil unseres Alltags. Jeden Tag gibt es irgendwo einen Wettkampf, gibt es Sieger und Verlierer. Ich stelle nüchtern fest: Die Welt lechzt nach Ruhm, nach Auszeichnungen, Ehrungen und Rampenlicht. Ob im Sport, Film oder Fernsehen – immer geht es auch um Ruhm und sich rühmen. Und ein wenig Glanz fällt auch auf mich ab, wenn eine Mannschaft oder ein Sportler für Deutschland gewonnen hat.

Sich rühmen war den Christen in Korinth vertraut. Einige rühmten sich gerne. Das kritisierte Paulus: Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht (Jer 9,22f): »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!« 1. Kor 1,26-31

In Gottes neuer Welt wird es keine Wettkämpfe, Turniere, Siegerehrungen, Auszeichnungen geben! Keine Oscar Verleihungen, keine Emmys, keine Goldmedaillen. Und keine Sportnachrichten. Niemand wird es nötig haben, seinen Wert und seine Bedeutung auf Leistungen zu gründen.

Prahlen und angeben sind typisch menschliche Angewohnheiten. Die lautesten Menschen haben oft die leiseste Ahnung. Es ist also wichtig, leiser zu werden, weniger sich selbst anzupreisen und mehr für andere da zu sein.

Die Liebe tut nicht groß, prahlt nicht, macht sich nicht wichtig. Wer liebt, tut das, was gerade nötig ist, mit großer Selbstverständlichkeit. Liebeswerke tun als ob man sie nicht täte, das ist Christentun. Für einen Liebenden ist es selbstverständlich zu lieben. Für einen Christen ist es selbstverständlich, dem anderen Schuld zu vergeben, ihm zuzuhören, anderen zu dienen, Konflikte christlich zu lösen, Wort zu halten, anderen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, verschwiegen zu sein. Für einen Christen ist es selbstverständlich, ein Diener zu sein. Doch ist es das wirklich? Natürlich nicht. Aber es sollte jedem Christen wichtig sein, das zu lernen und so zu lieben. Christsein ist lebenslanges Liebe lernen. Darum, Strebt aber nach der Liebe… 1. Kor 14,1

In einem ungewöhnlichen Moment berichtet Johannes davon, dass Jesus seine Jünger bis ans Ende liebte: Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten, Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Joh 13 Der Sohn Gottes, der Schöpfer dieser Welt ist sich nicht zu schade, den niedrigsten Dienst an seinen Jüngern zu tun. So sieht Liebe aus. So liebt Jesus und Er hört nicht auf zu lieben. Liebe zeigt sich in der Freiheit, für andere da zu sein, anderen zu dienen und auf jede Ehre, jeden Ruhm und Glanz zu verzichten. Dann sagt Jesus: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Joh 13,15

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Ein wunderbares Beispiel für diese dienende, selbstverständliche Liebe, die nicht nötig hat, sich zu rühmen ist der barmherzige Samariter:Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen. Lk 10,25ff

Strebt nach der Liebe! 1. Kor 14,1 Werde ein liebender Mensch. Werde ein Diener. Lass das Prahlen, das glänzen wollen, das rühmen, das Gieren nach Bedeutung und Ehre. Sieh, wie sehr du geliebt bist, weil du bist. Du bist geliebt von Gott! Du bist unverdient, aus Gnade, als Geschenk zum Leben geliebt. Und um das bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen, Philipper 1.9

Ich bin die schwer verletzte, blutende, dem Tod geweihte Allison Botha. Ich liege hilflos, schwer verletzt, nackt, schwer verletzt und erbärmlich auf der Straße und warte sehnsüchtig. Ich warte auf Erbarmen und Liebe.

Du bist die schwer verletzte, blutende, dem Tod geweihte … Du liegst hilflos…

Und das Wunder ist: du bist liebenswert – auch in diesem Zustand, nackt, blutig, arm, dem Tod geweiht. Ob jung oder hochbetagt, gesund oder krank, mit einem Traumberuf oder arbeitslos, ledig oder verheiratet – du bist geliebt!

Du bist es wert, geliebt zu werden.

Du bist von Gott geliebt!!!!

Die Liebe tut nicht groß, prahlt nicht, macht sich nicht wichtig.

Die Liebe eifert nicht 1. Kor 13,4

Eine Frau fragte kürzlich auf Twitter: „Wann habt ihr zuletzt Ich liebe dich gesagt? Bei mir war es 2012.“  Hinter dieser Frage steckt sicherlich mehr als Neugier. Da gibt es eine ganz persönliche Geschichte. Und die ist wie bei jedem Menschen von Glück, Schmerz und Sehnsucht geprägt. Menschen möchten lieben und geliebt werden. Wann habt ihr zu jemandem zuletzt „Ich liebe dich“ gesagt? Wann habt ihr einem Menschen zuletzt Liebe erwiesen? Beides gehört ja zusammen. Hier sind einige Antworten auf Twitter:

„Meiner Tochter vor ca. 3 Stunden, meinem Mann jeden Abend, wenn wir schlafen gehen.“

„Meinem Kind jeden Tag.“

„2014. Da war es aber nur noch eine Floskel in einer Beziehung, die zum Scheitern verurteilt war.“

 „Ich sage es jeden Tag zu meiner Tochter. Zu einem Mann? Daran erinnere ich mich leider nicht mehr.“

„Seit mich mein Mann betrogen hat, bringe ich es nicht mehr über die Lippen.“

Jeder Mensch ist auch eine Liebesgeschichte, die noch geschrieben wird.

„Ich liebe dich“ jemandem zu sagen ist ein wertvolles und seltenes Geschenk. Nur wenigen Menschen kann ich dies Geschenk machen. Aber ich kann Menschen Liebe erweisen. Und ich kann Menschen Liebe schuldig bleiben. Jesus sagt: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Joh 13 Ich kann und soll lieben. Geliebt zu werden gehört zu den Bedürfnissen in unserem Leben vom ersten Tag. Nicht geliebt zu werden tut weh und hinterlässt Wunden. Jemand hat gesagt, „Die Liebe kann man zwar nicht essen, aber sie stillt dennoch den Hunger, den wir Menschen haben. Man kann mit ihr keine Geschütze laden, aber sie ist dennoch die stärkste Waffe gegen Hass.“

Wer wissen möchte, was Liebe besteht, muss die Bibel lesen. Durch den Geist Gottes teilt Paulus anhand von 15 Verben mit, woran echte Liebe zu erkennen ist. Er beschreibt die Agape Liebe. Diese Liebe steht in einem grundsätzlichen Gegensatz zum eigensüchtigen Willen und zum Hochmut, der aus dem Besitz der Erkenntnis wächst (8,1). Liebe ist nicht abstrakt. Liebe ist konkretes und praktisches Handeln. Wir zählen 15 Verben in diesen Versen. Das bedeutet: von der Liebe kann nur in Begriffen des Handelns gesprochen werden. Liebe zeigt sich in Taten. Liebe ist der Wille, christlich und geistlich zu leben. Liebe ist Wille zur Gemeinschaft, zur Bewahrung von Beziehungen, zur Hilfe für meinen Mitmenschen. Im Blick auf Jesus erkennen wir, worin diese Liebe besteht.

Im Korintherbrief wird deutlich: die Liebe ist die Kraft, die die Gemeinde zusammenhält und aufbaut. Ohne Liebe ist Gemeinschaft und gemeinsames Leben nicht möglich: Strebt aber nach der Liebe (1 Kor 14,1); Alles bei euch geschehe in Liebe. (1 Kor 16,14).

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Das dritte Merkmal der Liebe lautet: die Liebe eifert nicht. Schlachter übersetzt hier: die Liebe beneidet nicht. Menge: die Liebe ist frei von Eifersucht (und Neid). Was aber meint Paulus, wenn er sagt, die Liebe eifert nicht? Eifern in 12,31 ist das gleiche Wort wie neiden in 13,4. Es heißt eigentlich „sieden, kochen“ und spricht von dem inneren Brodeln, das entsteht, wenn man etwas unbedingt haben will, was ein anderer hat. Die Olympiateilnehmer sind erfüllt von dem unbedingten Willen, zu siegen, ihr Bestes zu geben – sie eifern, sind in einem Wettstreit. In 1. Kor 3,3 weist Paulus die Korinther wegen dem Neid und Streit unter ihnen zurecht: Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie nicht vertragen, ja ihr könnt sie auch jetzt noch nicht vertragen, denn ihr seid noch fleischlich. Solange nämlich Eifersucht und Streit und Zwietracht unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise? (Sch2000).  Neid ist Missgunst. Wenn ich dich beneide, dann gönne ich dir etwas nicht, dann will ich das für mich haben. In Wahrheit aber will ich Liebe, ich will geliebt werden.

Bsp. Auf unserem Radwanderurlaub als Familie kam es vor, dass ein Kind es dem anderen nicht gönnte, neben Mama zu fahren. Es kam zum Streit. Immer wieder. Missgunst und Rivalität unter Geschwistern hat auch viel mit Liebe zu tun und mit der Angst, nicht genug geliebt zu werden, nicht geliebt zu werden. Die eigenen Kinder gerecht lieben und ihnen gerecht Zeit schenken ist nicht einfach. Neid bedeutet also auch: „Ich werde nicht genug geliebt.“ Vor Kurzem habe ich unseren Sohn gefragt, „Hast du das Gefühl, dass wir dich und deine Schwester fair behandeln?“ Er sagte, „Vor ein paar Jahren hätte ich die Frage noch anders beantwortet. Heute ist alles gut.“

Ein einziger Satz beschreibt das ganze Drama der Josef Geschichte: Und die Erzväter beneideten Josef und verkauften ihn nach Ägypten. Aber Gott war mit ihm. Apg 7,9 Ursprünglich wollten sie ihn sogar töten! Brüder wollten ihren Bruder töten! So sehr hassten sie Josef. Gott allein weiß, wie viele Geschwister und Familien wegen Neid und Eifersucht sich meiden, misstrauen, schlecht übereinander reden, keinen Kontakt mehr miteinander haben. In Wahrheit aber ist es der Kampf um Liebe, der Vertrauen beschädigt und Menschen voneinander trennt. Salomo hat Recht, wenn er sagt: Ein gelassenes Herz ist des Leibes Leben; aber Eifersucht ist Eiter in den Gebeinen. Spr 14,30 Agape Liebe kennt keine Wettkämpfe um Liebe, kennt keine Angst, zu kurz zu kommen, kennt keine Rivalität um Liebe.

Wer sich bedingungslos geliebt weiß,

kann sich über das Glück anderer ehrlich freuen.

gönnt anderen, Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen.

ist nicht leicht verletzbar.

muss nicht gegen andere kämpfen, sie klein machen.

fühlt sich durch andere nicht bedroht in seinem Selbstwert.

kann viel aushalten.

Wer liebt, muss sich der Liebe, die ihm selbst gilt, sicher sein. Wenn du weißt: „Ich bin geliebt,“ dann kannst du anderen Gutes gönnen. Neid vertreibt die Zufriedenheit durch Unmut und ist eine Quelle vieler anderer Sünden. Die Korinther beneideten einander wegen der geistlichen Gaben. 12,31 kann auch übersetzt werden: Ihr seid neidisch auf die größeren Gaben, aber ich zeige euch einen weit besseren Weg.

Liebe ist das Gegenmittel für Neid. Liebe und Neid passen niemals zusammen. Neid stört das gute Miteinander und das Vertrauen. Wenn göttliche Liebe dein Herz regiert, kannst du dich über den Erfolg anderer freuen, selbst wenn du weißt, dass ihre Motive nicht lauter sind. Aber wenn du für dich Ehre, Anerkennung, Aufmerksamkeit und eigene Vorteile suchst, bist du das Opfer des Neides.

Mit der dritten Eigenschaft der Liebe, die Liebe eifert nicht, beginnt eine Reihe von 8 Eigenschaften, die eins gemeinsam haben. Es sind Eigenschaften fehlender Liebe. Jedes Mal heißt es: So ist die Liebe nicht. Jede Eigenschaft ist eine menschliche Verhaltensweise, die mit der Liebe nicht vereinbar ist. Wer nach der Liebe streben will (14,1) muss diese Dinge überwinden und ablegen. Jedes nicht ist ein Nagel, der etwas ans Kreuz nagelt. Jedes nicht heißt: etwas muss erst sterben. Jedes nicht ist ein Stopp-Zeichen, das mich zum Nachdenken über mich anregt und zwingt, mich zu verstehen. Das bedeutet: Liebe kann ohne Reifen und Verwandelt werden nicht gelebt werden. Lieben wollen treibt mich zu Jesus Christus, der mich zum Lieben erlösen will.

Hier wird dir ein Spiegel vorgehalten. Was suchst du wirklich? Was willst du wirklich? Diese Fragen gilt es, ehrlich zu beantworten. Weißt du dich bedingungslos geliebt? Glaubst du, dass Gott dich bedingungslos liebt?  Neidest du anderen Erfolg, Glück, Gesundheit, Ansehen, Lebensfreude, Gaben und Talente? Warum hast du Angst, zu kurz zu kommen? Darüber nachdenken und meditieren ist wichtig und hilfreich.

Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr (meiner Liebe glaubt und darum) tut, was ich euch gebiete. (Wenn ihr meiner Liebe glaubt, tut ihr, was ich euch gebiete.) Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. Joh 15,12ff