Investierende Liebe 1. Kor 13,4b

Warum ist die Liebe langmütig und freundlich? Diese beiden Eigenschaften sind wesentlich für die Agape Liebe. Alle 15 Eigenschaften sind wesentlich für die Liebe. Es lohnt sich, über diese Eigenschaften nachzudenken und sie zu verstehen. Aber warum ist die Liebe so – langmütig und freundlich? Warum verdanken wir dieser Liebe so unendlich viel und warum sind wir verpflichtet, so zu lieben?

Manche sagen, es ist die schönste Kurzgeschichte der Welt. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn beschreibt auf beeindruckende Weise die Agape Liebe des Vaters. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn hilft uns zu verstehen, warum die Liebe so ist – langmütig und freundlich.

Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zum Vater: Gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt, Vater! Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange danach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit ausschweifendem Leben. Lukas 15,11ff

Ich bin der verlorene Sohn. Du bist der verlorene Sohn, die verlorene Tochter. Unsere Welt ist voll von Söhnen und Töchtern, die sich selbst verloren haben. Dieser Sohn wollte nicht auf sein Erbe warten, bis der Vater tot war. Er wollte sein Erbe vorher. Er wünscht der Vater wäre schon tot. Eine unvorstellbar tiefe Kränkung des Vaters. Dieser Sohn wollte ohne den Vater glücklich sein. Und er lebte gut vom Erbe. Bis zu dem Tag, als das Erbe aufgebraucht war. An dem Tag lautete die Wahrheit: Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.

 Er sträubte sich dagegen, zurück zum Vater zu gehen. Er wollte dem Vater sein Scheitern nicht eingestehen. In ihm war ein Kampf. Aber irgendwann gab er den Widerstand auf und gestand sich ein, dass er ohne seinen Vater verderben wird. Das wollte er aber nicht – verderben vor Hunger.

Da ging er in sich und sprach: In der NGÜ heißt es hier: Jetzt kam er zur Besinnung. – Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

Das macht die Sünde mit einem Menschen, sie macht ihn glauben: Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Sünde zerstört das Wissen um den eigenen Wert. Sünde zerstört auch das Wissen um die Liebe des Vaters. Menschen haben ein verzerrtes, falsches Bild von der Liebe. Was macht dich wertvoll ohne die Liebe?? Was auch immer dich wertvoll macht, es ist ohne die Liebe des Vaters brüchig und trügerisch. Dieser Sohn lernte die Liebe seines Vaters erst kennen nachdem er gescheitert war. Weißt du, wie sehr Gott dich liebt? Ich wünsche dir, diese Vaterliebe kennenzulernen. Ich wünsche dir, dass du der Liebe deines Vaters im Himmel glaubst. Und dass du diese Liebe von anderen Christen erfährst. In diesem Gleichnis zeigt Jesus: auch wenn du es nicht glauben kannst, du bist von Gott geliebt.

Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren. (Theodor W. Adorno)

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Der verlorene Sohn glaubte wirklich, dass er nicht mehr wert ist, Sohn zu sein. Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Er glaubte wirklich, dass der Vater ihn lebenslang mit dem Entzug der Vaterliebe strafen wird und muss. Er hatte gegen den Vater gesündigt. Er hatte schweres Unrecht getan. Er dachte, dass er für immer darauf verzichten muss, Sohn genannt zu werden. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Röm 5,8 So freundlich ist Gott in seiner Liebe!

Diese Vaterliebe hat den älteren Bruder, den selbstgerechten Bruder empört. Die Liebe Gottes ist empörend, weil sie jedem gilt, weil sie auch den Sündern gilt. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Der Vater liebte beide Söhne. Darum ging er zu ihm und bittet ihn. Der Selbstgerechte denkt: „Das hat der Lump nicht verdient, dass er trotzdem so geliebt wird, dass der Vater trotzdem so freundlich und gütig ist.“ Er hat Recht, das hat er nicht verdient. Die Liebe des Vaters kann man sich nicht verdienen.

Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird. (Michael Quoist)

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Warum ist die Liebe langmütig und freundlich? Weil die Liebe der unbedingte Wille zur Gemeinschaft ist. Weil die Liebe trotz des Bösen, trotz des Unrechts, trotz der tiefsten Kränkung, trotz der Bosheit die Hand reicht und nicht nachträgt. Langmütig und freundlich / gütig beschreiben die zwei Seiten ein und derselben Einstellung. Beide Eigenschaften haben es mit dem Widerstand zu tun, auf den die Liebe zum Nächsten trifft. Durch die Langmut soll und kann der Widerstand im eigenen Herzen, durch die Güte der Widerstand beim Nächsten überwunden werden. So werden Gräben zugeschüttet. So und nur so werden Brücken gebaut. So wird Versöhnung möglich. So bleibt man beieianander.

Das Schönste aber hier auf Erden, ist lieben und geliebt zu werden. (Wilhelm Busch)

Weil der Vater seinen Sohn bedingungslos liebt, vergibt er ihm und lässt ihn erleben, dass er geliebt ist. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet. Ps 34,9 Menschen müssen diese Liebe erleben, sie schmecken, erfahren.

Warum ist die Liebe langmütig und freundlich? Weil wir es erleben müssen, dass wir geliebt sind. Weil der Widerstand in uns überwunden werden muss. Glauben können und glauben dürfen, trotzdem von Gott geliebt zu sein – das verdanke ich der Liebe Gottes. Johannes staunte über die Liebe Gottes:

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Darum erkennt uns die Welt nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass wir ihm gleichgestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. (1 Johannes 3.2)

Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin. Du hast gesagt, dass jeder kommen darf. Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann. Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan. Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin, und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir gegenüber so unendlich gütig bist. Jeden Tag darf ich von deiner Güte leben. Hilf mir, diese Güte täglich an andere weiterzugeben. Stärke in mir die Überzeugung, dass in deinen Augen alle Menschen gleich wertvoll und geliebt sind. Ich will mit deiner Hilfe allen Menschen freundlich begegnen. Amen!

Gottes große Liebe 1. Kor 13,4

Eine Mutter schrieb letzte Woche zwei Zeilen aus ihrem Alltag.

Der fünfjährige hat mit Filzstiften auf seine Bettwäsche gemalt. Der fünfjährige wollte keinen Ärger bekommen und hat das Gemalte ausgeschnitten.“

Ich habe über diese Begebenheit nachgedacht. Ob das Kind Ärger bekommen hat? War das vermeidbar? Was ist so schlimm daran, Ärger zu bekommen? Geht es uns nicht, wie diesem Kind – wir möchten auch keinen Ärger!? Ich möchte keinen Ärger mit anderen. Wenn wir es können, vermeiden wir Ärger. Kann es sein, dass Ärger den Frieden und die Liebe bedroht? Bedeutet Ärger, ich werde nicht mehr geliebt, die Beziehung zu diesem Menschen endet? Bedeutet Ärger, nicht mehr geliebt zu sein, weil wir jemanden enttäuscht haben oder weh getan haben? Bedroht Ärger unser Leben, weil wir nicht ohne Menschen leben wollen? Und dann stieß ich auf einen Vers im Alten Testament:

Im Buch Jesaja sagt Gott, Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. (54,8) Dieser Vers zeigt: Ärger und Zorn bedrohen, bzw. beenden eine Beziehung. Das Angesicht vor jemandem verbergen bedeutet, die Beziehung zu diesem Menschen zu beenden. Gott zu verlieren ist die schlimmste Strafe für einen Gläubigen. Hier wird es am Beispiel des Volkes Israel dokumentiert. Gott zu verlieren, ohne Gott zu sein, wurde real im Kreuzestod des Sohnes Gottes, als er schrie „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesus nahm den Zorn Gottes auf sich, damit wir es nicht müssen, sondern freigesprochen werden. Die Betonung und das Wunderbare in diesem Vers im Buch Jesaja ist die ewige Gnade, mit der Gott sich erbarmen will. Gott lässt nie im Stich, wen er in Liebe erwählt. Sein Zorn ist nur der scheinbare Verlust seiner Liebe.

Gibt es Beziehungen ohne Ärger? Und was hat die Agape Liebe mit Fehlern und Ärger zu tun?

Die Liebe ist langmütig und freundlich So ist die Agape Liebe. Mit diesen beiden Begriffen beginnt Paulus die Agape-Liebe zu zeichnen. Insgesamt 15 Verben beschreiben die Agape Liebe. Und die ersten beiden Eigenschaften öffnen uns die Augen für das Besondere dieser Liebe. Sie hält fest am geliebten Menschen, wenn er versagt hat. Im Englischen steht hier longsuffering – wörtlich: lange leiden. Agape Liebe ist die Kraft, Fehler und Schuld des anderen lange leidend zu ertragen.

Definition: Agape Liebe ist in erster Linie darum bemüht, für das Wohlergehen des Geliebten zu sorgen egal, in welchem Zustand der Geliebte sich befindet oder welche Reaktion von dem Geliebten kommt.

Das erste Kennzeichen der Liebe ist die Fähigkeit, langmütig zu sein. Langmut ist die Kraft, einen langen Atem zu haben. Das griech. makrothumein bedeutet wörtlich das lange (Zurück-)Halten des Zorns, der Erregung. Im Gegensatz dazu steht oxuthumein, der Jähzorn, der unbeherrschte Zorn. Gott ist langmütig: Barmherzig und gnädig ist der Herr, langsam zum Zorn und groß an Gnade. Ps 103,8RE Das ist das Glaubensbekenntnis der Juden. Es stammt aus der Gesichte Israels mit Gott. Es stammt aus dem Erleben mit Gott über Jahrhunderte. Langmütig sein heißt, langsam zum Zorn sein. So zeigt sich die agape Liebe. Im AT wird darunter in erster Linie der Langmut Gottes beschrieben: Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit. Ps 86,15RE

Langmut gibt Raum zum Leben in einer gefallenen Welt! Am Gleichnis vom Schalksknecht wird der Zusammenhang von göttlicher und menschlicher Langmut in beeindruckender Weise für das ganze NT offengelegt: Matth 18,21-34 Mit diesem Gleichnis macht Jesus die unvergleichliche Größe göttlicher Langmut deutlich. Doch Gott will uns durch seine Langmut nicht nur zur Nachahmung seiner Langmut aufrufen. Die Langmut Gottes zeigt sich auch in der wundervollen Zusage Jesu:

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Joh 10,27f Weil Jesus dich liebt, kann niemand dich aus seiner Hand reißen! Niemand! Die Liebe Jesu und sein Ja zu dir sind gewiss. Du bleibst immer sein Kind. Paulus schreibt darum, Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? (…) Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Röm 8,35+38f

Durch seine Langmut schafft Gott uns Raum zum Leben. Das dürfen wir nie vergessen! Hinter der Langmut Gottes steht sein berechtigter Zorn. Liebe ohne Zorn oder Ärger gibt es nicht. Langmut ist die Fähigkeit, keine Vergeltung zu üben, d.h. Gericht zu üben, wenn einem Unrecht getan wurde. Und seid euch bewusst, dass die Langmut unseres Herrn eure Rettung bedeutet; so hat es euch ja auch unser geliebter Bruder Paulus in der ihm geschenkten Weisheit geschrieben. 2. Petr 3,15 ZB

Schafft Gott uns durch seine Langmut Raum zu neuem Leben, so bewährt sich dieses neue Leben im Üben der Vergebung. Langmut zeigt sich darin, immer wieder dem anderen die Hand zu geben. Die Langmut des Menschen ist also nicht so sehr eine Charaktereigenschaft als vielmehr ein Tun, ja das erste Tun der Liebe: Die Liebe ist langmütig… Weil wir wertvoll sind. Weil wir wichtig sind. Weil Gott nicht ohne uns sein will.

Gebet: Ich danke dir, Herr, dass du an mir deine große Langmut und Barmherzigkeit erwiesen hast. Du hast mir all meine Schuld vergeben. Weil du mir so gern vergeben hast, will ich lernen, meinen Nächsten auch gern zu vergeben. Herr, hilf mir, dass ich jeden Tag von deiner Langmut lerne und fähig werde, Unrecht zu ertragen und das Böse mit Gutem zu überwinden. Ich will dir vertrauen, dass du in deiner Zeit auch mir Recht schaffen wirst. Amen!

Ulrich Schaffer: „Gott ich danke dir für die Freiheit zu sündigen. Das ist nicht, was ich wirklich will, aber auch wenn ich es wollte, hinge deine Liebe zu mir davon nicht ab. So kann ich das Risiko eingehen, den sicheren Raum der äußeren Gesetze zu verlassen, und sie ganz neu in mir zu entdecken, nicht als Formen des Gesetzes, sondern als Ausdruck der Liebe.“

Der fünfjährige muss es erleben, muss es immer wieder erleben, dass er geliebt bleibt, auch wenn er Fehler macht, auch wenn er Ärger bekommt. Das müssen wir als Christen auch erleben. Immer wieder. Und wir sollen und dürfen dem Wort Gottes mehr vertrauen als unseren Gefühlen.

Der Schlüssel Phil 1,21

Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.“ (Charles Dickens) Aber ein Schlüssel ist nötig. Im Leben stehen wir manchmal vor verschlossenen Türen. Dann braucht man den passenden Schlüssel. Viele Türen lassen sich öffnen, manche gehen einfach von alleine auf. Aber einmal kommt die Tür zum Tod. Dann kann uns nur einer den passenden Schlüssel geben, dass wir getrost sterben können. Das kann Jesus Christus, der den Tod besiegt hat. Der passende Schlüssel bedeutet: „Diese Tür wird sich mir öffnen, dieser Weg bleibt mir nicht versperrt, hier geht es weiter.“

Ostern, das Fest der Auferstehung, hat auch mit Schlüsseln und offenen Türen zu tun. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein… Lk 24,2f Sie konnten ins leere Grab, weil der Stein weggewälzt war. Ostern bedeutet auch: Gott bietet dir einen Schlüssel an, der Türen öffnet, die sonst niemand öffnen könnte. Dieser Schlüssel zeigt sich in der Kraft, getrost zu leben und getrost zu sterben. Dieser Schlüssel entmachtet Sterben und Tod. Dieser Schlüssel schenkt Frieden mit Gott. Paulus hatte diesen Schlüssel.

Denn Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. So hat Paulus es formuliert. Das war sein Schlüssel. Diese Gewissheit war ihm ein Trost. Diese Gewissheit ist auch für uns ein Trost. Die Gefangenschaft und die Ungewissheit, ob er sterben wird oder weiterleben wird, zeigte Paulus, wie sehr er Gewissheit nötig hatte. Paulus erlebte einen inneren Konflikt. „Worauf kann und muss ich mich einstellen? Geht mein Leben zu Ende oder geht es weiter?“ Dies Bekenntnis in Phil 1,21 ist darum eine Antwort auf Anfechtungen im Glauben. Anfechtungen werden durch von Gott geschenkte Gewissheit überwunden. Anfechtungen sind wie verschlossene Türen. Welcher Schlüssel passt jetzt? „Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.“

Denn Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. Diese Worte wurden im Gefängnis geschrieben. Sie wurden in einer Situation geschrieben, die Paulus sich nicht ausgesucht oder gewünscht hat. Es sind Situationen, die wir uns nicht aussuchen und wünschen, die uns herausfordern, unseren Glauben zu leben. Es gibt Umstände, die uns mit unserer Sterblichkeit konfrontieren. Und einmal werden wir sterben. Einmal geht unsere Zeit auf Erden zu Ende. Was wird uns dann trösten und Halt schenken? Es sind Krisen, in denen wir aufgefordert werden: Zeige mir deinen Glauben! Gott, lädt uns ein: Vertrau mir! Was würde ich aus dem Gefängnis schreiben? Was wirst du sagen, wenn es ans Sterben geht? Was würdest du dir selbst und anderen sagen?

Der 9. April 1945 ist der Todestag von Dietrich Bonhoeffer. Als er im KZ Flossenbürg nackt zum Galgen gehen musste, lautete sein letzter Satz: „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Bonhoeffer am Sonntag nach Ostern von seinem Mitgefangenen. Bonhoeffer wurde von Schönberg in das KZ Flossenbürg gebracht. Am Abend hielten dort drei Vertreter des Nazi-Staates Gericht über ihn. Nach einem schnellen Verfahren wurde er zusammen mit anderen Widerstands-kämpfern am Morgen des 9. April erhängt. Er wurde nur 39 Jahre alt.

Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens. Bonhoeffer weiß noch von einem anderen Leben, einem Leben, das ihm der menschliche Henker nicht nehmen konnte. Bonhoeffer hatte am Ende seines Lebens einen Schlüssel – Gottvertrauen und Hoffnung. Nicht an einem Schreibtisch, sondern in einem Nazi Gefängnis und mit einem Todesurteil über sich kann Bonhoeffer dies schreiben. Aus dem Gefängnis schreibt Paulus:

denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. Phil 1,19-21

denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird … Paulus rechnet mit Heil. Er braucht Hilfe. Damit meint er kommende Hilfe von Gott in diesem Leben. Paulus rechnet damit: „Gott wird mir in meiner schwierigen Situation helfen, weil Geschwister für mich beten und weil der Heilige Geist mir beistehen wird.“

In der Hfa Bibel steht hier: Weil ihr für mich betet und Jesus Christus mir durch seinen Geist beisteht, bin ich sicher, dass hier alles zum Besten für mich ausgehen wird. Heil bedeutet hier „Gott hilft mir!“ In Zeiten der Ungewissheit und angesichts unserer Sterblichkeit ist dies ein großer Trost: Gott hilft mir und wird mir helfen!

Wunderbar formuliert Dietrich Bonhoeffer es in seinem Gedicht:

Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Gott hat uns geschaffen, damit wir seine Hilfe, seine Rettung, seinen Beistand erleben. Unsere Seelen brauchen dieses Heil. Nach diesem Heil sehnen wir uns, wenn wir mit schwach, unsicher und ängstlich sind. Passend sagt Bonhoeffer es so:

Ich glaube, wir sollen Gott in unserem Leben und in dem, was er uns an Gutem gibt, so lieben und solches Vertrauen zu ihm fassen, dass wir, wenn die Zeit kommt und da ist – aber wirklich erst dann! – auch mit Liebe, Vertrauen und Freude zu ihm gehen. Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 244

Der letzte Brief Bonhoeffers an seine junge Verlobte Maria von Wedemeyer steht auf einem Papierbogen, der zum Ende hin knapp wurde. Er schrieb ihn am 19. Dezember 1944 aus der Berliner Gestapo-Haft. In dem berüchtigten Kellergefängnis gab es keine Sprecherlaubnis und keine Besuche, viele Gefangene wurden gefoltert. Maria von Wedemeyer durfte Bonhoeffer nicht sehen, sie durfte aber jeden Mittwoch ein Paket abgeben. Dabei beeindruckte sie den Kriminalkommissar Franz-Xaver Sonderegger offenbar so, dass er insgesamt drei Briefe Bonhoeffers passieren ließ. Dem zweiten Brief war ein Gedicht angefügt, das er als Weihnachtsgruß für seine Verlobte und die beiden Familien geschrieben hatte. „Ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen als ein Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister.“ Der Text beginnt mit den Zeilen:

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr
.

Die 7. Strophe: Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Dies Gedicht ist einer sehr dunklen, bösen Erfahrung geschuldet. Viele christliche Lieder entstanden in Leid und Unglück. Bonhoeffers Worte geben Menschen Kraft in schweren Momenten. Trost und Geborgenheit sind zwei Seiten einer Medaille, die Gott in seiner Liebe schenkt. Wie gut hat es der Mensch, der diesen Schlüssel hat, wenn er ihn braucht.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.

Das sagen und glauben zu können wäre ohne das offene Grab am Ostermorgen nicht möglich. Glaube ist auch das Vertrauen, mit Gottes Hilfe den bitteren Kelch zu nehmen. Glaube ist, mit Gott zu rechnen. Wir haben mit unseren Kindern schöne Urlaubstage in Dänemark erlebt. Aber wir sind ohne Schlüssel zum Ferienhaus losgefahren nach Dänemark. Dort erwartete uns jemand mit einem Schlüssel für das Haus. Darauf vertrauten wir. So ist es auch mit schweren Situationen. So ist es auch, wenn das Leben zu Ende geht. Gott hat einen Schlüssel bereit, den wir dann bekommen. Trost und Vertrauen. Getrost leben und sterben können verdanken wir dem auferstandenen Christus. Jesus ist Sieger. Gott schenke dir, dass du das sagen und glauben kannst, heute und wenn es so weit ist. Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.

Gedanken und Geschichten zu einem Bibelvers – Der zerbrochene Topf

Beim Spazierengehen entdeckte ich den Tontopf am Straßenrand. Jemand hatte ihn weggeworfen. Er war in zwei Teile zerbrochen. Ich hob die beiden Scherben auf und nahm sie mit. Seitdem steht der zerbrochene Topf in meinem Büro. Zugegeben, ein sehr ungewöhnlicher Blickfang. Der Topf ist mir wichtig geworden, weil er mich an eine Wahrheit erinnert. Sie wird im 2. Brief an die Gemeinde in Korinth beschrieben: Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. (4,7)

Welchen Schatz meint Paulus? Und was hat es mit dem irdenen Gefäß auf sich? Wer würde einen Schatz in einem Tontopf aufbewahren? Worum geht es Paulus mit dieser Aussage? Das Bild vom Schatz im Tongefäß war den Christen in Korinth vertraut. Damals wurden tatsächlich sehr wertvolle Dinge in Tonkrügen aufbewahrt. Kostbare Buchrollen, Urkunden und wertvolle Dokumente bewahrte man in Tonkrügen auf. Von außen konnte niemand sagen, ob im Tongefäß etwas sehr Wertvolles oder etwas Wertloses aufbewahrt wurde. Paulus hat sich und sein Leben mit einem solchen Tongefäß verglichen. Von Herrlichkeit und Glanz ist da nichts zu sehen. Die Korinther sollen sich auf Menschen nichts bilden und Menschen nicht zu Helden machen. In der „Hoffnung für alle“ Bibel steht hier: Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind. So wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst.

Paulus sieht sich und alle Christen als irdene Gefäße. Ich will mich auch als irdenes Gefäß sehen. Denn in Wahrheit bin ich wie der zerbrochene Tontopf: ein irdenes Gefäß, ein Gefäß aus Erde. In der Schöpfungsgeschichte heißt es, Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker… (1. Mose 2,7) Das sollen Menschen nie vergessen: Sie wurden aus Erde gemacht. In der Einheitsübersetzung lautet der Vers: Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. 2. Kor 4,7 Der Tontopf zeigt mir, wie Menschen sind. Er gehört zum biblischen Menschenbild. Christen sind nicht besser, stärker oder moralischer als andere Menschen. Jeder Versuch, Menschen zu erhöhen oder auf einen Sockel zu stellen, muss an diesem Vers von irdenen Gefäßen scheitern. Ein irdenes Gefäß zu sein bedeutet: der Mensch ist nur ein Gefäß – das Wertvolle und Wichtige ist der Schatz im Gefäß.

Welcher Schatz ist hier gemeint? Welchen Schatz haben Christen in ihrem sterblichen, zerbrechlichen Körper? Einen Hinweis finden wir in Vers 6: Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Der Schatz ist also von Gott in unsere Herzen gegeben. Er ist ein Geschenk Gottes. Der helle Schein ist der Glaube an den Erlöser Jesus Christus, die Erfahrung der Liebe Gottes und die Hoffnung auf Gottes Sieg über Sünde und Schuld. Der helle Schein ist ein neues Herz in uns, in irdenen Gefäßen. Und dieser helle Schein macht nicht Menschen groß und herrlich, sondern den Geber dieses Schatzes. Niemand kann diesen Schatz rauben oder zerstören. Menschen bevorzugen polierte, schöne und unzerbrechliche Gefäße. Überall zeigt sich: Menschen stehen gerne gut da. Ich denke da an die prachtvollen, farbenfrohen und besonderen Gewänder der katholischen Geistlichen. Das macht schon etwas her. Das ist beeindruckend. Diese Geistlichen wollen glänzen, etwas Besonderes sein und Ruhm haben. Gott aber sagt: Diesen Schatz des Evangeliums vom auferstandenen Christus lege ich in irdene Gefäße. Kein Christ sollte sich in besondere Gewänder kleiden, um andere oder sich selbst zu beeindrucken. Paulus hätte das nie getan.

Der Ausleger Heiko Krimmer schreibt hierzu: „Schatz meint die Christusherrlichkeit, das den Apostel prägende Christuslicht der unverstellten Erkenntnis Gottes, auch die Christusherrlichkeit in seinem Apostelamt, dass er verkündigen darf. Dieser Schatz ist in irdenen Gefäßen – in leicht zerbrechlichen Gefäßen aus Ton. Damit meint der Apostel sich selbst in seiner Leiblichkeit, Schwachheit und Lebensführung. Er ist ein schwacher, zerbrechlicher, geplagter Mensch. Seine Kraft zum Zeugnis und Dienst kommt ganz gewiss nicht aus ihm selbst.“

Zur Quelle des Lebens Ps 119,36f + Ps 36,9f

An Baum hat jemand einen handgeschriebenen Zettel genagelt. „Vermisse meinen Hund, er hat nur drei Beine, ist auf dem linken Auge blind, das rechte Ohr fehlt, hat einen gebrochenen Schwanz, wurde kürzlich kastriert. Er hört auf den Namen Lucky (der Glückliche).“

Mit Recht fragt man, ob der Name wirklich passt. Ein auffallender Widerspruch. Gilt der nicht auch für viele Menschen? Sind diejenigen, die man glücklich nennt wirklich glücklich? Sind nicht viele, die wir beneiden, bei näherem Hinsehen überhaupt nicht beneidenswert?! Das sind Fragen, die wir uns stellen sollten. Wen du glücklich nennst, sagt auch etwas über deinen Glauben aus. Unsere Vorstellung von dem, was man braucht um glücklich zu sein, spiegelt sich wieder in dem, was wir uns wünschen, was wir suchen und erstreben. Doch was braucht meine Seele wirklich?

  1. Der Morgen danach – wenn der Durst bleibt. Ps 119,36f

Der Psalmist betet Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. V.36 Wisst ihr, wie viele Werbebeilagen jedes Jahr durch euren Haushalt gehen? Jeden Sonntag werden wir massiv daran erinnert, dass wir in einer Konsumgesellschaft leben. Wir leben im Zeitalter des Materialismus. Wie können wir uns vor dem Trugschluss schützen, zu glauben, materielle Dinge würden unseren Durst nach Leben stillen? ‚Hin und her gerissen zwischen Konsumstress und Kaufrausch leben immer mehr Singles und kinderlose Paare weit über ihre finanziellen Verhältnisse. Das hat das Hamburger BAT Freizeit-Forschungsinstitut in einer Umfrage unter 2600 Deutschen ab 14 Jahren herausgefunden. Danach gibt jeder zweite Single (51 Prozent) im Alter von 25 bis 49 Jahren in seiner Freizeit viel zu viel Geld aus. Im Vergleich zu Familien mit Kindern geben sich auch immer mehr kinderlose Paare (49 Prozent) dem Kaufrausch hin. (…) Jeweils 44 Prozent der befragten Singles und kinderlosen Paare bekannten, dass sie von Konsumangeboten geradezu abhängig seien. (…) Ein Drittel aller Singles und kinderlosen Paare haben der Umfrage nach unter den Folgen ihres Konsumstresses zu leiden: Sie kaufen etwa Artikel für Hobby und Sport, haben aber dann kaum Zeit, davon Gebrauch zu machen – sie können ihren Konsum nicht einmal genießen.‘ (LN 18.10.95) Jesus sagt Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Lk 12,15 Hütet euch! Passt auf! Sagt Nein zu diesem Denken, diesem Glauben!

Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. Das heißt auch: Ich gebe zu, dass ich nicht Herr meines Lebens bin. Mein guter Wille allein, und sei er noch so fest, wird mein Herz nicht verändern. Wenn du, Herr, hilfst, werde ich nicht scheitern! Hilf mir!

Hast du den Mut zu sagen: Mir fehlt etwas wirklich Wichtiges in meinem Leben? Nicht jeder kann das offen eingestehen.

Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege. Ps 119,37 Der Vers ist schwer zu übersetzen. Wörtlich heißt es Wende meine Augen ab, dass sie nicht nach dem sehen, was leer, hohl, eitel, trügerisch, wertlos ist. Die Gute Nachricht Bibel übersetzt: Zieh meinen Blick von Nichtigkeiten ab. Hoffnung für alle: ich will mich nicht mit dem abgeben, was wertlos und sinnlos ist. Manchmal sind die Augen ein Organ des Magens. Wenn der Magen leer ist, suchen die Augen nach Essen. Die Augen sind aber auch ein Organ der Seele. Sie werden von der Seele gelenkt. Die Augen suchen immer auch etwas, um die Leere der Seele zu füllen. Es geschieht so leicht, dass Menschen die Leere ihrer Seele mit Dingen füllen, die den Durst der Seele nicht wirklich stillen. Markenartikel, Reisen, Ideologien, Bilder, Musik, materielle Dinge, Titel – und immer bleibt der Durst.

Worum bittet der Psalmist? „Herr, bewahre mich davor, den Durst meiner Seele nur zu betäuben. Meine Augen lassen sich so leicht täuschen von schönen, attraktiven Dingen, die in Wahrheit Nichts für meine Seele sind.“ Der Morgen danach – Sinnbild für den Moment der Ernüchterung und der Enttäuschung. Der Morgen danach – Sinnbild für den Moment des Erwachens und des sich Eingestehens: das war’s nicht; was ich mir versprochen habe, das habe ich nicht bekommen! Steht vielleicht eine solche Erfahrung hinter dieser Bitte in V.37? „Unsere Sehnsucht lässt sich nicht so leicht stillen.“

Ich werde nie vergessen, wie ich das erste Mal in Kamerun in West Afrika unterernährte Kinder sah. Sie hatten dicke, aufgeblähte Bäuche. Und dabei hatten sie genug zu essen. Sie hauten sich den Magen voll mit Fufu, einer Maispaste, die zwar den Magen füllt, aber den Körper nicht nährt. Fufu macht zwar satt, aber lässt die Kinder verhungern. Schöne Dinge können uns auch satt machen, aber den Durst der Seele können sie nicht stillen. Es gibt viele Menschen mit aufgeblähten Bäuchen der seelischen Unterernährung.

Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht. Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege. So zu bitten ist geistlich. So wirkt der Geist Gottes: Du spürst die Gefahr und bittest Gott um Hilfe. Du wirst sensibel für gefährliche Einflüsse. Du erkennst, was du wirklich willst und was nicht. Du bist ehrlich.

  • Das Buffet Gottes – wo der Durst der Seele gestillt wird. Ps 36,9f

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Ps 36,9-10 Wenn ein Känguruh-Baby geboren wird, kriecht und krabbelt es von allein in den Sack der Mutter. Dort findet es, was es sucht und braucht: Milch und Geborgenheit. Hinter vielem, was Menschen tun, treibt sie der Durst ihrer Seele, der Durst nach sinnvollem, erfülltem Leben. Es ist heilsam, sich die unerfüllte Sehnsucht einzugestehen. Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. Ps 63,1-2 Jesus sagt Ein Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort aus dem Mund Gottes. Matth 4,4

 „Die ganze irdische Welt kann eine für Gott geschaffene Seele so wenig sättigen wie eine Fingerspitze von Mehl einen Ausgehungerten.“ (Pfarrer Johannes Maria Vianney)

Menschen verwenden gerne Bilder, um eine bestimmte Wahrheit oder Erkenntnis anschaulich zu machen. Das Bild vom Tränken und von der Quelle haben Menschen in einer von Landwirtschaft geprägten Gesellschaft sofort verstanden. Jedem war klar: ohne Quelle gibt es kein Leben und kein Überleben! Die Menschen in Israel waren abhängig von Quellen und Brunnen. Und heute? Genug sauberes Wasser zu haben ist für uns selbstverständlich. Doch jedes Jahr sterben 5 Millionen Menschen an Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser verursacht werden. Allein in Deutschland gibt es 550 anerkannte Mineralwasserquellen. Natürliches Mineralwasser ist das einzige Lebensmittel in Deutschland, das amtlich anerkannt werden muss. Um diese Anerkennung zu erhalten, sind rund 200 verschiedene Untersuchungen durchzuführen.

Bei Gott wird der Durst deiner Seele gestillt. Er gibt dir, was du zum Leben brauchst. Denn wer zu Gott findet, zum Vertrauen in Gottes Freundlichkeit und Liebe, der hört auf zu suchen. Denn wer an der Quelle sitzt, der hat es gut: Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Ps 1,3 An der Quelle gibt es keinen Mangel, kein zu-kurz-kommen, kein sparsam-sein-müssen, kein sich-beschränken-müssen! Wer an der Quelle sitzt, für den gilt: Trink, so viel du willst! Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele.Ps 23,2-3 vgl. Jes 55,1+2

„Wir sind nicht in der Lage uns mit weniger als ewiger Liebe zufrieden zu geben. Wir können uns nicht damit abfinden, wenn wir nicht ganz, immer und grenzenlos geliebt werden und ebenso auch selbst lieben können. – Gott hat uns für die Fülle geschaffen, nicht für die Armut.“

Ps 36,9f Die Stichworte satt werden, reiche Güter, getränkt werden, Strom, Quelle vermitteln das Bild eines Menschen, der sich überreich gesegnet weiß: Ich verdanke mein Leben der Güte Gottes. Was ich zum Leben habe verdanke ich Gott! ER ist gut zu mir. In der Übersetzung Hoffnung für alle steht Aus deinem Überfluss schenkst du ihnen (Mensch und Tier) mehr als genug. Das ist die Erfahrung des Psalmisten: Durch Gottes Güte werde ich satt, habe ich mehr als genug, labe ich mich an dem, was ich habe. Das gleiche Wort begegnet uns in Ps 23,5 Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Wörtlich steht dort: mein Becher fließt über. So ist Gott! Kennst du diese Erfahrung? Kannst du das, was du hast, als Geschenke des gütigen Gottes genießen? Bist du Gott von Herzen dankbar für Jesus? Bist du dankbar für das, was du hast? Bist du Gott von Herzen dankbar für dein Leben?

Was muss man alles nicht haben, um arm zu sein? Wer kein geregeltes Einkommen hat, ist arm. Wer keine eigenen vier Wände hat, ist arm. Wer mehr Hunger als Essen hat, ist arm. Was muss man alles nicht haben, um arm zu sein? Arm dran ist, wer nur sein geregeltes Einkommen hat. Arm dran ist, wer nur seine eigenen vier Wände hat. Arm dran ist, wer nur einen vollen Magen hat. Arm dran ist, wer nur sich selber hat.

(R. Zelewske): Was braucht ein Mensch wirklich zum Leben? Was braucht deine Seele wirklich? Vertrauen in die Güte und Treue Gottes! Dankbarkeit für erfahrenen Segen! Zuversicht und Hoffnung trotz aller Sorgen und Ängste! Frieden mit Gott durch den HERRN Jesus Christus!

„Letzten Endes kann nur Gott unsere Sehnsucht stillen. Wir haben eine Gott-Lücke im Herzen, mehr noch – ein riesiges Loch, das nur von Gott gefüllt werden kann. Wenn wir diese Erfüllung in einem anderen Menschen suchen, dann ist dieser komplett überfordert und die Beziehung leidet oder bricht sogar zusammen.“

Jesus lädt dich ein: Komm zur Quelle des Lebens!

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist Lk 636

Weißt du noch das erste Wort, dass du gesprochen hast? Die erste Bitte, die über deine Lippen kam war zwar undeutlich, aber deine Mutter hat dich verstanden. Das tun Mütter meistens. Dein erstes Wort war der erste Schrei eines jeden Neugeborenen. Der lautete „Erbarmen“! Jedes Neugeborene kommt mit dieser einen Bitte auf die Welt, „Erbarme dich über mich. Hab Erbarmen mit mir.“ Und das hat deine Mutter dann auch getan, sie hat sich erbarmt. Und nicht nur einmal. Ich verdanke sehr viel in meinem Leben auch der Barmherzigkeit meiner Mutter. Darum tröstet Gott auch mit diesem wunderbaren Wort, Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. (Jes 49,14) Dass eine Mutter sich nicht über ihr Kind erbarmt ist undenkbar. Und doch kann das passieren. Aber dass Gott sich nicht über sein Volk erbarmt, das kann nie passieren. Das ist eine wertvolle Gewissheit am Anfang eines neuen Jahres: Du kannst mit Gottes Barmherzigkeit rechnen. Und glaub mir, du wirst Gottes Erbarmen brauchen. In der Jahreslosung werden uns vier Wahrheiten vor Augen gehalten: 1. Alle Menschen sind auf Erbarmen angewiesen. 2. Gott ist barmherzig. 3. Menschen sollen barmherzig werden. Und 4. Barmherzig zu sein ist ein göttliches Gebot.

1. Alle Menschen sind auf Erbarmen angewiesen

Das Gebot Jesu, Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist zeigt mir: alle Menschen sind auf Erbarmen angewiesen. Mit diesem Gebot macht sich Jesus zum Fürsprecher von Menschen, die unsere Barmherzigkeit brauchen. Jesus bittet dich an ihrer Stelle: Hab Erbarmen mit mir! Menschen brauchen einen barmherzigen Gott und barmherzige Mitmenschen. Erbarmen nötig zu haben bedeutet unverdiente Hilfe nötig zu haben. In einem Gleichnis ist es der König, der sich über den hoffnungslos verschuldeten Knecht erbarmt und ihm seine ganze Schuld vergibt. Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch. Matth 18,27 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? V.33 Barmherzigkeit ist überall nötig, wo Menschen Erlösung nötig haben, wo sie in Schuld, Schwachheit und Krankheit verstrickt sind.

Johann Hinrich Wichern hat 1833 im Alter von 25 Jahren das Raue Haus in Hamburg ins Leben gerufen. Das Raue Haus war eine „Rettungsanstalt für arme und verwahrloste Kinder“. Mit dem Aufbau dieser Einrichtung gehört er zu den Wegbereitern einer professionellen sozialpädagogischen Arbeit. Er wollte Jugendlichen helfen, in einer Atmosphäre des Vertrauens neue Lebensorientierung zu finden. Einmal wurde ein verwahrloster Junge zu ihm ins Arbeitszimmer gebracht. Ein Betreuer überreichte auf einigen Papieren die vernichtende Beurteilung dieses Jungen. Er war straffällig geworden, war von einem Heim ins andere abgeschoben worden, aus anderen war er weggelaufen. Seine Vergangenheit war so, dass er sich die Zukunft verbaut hatte. Wichern nahm die Papiere und hielt sie an die Kerze auf seinem Schreibtisch. Als sie Feuer fingen, warf er die brennenden Blätter in den Kamin. Er wartete, bis sie verbrannt waren. Dann wandte er sich dem Jungen zu und sagte, „Hier wird keiner auf seine Vergangenheit festgelegt. Bei uns kann jeder neu anfangen. Sieh um dich her, in was für ein Haus du aufgenommen bist! Hier ist kein Riegel, keine Mauer, kein Graben. Nur mit einer starken Kette binden wir dich hier. Du magst sie zerreißen, wenn du kannst. Sie heißt Liebe.“ Wichern hatte die Liebe Gottes in seinem eigenen Leben erfahren. Er hatte erkannt: Jesus Christus, der Sohn Gottes, nahm die Schuld der Welt auf sich, als er am Kreuz starb. Wichern hatte an einem Punkt seines Lebens dieses Geschehen ganz persönlich auf sich bezogen. Jesus starb auch für mich. Gott verbrennt meine Sündenregister. Gott ist barmherzig. Die Barmherzigkeit Gottes war für Wichern der Schlüssel für seine liebevolle Zuwendung zu Menschen am Rand der Gesellschaft.

2. Gott ist barmherzig.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und Verschonen.“ So beginnt ein Tagesgebet der katholischen Kirche. Gott erkennt in seiner Barmherzigkeit die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Barmherzigkeit ist keine Schwäche, sondern die stärkste Eigenschaft Gottes. Unsere Barmherzigkeit orientiert sich an der Barmherzigkeit Gottes. Wir sollen uns von der Barmherzigkeit Gottes prägen und leiten lassen. Der Barmherzigkeit Gottes verdanken wir unser Leben als Kinder Gottes. Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, Tit 3,4+5a Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. Philipp F. Hiller Die von Gott her erfahrene Barmherzigkeit wird zu meiner Aufgabe.

Barmherzigkeit ist eine Eigenschaft Gottes, von der der Mensch abhängig ist. Schon im AT gilt Gott vor allem als der Barmherzige und Gnädige. Dafür wird er immer wieder gelobt. Barmherzigkeit ist eine der herausragenden Eigenschaften Gottes. Das Glaubensbekenntnis der Juden lautet: Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Ps 103,8 An erster Stelle steht immer barmherzig. Gott ist barmherzig, weil Er die Sünde zwar sieht, aber verzeiht und dem Bund mit seinem Volk treu bleibt. Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Mi 7,19 Jesus hat sich bitten lassen, barmherzig zu sein: Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde, die schrien: Ach, du Sohn Davids, erbarme dich unser! Matth 9,27 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Matth 15,22

3. Menschen sollen barmherzig werden.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Jesus gibt dies Gebot, weil wir unbarmherzig sind und dazu neigen, unbarmherzig zu sein. Eine fernöstliche Weisheit lautet: Flut und Feuer kennen kein Erbarmen. Oft kennen Menschen auch kein Erbarmen. Die Flüchtlingskrise ist auch eine Krise fehlender Barmherzigkeit. Es war kein anderer als der Prophet Jona, der nicht barmherzig sein wollte. Das aber verdross Jona sehr und er ward zornig und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, das ist’s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war, weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben. Aber der HERR sprach: Meinst du, dass du mit Recht zürnst? Jo 4,1ff Das Volk Israel, Gottes Volk, das alles der Barmherzigkeit Gottes verdankt, wird mit Jona ein Spiegel vorgehalten. So traurig es ist, auch in Kirchen und Gemeinden gibt es viel Unbarmherzigkeit.

Ja, teurer Freund, du hast sehr recht: Die Welt ist ganz erbärmlich schlecht, ein jeder Mensch ein Bösewicht. Nur du und ich natürlich nicht.“ Paul Baehr

Darum ist dies Gebot nötig. Darum habe ich es nötig, mir sagen zu lassen: Sei barmherzig, Volkmar. Ist das nicht großartig: Jesus traut es dir und mir zu, barmherzig zu sein! Barmherzigkeit ist die Haltung, die nicht danach fragt, was ein Mensch verdient hat, sondern was er braucht. Barmherzige Menschen haben ein Herz. Wer barmherzig ist kann das Elend nicht sehen, ohne sich zum Helfen angetrieben zu fühlen. Weil Gott mit uns barmherzig ist, sollen wir auch barmherzig mit uns selbst und mit anderen sein. Wir leben, glauben, hoffen und singen, weil Gott mit uns barmherzig ist. Wer Barmherzigkeit empfangen hat, kann nicht so bleiben wie er ist. Wer sich erbarmt erlöst zwei Menschen – sich selbst und einen anderen.

4. Barmerzig zu sein ist ein göttliches Gebot.

Seid barmherzigEs ist Jesus sehr wichtig, dass wir barmherzig sind. Dass wir anders sind. Dass wir Schuld vergeben, Kranke und Einsame besuchen, Sterbende begleiten, mildtätig sind, für Menschen beten, gastfreundlich sind. So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; Kol 3,12 Barmherzigkeit ist auch Gehorsam Jesus gegenüber. Wir können und sollen uns entscheiden, barmherzig zu sein mit anderen. In seinem Buch „Widerstand und Ergebung“ schreibt Dietrich Bonhoeffer: „Wir müssen lernen, die Menschen weniger auf das, was sie tun und unterlassen, als auf das, was sie erleiden, anzusehen. Das einzig fruchtbare Verhältnis zu den Menschen – gerade zu den Schwachen – ist die Liebe, d.h. der Wille, mit ihnen Gemeinschaft zu halten. Gott selbst hat die Menschen nicht verachtet, sondern ist Mensch geworden um der Menschen willen …Wir können das Leiden anderer Menschen nur in ganz begrenztem Maße wirklich mitleiden. Wir sind nicht Christus; aber wenn wir Christen sein wollen, so bedeutet das, dass wir an der Weite des Herzens Christi teilbekommen sollen in verantwortlicher Tat.“

Ehrlich und nüchtern Sünde benennen 2. Tim 3,1ff

Bibeltext: https://www.bibleserver.com/LUT/2.Timotheus3

Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, dass er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr munter her. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, dass sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Stoffe genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, dass sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.

Wissen Sie, wie das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen ausgeht? Der Kaiser glaubte den Betrügern. Er trug Kleider, die es nicht gab. Er zeigte sich nackt und glaubte, er sei gekleidet. Alle glaubten den Betrügern. Der nackte Kaiser wurde von allen hoch gelobt und bewundert für seine scheinbar so herrlichen und schönen Kleider – bis ein Kind es aussprach: „Aber er hat ja gar nichts an!“ Heute würde man sagen: das ist politisch nicht korrekt. Das sagt man nicht. Und was bitte darf man sagen? Wer bestimmt das? Gott möchte uns durch sein Wort die Augen öffnen: so viel Sünde wird heute schön geredet; so viel Hässliches und Liebloses wird gesellschaftsfähig und normal; so viel ist nur Schein und in Wahrheit armselig und nackt. Gottes Wort deckt die ganze Verlogenheit auf.

„Das Kind, das nachts die Sonne fand“ ist ein Buch von  Luca di Fulvio. In dem Buch fragt ein alter Mann ein Kind: „Was ist das wirklich Schlimme an einer Lüge?“ Das Kind weiß die Antwort nicht. So beantwortet der Mann seine Frage selbst und sagt: „Das wirklich Schlimme an einer Lüge ist, wenn man die eigene Lüge glaubt.“ Das wirklich Schlimme ist, dass das Märchen vom Kaiser und seinen neuen Kleidern heute vor unseren Augen stattfindet. Viele Menschen in Gesellschaft und Kirche glauben der eigenen Lüge. Sie sind doch gute Menschen, religiöse Menschen, anständige Menschen. Ich stelle dankbar fest: Paulus ist frei von jedem Zwang, sich politisch korrekt zu äußern. Auch zu Paulus müsste man sagen: was du hier schreibst ist politisch nicht korrekt. Das sagt man nicht. Doch mit seinen deutlichen und mahnenden Worten an Timotheus nimmt Paulus kein Blatt vor den Mund: Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden.  Er findet harte und klare Worte über die Menschen in den letzten Tagen: Es sind Menschen mit zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben. Hier ist ein Christ, der es wagt, Menschen zu beurteilen und Sünde zu benennen. Paulus ist erschreckend und zugleich heilsam direkt und nüchtern. Anhand von 19 Merkmalen wird gezeigt, warum die letzten Tage schlimme Zeiten sind. Damit werden auch Menschen in Kirche und Gesellschaft beschrieben. Diese sogenannten letzten Tage sind übrigens nicht irgendwann in der Zukunft. Seit der Auferstehung von Jesus Christus leben Menschen in den letzten Tagen. Jedes dieser 19 Merkmale macht deutlich, wie das Böse in Menschen Raum und Macht gewinnt.

In diesen wenigen Versen wird jedem Fortschrittsglauben der Boden entzogen. Nein, der Mensch wird nicht immer besser und edler mit der Zeit. Es wird nicht alles besser. Im Gegenteil. Die letzten Tage sind schlimme Tage, weil die Menschen Gottes gute Ordnungen verachten. Die letzten Tage sind schlimme Zeiten, weil auch Christen wie Nichtchristen leben: Sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie. Es gab schon im 1. Jahrhundert Scheinheilige. Es gibt sie auch heute. Heute nennt man das eine Mogelpackung. Über diesem Abschnitt in der Bibelübersetzung von Bruns steht: Klares Urteil über alles Scheinchristentum. Es geht Paulus hier aber um mehr als um Christen, die keine sind. Hier wird die Sündhaftigkeit des Menschen benannt. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten Feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott; Obwohl Jesus Christus von den Toten auferstanden ist und lebt, ziehen Menschen es vor, ohne Jesus zu leben. Obwohl die Macht der Sünde durch Jesus besiegt ist, werden Menschen verführt und ums Leben betrogen. Paulus macht Timotheus aufmerksam: Mach dir keine Illusionen darüber, wie verloren die Welt ist; sei nicht überrascht, wenn du erlebst, wie unmenschlich Menschen zu Menschen sind; zweifle nicht an Gott, wenn Böses gut und Gutes böse genannt wird. Die Macht der Sünde zeigt sich auf vielfältige Weise. An den Menschen erkennt man das vom Bösen durchdrungene Wesen dieser Zeit. Jesus selbst hat es so gesagt: Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

Aber dann entdecke ich: Mitten in diesem Bild über die ganze Sündhaftigkeit und Verlorenheit der Menschen finden wir ein Zeichen der Hoffnung. Dieser Text ist nicht nur traurig und bedrückend. Paulus erwähnt auch, dass es Hoffnung gibt: Sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie. Jesus hat Kraft und er gibt Menschen Anteil an seiner Kraft. Die Sünde ist durch Jesus entmachtet. Weil wir in einer schlimmen Zeit leben, finden Christen bei Jesus Kraft und Hilfe gegen die Sünde und die Verführung. Ich will die Kraft von Jesus nicht verleugnen. Nein, ich will seine Kraft erleben. Doch wo komme ich in diesem Text vor? Wie halte ich es mit dem Wort Gottes, der Liebe zu Gott, dem Dienst für Gott? Ist es klug, dass ich mich in Sicherheit wiege, weil ich Christ bin? Ich bin wie jeder andere Mensch auch verführbar. Ich rede auch gern Dinge schön. Es hilft niemandem, wenn über das Böse in der Welt geklagt wird. Das Böse will auch in meinem Leben Macht und Raum gewinnen. Im Märchen ist es ein Kind, das den Menschen die Wahrheit sagt. Gott schenke es, dass Menschen sich die Wahrheit sagen lassen und sich helfen lassen. Denn Gott möchte, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Ich glaube, hilf meinem Unglauben Mk 9,24

Viele Jahre ist es her. Heinz S. fuhr auf dem eigenen Bauernhof aus Versehen seinen 4-jährigen Sohn tot. Ein unfassbares, unvorstellbares Unglück. Eine unheilbare Wunde. Am Grab seines toten Sohnes legt er sich flach auf den Boden und bittet Jesus, ihm seinen Sohn wiederzugeben. Verzweifelte Vaterliebe, die betet und fleht. Er will seinen Johannes wieder. Er traut es Gott zu. Irgendwann wird seine Frau wieder schwanger. Drei Kinder haben sie schon. Der jüngste bekommt den Namen Johannes. Wir sind heute mit Johannes befreundet. Ich durfte seinen Vater Heinz S. 2018 beerdigen. Sein Grab liegt gleich neben dem seines kleinen Johannes.

In Markus 9 bekommen wir Einblick in ein ähnliches, schmerzvolles Familiendrama. Viele Menschen haben auch Wunden und Tragik in ihrer Geschichte, die sie prägt und die oft sehr intim ist.

1. Vaterliebe

Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Hier höre ich Vaterliebe. Ja, Liebe kann man hören. Ich höre verzweifelte Vaterliebe, die ehrlich und öffentlich die eigene Schwachheit und Ohnmacht bekennt. Liebe hilft auch, demütig zu sein. Dieser Vater bittet Jesus um Hilfe. Hilf meinem Unglauben! Er fleht Jesus um Hilfe an. Er schreit um Hilfe. Hier ist die leidenschaftliche Bitte eines Vaters, der aus Liebe zu seinem Kind leidet. Es ist die Bitte des liebenden Vaters, der mit dem Schwachen und Hilflosen leidet. Dieser Vater liebt seinen Sohn. Er gibt seinen Sohn und seinen Wunsch, ihm zu helfen, nicht auf. Er kann ihn nicht aufgeben. Auch daran leidet er, dass er nicht aufhören kann zu lieben. Er rechnet mit Hilfe wider alle Vernunft und ohne zu wissen, wie die Hilfe aussehen kann. Auch das ist Glaube, den eigenen Unglauben zu bekennen. Glaube ist auch glauben wollen und nicht glauben können.

2. Der Liebe eine Stimme geben

Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Wie hat der Vater diese Worte wohl gesagt? Hörst du ihn? Hörst du seine Liebe, seine Not, seine Verzweiflung, seinen Schmerz, seine Hoffnung? Ich höre all das. Ich höre nicht nur diesen Vater. Ich höre die Sehnsucht und verzweifelten Bitten vieler Menschen, die Gott um Hilfe anflehen. Wie viel würde ich für mein krankes, leidendes Kind tun? Für meine Frau, meinen Mann? Für meine Eltern? Wie wichtig ist mir mein Nächster? Dieser Vater würde alles geben und alles tun für sein eigenes Kind. Er ist ein beeindruckendes Beispiel der opferbereiten Liebe für einen anderen.

3. Worum geht es?

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht.

Der Vierjährige beim ins-Bett-bringen: „Morgen bitte nur einen kleinen Tag. Heute war mir anstrengend.“ Wie viele Kinder sagen das wohl jeden Tag? Wie viele Eltern? Einige Menschen haben viele anstrengende Tage. Es ist ein Kind, das leidet. Sein eigenes Kind leidet. Seit Jahren leidet sein Kind. – Und natürlich leidet der Vater mit seinem Kind. Worum geht es hier? Es geht erstens um Jünger Jesu, die nicht helfen können, nicht frei machen können, nichts ausrichten können. Es geht um „und sie konnten’s nicht.“ Und somit geht es um Enttäuschung und Frust über die Nachfolger Jesu, die außer Worten und Gesten nichts können. Es geht zweitens um Befreiung vom Leiden eines Kindes und um ein Ende des Leids in einer Familie. Es geht um ein Leben ohne Schmerz und ohne Angst. Es geht darum, endlich wieder Frieden zu haben und vertrauen zu können. Es geht drittens um eine Machtfrage. Wer kann helfen? Wer kann? Gott kann! So stand es auf einer Karte am Krankenbett meiner Mutter. Im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes sagt Paulus von der Liebe: sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe kann viel! Es geht viertens auch um eine starke Sehnsucht nach einem anderen Leben. Es geht fünftens um gelebte Liebe und ums Vatersein, um das Eintreten für andere und das Bitten für andere. Väter sollen auch Fürsprecher sein! Sie sollen Fürbeter sein! Sie sollen Liebende sein! Mitleidende sein! Priester sein!

Diese Geschichte ist das krasse Gegenstück zu Kains Hass auf seinen Bruder. Kain tötet seinen Bruder und sagt dann trotzig zu Gott „Soll ich meines Bruders Hüter sein?!“ Was geht mich mein Bruder an! Was geht mich mein Nächster an! Was geht mich mein Kind an. Was gehen mich die anderen an!“ Die Jahreslosung 2020 ist der Schlüssel zu Unversöhnlichkeit und Gleichgültigkeit.

Dieser Schlüssel lautet „gelebte Liebe, echte Barmherzigkeit.“ Der Leidende und Schwache geht mich etwas an. Er braucht mich. Die Not des anderen geht mich etwas an. Ich glaube; hilf meinem Unglauben! ist die gleiche, leidenschaftliche Bitte wie wir sie im Mund Jakobs finden, der mit dem Engel die ganze Nacht kämpft und dann bittet „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“ 1. Mose 32,27 Es ist die gleiche Liebe, die Abram bewog dreimal für Sodom und Gomorra zu beten: Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen. 1 Mo 18,32 Und es war Jesus selbst, der vor dem Scheitern von Petrus ihm sagte: Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Lk 22,32 Gott sei Dank für Fürbeter!

4. Wer braucht welche Hilfe?

Wer ist es denn, der Hilfe braucht? Der Vater oder der Sohn? Kann man das überhaupt trennen? Nein, das kann man nicht trennen. Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Eltern und Kinder gehören zusammen. Leiden zusammen, freuen sich zusammen. Väter sind nicht allmächtig. Mütter auch nicht. Aber in seiner Ohnmacht und Hilflosigkeit zeigt dieser Vater die Stärke seiner Liebe. Dieser Vater kämpft für sein Kind. Er kann nicht anders. Er kam zu den Jüngern im Glauben an die Kraft Jesu zu helfen. Er wurde enttäuscht von den Jüngern. Er wurde enttäuscht von Menschen. Aber er blieb hartnäckig. Er ließ nicht locker. Es war sein Kind. Wider alle Vernunft wendet er sich an Jesus selbst. Dieser Vers lässt mich an die Eltern kranker Kinder denken, an ihre Liebe, ihre Last und ihre Grenzen. Es gibt sie, leidende Eltern, überforderte Eltern, verzweifelte Eltern. Viele Eltern finden sich hier wieder. Es gibt entfremdete Eltern, die unsagbar darunter leiden, keinen Kontakt zu den eigenen Kindern zu haben.

Die Kernaussage dieses Textes ist: Jesus hat Macht über unreine Geister. Jesus ist stärker. Jesus kann frei machen. Jesus kann, was Menschen nicht können. Jesus kann helfen! Jesus hilft auch denen, die zweifeln und nicht glauben können. Jesus hilft diesem Vater trotz seines Unglaubens und seiner Zweifel. Und: Jesus möchte gebeten werden. Auch wenn ich etwas nicht kann, wenn mir Kraft und Glaube, Liebe und Vertrauen fehlt, auch wenn ich nicht so bin wie ich gerne wäre oder sein sollte, kann ich doch mit Gottes Hilfe Segen und Heil erfahren. Trotz meiner Schwachheit kann ich Gottes Segen erhalten.

5. Alle sind hier gemeint

Ich bin dieser Vater! Ich bin dies Kind! Du bist dieser Vater. Diese Mutter. Du bist dies Kind. Hier finden sich alle wieder. Das verlorene, unfreie Kind. Der, der nicht für sich selbst bitten kann. Der Mittler und Priester, der für andere bittet und fühlt und hofft. Der barmherzige Gott, der sich bitten lässt.

Graf Zinzendorf hat das Lied „Herz und Herz vereint zusammen“ gedichtet. In Strophe 3 heißt es: Legt es unter euch, ihr Glieder, / auf so treues Lieben an, daß ein jeder für die Brüder / auch das Leben lassen kann.So hat uns der Freund geliebet, so vergoss er dort sein Blut, denkt doch, wie es ihn betrübet, wenn ihr euch selbst Eintrag tut. Liebe bringt Opfer. Liebe ist fähig, sich selbst für den anderen zu geben, damit ihm geholfen wird.

Hinter der Jahreslosung verbirgt sich Vaterliebe, unermessliche, unvorstellbare, wunderbare Vaterliebe.

So einen Vater hat dies Kind! Dies Kind ist zu beglückwünschen. So einen liebenden Vater! Das wird dies Kind dem Vater nie vergessen. Davon wird er oft noch hören und viel öfter noch reden. Was sein Vater für ihn getan hat. Wie viele wünschen sich so einen Vater, der sich für sie einsetzt! Wie viele wünschen sich so einen Fürsprecher und Kämpfer, der sie so liebt! Diesen Vater gibt es nur einmal in der Bibel. So ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus, zu dem wir sagen „Unser Vater!“ Das genügt. Es gibt ihn. Er hat einen Namen, eine Geschichte und einen Sohn, der unsagbar gelitten hat und frei wurde. Weil der Vater Jesus gebeten hat. So sollen Väter sein.

Diese Predigt wurde am 27.12.2020 in der EFG Nordenham gehalten

Ich kann mein Glück nicht fassen Lk 2,20

Die wöchentliche Ziehung der Lottozahlen hat mich nie wirklich interessiert. Ich spiele kein Lotto. Darum schaue ich mir das auch nicht an. Ganz anders verhält es sich allerdings mit denen, die Lotto spielen. Klar. Für sie ist die Ziehung der Lottozahlen eine spannende, wichtige und manchmal sehr aufregende Sache. Stell dir vor, die erste Zahl der Ziehung stimmt überein mit der ersten Zahl auf deinem Tippzettel!? Und stell dir vor, die nächste Zahl stimmt auch mit deiner überein. Jetzt wird es aufregend. Und die nächste Zahl stimmt auch! Und die nächste. Wenn du tatsächlich 6 Richtige hast, was macht das mit dir? Das hängt entscheidend von einer Frage ab: Glaubst du den Zahlen, die jemand im TV sagt? Wenn du den Zahlen glaubst, ist es ganz sicher ein unvergesslicher Moment im Leben. Dann passt es zu sagen, „Ich kann mein Glück nicht fassen.“ Auch wenn du noch keinen Cent auf dem Konto hast, freust du dich sehr. Hin und wieder mache ich die Erfahrung, großes Glück zu haben. Mehr Glück, als ich fassen kann.

Eine junge Frau schrieb vor Kurzem, „Gerade war Visite mit noch einer wunderbaren Nachricht. Die Lymphknoten waren nicht befallen, das erspart mir die Chemo. Ich kann die ganze Welt umarmen!!“ Da möchte man singen. Da möchte man die Freude ausdrücken. Das möchte man anderen sagen – und die Welt umarmen! Ob beim Lotto oder im Krankenhaus, Glück und Freude haben auch mit Glauben zu tun.

Mit den Hirten will ich singen / laut und fröhlich soll es klingen / Jesus Christus ist geborn / Nun bin ich nicht mehr verlorn.

Ähnlich groß muss die Freude der Hirten gewesen sein, als sie alles genau so fanden, wie es der Engel ihnen gesagt hatte. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Sie ließen ihre Schafe allein und kamen eilend und fanden … Ist diese unglaubliche Botschaft des Engels wahr? Können wir das glauben? Das herauszufinden war für die Hirten wichtiger als alles andere. Wenn Menschen heute die Bibel lesen, dann geht es vielen wie den Hirten. Sie wollen wissen: Ist es wahr, was in der Bibel steht? Gibt es diesen Gott, der mich liebt? Darüber Gewissheit zu haben ist unendlich wichtig und wertvoll. Christen wissen: die Bibel ist Gottes Wort. Christen wissen: Gott ist da und liebt mich. Christen sind wie die Hirten, sie haben den Heiland gefunden. Und sie haben eine Gewissheit, die sie von Jesus singen lässt. Jeder Christ hat seine ganz persönliche Geschichte, wie er Gott fand. Gott möchte gefunden werden. Darum hat Gott versprochen: Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR Jer 29,13f

Die Hirten hatten eine wichtige Aufgabe. Sie sollten Zeugen der Geburt von Jesus sein. Sie sollten die Botschaft des Engels weitersagen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Die Hirten bekamen eine Hauptrolle als Gott Mensch wurde. Die, die es am wenigsten erwartet hatten, von Gott selbst beachtet zu werden. Gott offenbart sich Menschen, wo sie es nicht erwarten.  Wir feiern Weihnachten, weil es gefeiert werden muss, dass Gott zu uns gekommen ist.

Sie kamen eilend und fanden… Sie suchten den Stall bis sie ihn fanden. Sie fanden Bethlehem – es stimmt, was der Engel sagte! Sie fanden eine Krippe in einem Stall – auch das stimmt! Sie fanden ein Kind in der Krippe – das stimmt! Sie fanden das Kind in Windeln gewickelt – stimmt! Wie groß war denn die Chance, in der Nacht in einem Stall in Bethlehem ein Kind in einer Krippe zu finden, dessen Eltern auch noch Außergewöhnliches berichten konnten??

Mit den Hirten will ich gehen / und mit ihren Augen sehen, / denn der Retter dieser Welt / hat auch meine Nacht erhellt.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Die Hirten hatten ganz unverhofft mehr Glück als sie fassen konnten. Gott hat sie reich beschenkt. Gott hat ihnen eine unglaubliche Zusage geschenkt: Euch ist heute der Heiland geboren! Wer das glaubt „Für mich ist der Heiland geboren“ der wird Gott preisen. Wer das weiß „Für mich kam Jesus auf die Welt,“ der wird Weihnachten gerne feiern.

Wer darüber gewiss ist, von Gott geliebt und gewollt zu sein – der kann zurück an die niedrigste Arbeit gehen, weil Gott sich erniedrigt hat und in einem Stall zur Welt kam. Wer versteht, was in dem Stall in Bethlehem passiert ist, kann auch nachts singen. Die Hirten glaubten das Unglaubliche: Euch ist heute der Heiland geboren. Gott wurde für mich Mensch und Heiland. Jesus ist geboren, damit ich froh werde.

Mit den Hirten will ich reden / denn die Botschaft ist für jeden, / die sie hörten auf dem Feld / von großer Freude für die Welt.

Wie Hagar kehren diese Männer zurück in ihren harten Alltag. An ihrem Alltag hat sich nichts geändert. Und doch ist alles anders. Denn sie haben gehört und gesehen, was sie froh und gesegnet zurückkehren lässt. Sie sehen ihr Leben mit anderen Augen. Gott preisend und lobend verabschieden sich die Hirten aus dem Leben von Maria, Josef und ihrem Baby. Das letzte, was Maria über die Hirten sagen konnte, steht hier: Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Sie haben sich verabschiedet und gehen singend zurück. Was haben sie wohl gesungen? Maria hört sie laut singen: „Herbei, o ihr Gläubigen, fröhlich triumphierend, o kommet, o kommet nach Bethlehem!… Immer leiser sind sie zu hören, je weiter sie sich entfernen. „Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, den König.“

Laut singend und Gott lobend schluckt sie die Nacht, die heilige Nacht. Sie entschwinden in der Nacht, die unsere Nächte hell gemacht hat. Doch ihr Gesang hallt vieltausendfach wider in der ganzen Welt in unzähligen Liedern, die das Wunder der Geburt Jesu groß machen. Unsere Weihnachtslieder fingen mit den Hirten an. Unsere Lieder sind ein Echo des Lobgesangs der Hirten. Maria hat das alles nie vergessen. Irgendwann hat sie Jesus zum ersten Mal von den Hirten erzählt und von dem, was die Hirten auf dem Feld erlebt hatten. Irgendwann hat sie es Lukas erzählt. Irgendwann hast du zum ersten Mal von den Hirten gehört. Du hast gehört: Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

Weihnachten sagt uns, Gott holt uns ab, gleichgültig wo wir stehen. (Helmut Thielicke) Das ist das wichtigste und schönste, wenn die Geschichte der Hirten deine Geschichte wird. Den Heiland zu treffen ist das wichtigste und schönste.

Mit den Hirten will ich danken / Zuversicht und Hoffnung tanken / Ihren Lobpreis will ich hörn / Niemand soll mich dabei störn

Die Nacht ist vorgedrungen, / der Tag ist nicht mehr fern! So sei nun Lob gesungen / dem hellen Morgenstern! / Auch wer zur Nacht geweinet, / der stimme froh mit ein. / Der Morgenstern bescheinet / auch deine Angst und Pein. Jochen Klepper

Ohne Glauben macht Weihnachten keinen Sinn. Ohne Glauben ist es nur ein Baby in einer Krippe. Ohne Glauben ist es nur eine Nacht wie tausend andere Nächte. Ohne Glauben ist es nur eine arme Familie. Ohne Glauben gibt es kein Glück und keine Freude. Doch die Heilige Nacht hält mehr Glück bereit, als du fassen kannst. Denn Gott wurde Mensch für dich. Und weil auch die Hirten mit ihrer Geschichte dazugehören, sollst du auch dazugehören mit deiner Geschichte. Jeder soll über den Heiland singen können. Jeder soll die Botschaft glauben. Jeder soll wie die Hirten in der Nacht glauben und singen. Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Mit den Hirten will ich glauben / Nichts soll die Gewissheit rauben. / Dass Gott hält, was er verspricht. / Sein Wort hat stets viel mehr Gewicht.

Du bist ein Gott, der mich sieht 1 Mose 16

Kennt ihr den Film Giulias Verschwinden? In dem Film über das Älterwerden gibt es eine markante Szene. Eine Gruppe Mittfünfziger wartet auf Giulia, um zusammen ihren 50. Geburtstag zu feiern. Sie überbrücken das Warten mit Gesprächen über das Altern und die Altersleiden. Giulia verspätet sich und hört im Bus von einer älteren Dame: «Wir sind unsichtbar. Wir Älteren». Die fünfzigjährige Giulia sitzt in der Straßenbahn und schaut aus dem Fenster hinaus ins Dunkle. Dabei sucht sie in der Scheibe ihr eigenes Spiegelbild – und findet es nicht. Es ist einfach nicht da. Die Frau sieht sich selbst nicht mehr. Und sie muss realisieren, auch die anderen nehmen sie überhaupt nicht mehr wahr. Die gehen an ihr vorüber, als wäre sie Luft.

Übersehen werden kann weh tun. Übersehen werden kann tief verunsichern. Nicht gesehen werden ist übrigens auch ein Thema in vielen Biografien. Und für manche Menschen eine Last, die sie lange mit sich herumschleppen. Ältere Menschen, die alleine leben, berichten oft: „Ich werde kaum noch wahrgenommen und nicht mehr richtig angesehen.“ Dass niemand sich dafür interessiert, was sie gerade beschäftigt und wie es ihnen geht. Und wie sehr es ihnen fehlt, dass sie mal in den Arm genommen werden. Manche vermissen das seit Jahren. Weißt du, wie es ist gesehen zu werden? Wenn du nicht gesehen wirst merkst du es. Gesehen werden ist ein sehr menschliches Bedürfnis. Eins unserer Kinder brachte es zehntausend Mal auf den Punkt mit nur drei Wörtern: „Mama, guck mal!“ Gesehen werdet bedeutet wichtig sein.

Es ist die geflohene Sklavin Hagar, die staunend bekennt: Du bist ein Gott, der mich sieht. Über dies Bekenntnis und über diesen Gott, der eine geflohene Sklavin sieht, möchte ich heute sprechen. Du bist ein Gott, der mich sieht! Dies Bekenntnis sagt viel mehr, als wir auf den ersten Blick vermuten. Für die Juden waren dieser Satz und die Erfahrung Hagars so wichtig, dass sie einen Brunnen danach benannten. Damit erinnerten sie die Ägypterin Hagar und ihre Begegnung mit Gott. Was könnte einem Menschen Größeres widerfahren als von Gott gesehen zu werden! Die alte Elisabeth wird Mutter eines Sohnes. Sie hat die gleiche Erfahrung gemacht: So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen. Lk 1,25

Es war Januar 2018. Naemi hatte gerade den Führerschein gemacht. Und sie fährt zum ersten Mal ihre Familie auf die Autobahn. „Hey Leute!! Hey, ICH fahre euch im Auto!!! Wie irre ist das denn! Ist das nicht krass! Hier geschieht Erstaunliches!

Wer ist Hagar? Sie ist Ägypterin, Tochter unbekannter Eltern, Sklavin, rechtloses Eigentum, Frau, Leihmutter, Flüchtling, verzweifelt und von Gott gesehen. Was wissen wir? Hagar wurde Abram und seiner Frau in Ägypten vom Pharao geschenkt. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Seit 10 Jahren ist Hagar Sarais Magd in Kanaan. Zu diesem Zeitpunkt war Abraham 85 Jahre alt und Sarai 75. Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind. Sarai war kinderlos! Das war ein schweres Los für Sarai. Warum war sie kinderlos? Warum? Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Sarai will unbedingt, dass Gottes Zusage von Nachwuchs erfüllt wird und schlägt ihrem Mann vor: Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Leicht gefallen ist Sarai dieser Vorschlag sicher nicht, ihre junge Magd ihrem Mann als Frau zu geben, damit ein Sohn gezeugt wird. Gott alleine weiß, wie lange Sarai diesen Gedanken bewegt hat. Ist euch aufgefallen, Sarai spricht von ihrer Magd? Weder sie noch Abram nehmen ihren Namen in den Mund. Sie ist nur die Magd.

Und dann wird sie Abrams Frau. Gefragt wird sie nicht. Es wird entschieden. Sie muss diesen alten Mann heiraten. Sie ist jetzt wichtig als Leihmutter. Für die eine Aufgabe ist sie wichtig. Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering. Sie schaut auf Sarai mit anderen Augen. Andere Blicke. Ihre Blicke sagen, „Du bist nicht so wichtig. Ich bin wichtig. Ich bin Mutter. Gott hat mir das Kind geschenkt.“ Das gleiche Verb wird auch mit fluchen übersetzt. Was leicht und unbedeutend ist, ist verflucht. Blicke machen Menschen. Wie ich angesehen werde, so bin ich. Glücklich ist, wer mit Augen der Liebe angesehen wird. Aber auch die anderen Blicke kennen wir.

Sarai war verletzt und böse über die Art, wie Hagar sie ansah. Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt; tu mit ihr, wie dir’s gefällt. Der Haussegen hing schief. Sarai wollte nicht die Verliererin sein. Sie wollte nicht gering geachtet werden von ihrer Magd. Sie beschwert sich bei ihrem Mann. Er gibt ihr freie Hand. Das Blatt wendet sich. Da behandelte Sarai sie so hart, dass ihr Hagar davonlief. Die schwangere Hagar flieht. Sie hält es nicht mehr aus.

Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Schur. Der Engel des Herrn ist eine Bezeichnung für Gott, der menschliche Gestalt annimmt. Er fand sie! Gott suchte und fand Hagar. Wo Gott uns sucht und findet, beginnt eine neue Geschichte. Ihr seid heute hier, weil Gott euch gesucht und gefunden hat. Gott ist ein Gott, der sucht. Gott ist ein Gott, der zu uns kommt. Am 2. Advent erinnern sich Christen an das zweite Kommen Jesu Christi. Hagar war bei einer Wasserquelle in der Wüste als der Engel des Herrn zu ihr kommt.

Am 3.11. fand man die 3-jährige Ayda Gezgin in Izmir. Nach einem Erdbeben lag sie 91 Stunden unter Schutt und Geröll. Rettungskräfte haben unermüdlich gegraben, Schutt weggeräumt, Tag und Nacht. 91 Stunden nach dem Erdbeben hörte ein Retter erst ein leises Wimmern, dann sah er eine Hand. Gerettet! Gott ist wie diese Retter. Er sucht unermüdlich, er hofft, räumt den Schutt unserer ganzen Schuld weg. Aber der Engel des HERRN fand sie…

Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Zum ersten Mal wird sie mit ihrem Namen angesprochen. Dieser Fremde kennt ihren Namen. Er weiß: sie ist Sarais Magd. Er fragt sie nicht, weil er nicht weiß, woher sie kommt. Er weiß es. Er weiß alles! Aber er will, dass sie es ausspricht. Er will es von Hagar hören. Ich bin von Sarai, meiner Herrin, geflohen. Der Moment der Wahrheit. Eine Beichte. Hagar macht nicht viel Worte, erklärt nichts. Sie sagt, wie es ist.

Du siehst die Wunden und heilst mein Herz. Beugst Dich in meine Not herab und trocknest meine Träne ab. Du siehst die Wunden und heilst mein Herz. O, wie wunderbar bist Du. (Danny Plett)

Sie nennt kein Ziel. Wohin soll eine schwangere, junge Sklavin auch? Das sind zwei bedeutende Fragen: wo kommst du her und wo willst du hin? In diesen wenigen Worten verbirgt sich das Evangelium. Frohe Botschaft. Gott findet die verzweifelte Hagar. Er redet mit ihr. Hört ihr zu. Und dann zeigt er ihr Zukunft. Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, Spruch des HERRN, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung. Jer 29

Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Ismael nennen; denn der HERR hat dein Elend erhört. Er wird ein wilder Mensch sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und er wird wohnen all seinen Brüdern zum Trotz.

Hagar kehrt um und demütigt sich unter Sarai. Sie kann, was sie vorher nicht konnte. Sie geht zurück in die Situation, aus der sie geflohen ist. Nichts hat sich geändert an der Situation. Alles hat sich geändert, wenn Gott dich gefunden hat. Hagar zeigt mir, „Du kannst mehr als du denkst, wenn du von Gott gesehen wirst! Du kannst, was dir unmöglich erschien, wenn Gott zu dir kommt. Du kannst mehr, wenn du weißt: Gott ist mir!“ Mit Gott kannst du auch schwere Wege gehen. Gott sieht dich!

Paulus sagt es so, Ich vermag alles durch den, der mich stark macht! Phil 4,13